Share on facebook
Share on twitter
Share on telegram
Share on google
Share on email
Share on print

Spaziergänge im Aprikosenhain: Die Barmherzigkeit eines Mädchen führt zu einem Heilmittel für Lepra

Vor langer Zeit gab es in den südlichen Regionen Chinas einen speziellen Brauch. Wenn ein junges Mädchen sich mit Lepra infiziert hatte, kauften ihr die Eltern einen Ehemann, gewöhnlich einen armen, obdachlosen Mann. Sie hofften, dass ihre Tochter durch die Heirat das Lepra an ihren unglückseligen Ehemann weitergeben und so ihr eigenes Leben retten würde. Dieser Brauch war bekannt als „Lepra verkaufen“. Dies war sicherlich ein Mythos, der nicht durch medizinische Beweise gestützt wurde. Eine an Lepra erkrankte Frau wird diese Krankheit wohl durch körperlichen Kontakt an ihren Ehemann weitergeben, aber es gibt keinerlei Beweise, dass die Frau dadurch tatsächlich von Lepra geheilt würde.

Diese Sitte kam schließlich wegen der folgenden rührenden Geschichte zu einem Ende:

Die Tochter des Besitzers einer Taverne litt an Lepra. Der Tavernenbesitzer schloss einen Handel mit einem äußerst armen Junggesellen ab, der zustimmte, die Lepra seiner Tochter „zu kaufen“, indem er sie heiratete. Aber das gutherzige Mädchen wollte diese schreckliche, entstellende und schmerzhafte Krankheit niemandem weitergeben, sodass sie dem armen Junggesellen in ihrer Hochzeitsnacht das vom Vater versprochene Geld gab und ihn aus der Hintertür entkommen ließ. Ihr Vater war wütend, als er herausfand, dass seine Tochter den Mann mit dem Geld hatte entkommen lassen, sodass er sie ohne Nahrung oder Wasser im Weinkeller einsperrte, um sie dort verhungern zu lassen.

Vor lauter Hunger und Durst hatte sie keine andere Möglichkeit, als den Wein aus einem riesigen Fass im Keller zu trinken. Es gibt eine chinesische Redensart: „Wein an sich ist eine Art Nahrung.“ Daher wird angenommen, dass Wein bis zu einem bestimmten Grad Nahrungsmittel ersetzen kann. Wann immer das arme Mädchen hungrig oder durstig war, trank sie aus dem riesigen Weinfass, um sich zu ernähren. Mehrere Tage später nahm ihr Vater an, dass sie nun verhungert sei, sodass er einen Sarg bestellte und in den Keller ging, um ihren Leichnam herauszuholen.

Als er jedoch den Keller betrat, stellte er zu seiner Überraschung fest, dass seine Tochter noch lebendig und völlig von Lepra geheilt war. Der Tavernenbesitzer befahl seinen Männern, das riesige Fass zu leeren, um seinen Inhalt zu kontrollieren. Sie fanden darin nur eine langnasige Grubenviper (Ancistrodon acutus). Seitdem begannen die Leute, Wein mit langnasigen Grubenvipern zu trinken, um Lepra zu behandeln. Schon bald wurde dies als eine äußerst wirksame Behandlung von Lepra bekannt.

Die Tochter des Tavernenbesitzers ließ ihren Namen nicht zurück. Aber wegen ihres barmherzigen Gedankens, das Leben des Junggesellen zu retten, hatte sie nicht nur ihr eigenes Leben gerettet, sondern auch alle Menschen zukünftiger Generationen, die an Lepra leiden, durch die Entdeckung dieser magischen Medizin gesegnet.

Diese Geschichte muss sich während oder vor der Tang Dynastie abgespielt haben, da es dort in Der Theorie der Schlangenjäger, von Liu Zongyuan, einem berühmten Schriftsteller in der Tang Dynastie, eine genaue Beschreibung des Gebrauchs von Ancistrodon acutus gibt, um Lepra zu heilen. Das Buch sagt: „Es gibt eine seltsame Art schwarzer Schlangen mit weißen Mustern in der Wildnis der Yong Präfektur. Sie können gebraucht werden, um Lepra, chronischen Rheumatismus, Taubheit der Glieder, Muskelkrämpfe und Krätze zu heilen.“

Historisch gesehen, war die langnasige Grubenviper eine wertvolle Medizin in der Zeit der Tang Dynastie geworden. Es war üblich, dass die chinesische Regierung Schlangenjäger durch verlockende Angebote, wie etwa Steuersenkungen, ermutigte, Vipern zu fangen.
Nach dem Handbuch der Materia Medica (oder Ben Cao Gang Mu auf Chinesisch), eine von mehreren Schriften des legendären chinesischen Arztes Li Shizhen, waren langnasige Grubenvipern auch bekannt als „Qi langnasige Grubenvipern“, weil die Vipern aus der Qi Präfektur zu dieser Zeit (der jetzige südliche Qichun Bezirk in der Provinz Hubei) stärkere medizinische Wirkungen aufwiesen. Verglichen mit anderen Schlangengattungen, hat die langnasige Grubenviper viele einzigartige Merkmale.

Bei allen anderen Schlangenarten zeigen ihre Nasenlöcher abwärts, aber die langnasigen Grubenvipern werden dadurch unterschieden, dass sie tiefe Gruben an beiden Seiten des Kopfes, zwischen den Augen und Nasenlöchern haben. Dieses Merkmal scheint ihre Nase aufwärts zeigen zu lassen. Deshalb ist die langnasige Grubenviper auch als „Nasenlochschlange“ bekannt. Außerdem schließen alle anderen Schlangen, nachdem sie tot sind, ihre Augen. Die langnasige Grubenviper tut dies jedoch nicht, sogar nachdem sie verdorrt und ausgetrocknet ist.

Laut dem Handbuch der Materia Medica hat die langnasige Grubenviper „einen Kopf wie ein Drache, einen Mund wie ein Tiger, einen schwarzen Körper mit weißen Mustern und vierundzwanzig perlenförmige Stellen an ihrem Unterleib“ „Die Spitze ihres Schwanzes ähnelt dem Fingernagel eines Buddhas mit einer Länge von 1 bis 2 cm. Ihr Darm ist in der Form aufgereihter Perlen“ [2].

Die Ancistrodon acutus von Agkistrodonae (oder Bungarus multicinctus von Elapidae) gehört zur Familie Viperidae. Sie ist äußerst giftig und beisst, wenn sie provoziert wird, Menschen in den Fuß. Die üblichen medizinischen Anwendungen sind die Behandlungen von verlängertem Rheumatismus, Taubheit der Glieder, Muskelkrämpfen, Krätze (ansteckendem Juckreiz), Eiterflechten (eine akute von Bläschen, Pusteln und gelblichen Krusten charakterisierte ansteckende Hautkrankheit), hartnäckige Tinea (durch Pilze hervorgerufene Hautkrankheit) Taubheit der Muskeln aufgrund pathogener Winde oder Puritus (Hautjucken) und Tetanus (Wundstarrkrampf).

Li Shizhen entwickelte eine spezielle Formel, genannt „Nadelsee Kräuterwein, gemacht von Ancistrodon Acutus“, was bei der Behandlung von verlängertem Rheumatismus, Taubheit der Glieder und Muskelkrämpfen usw. sehr wirksam war. Li Shizhen entwickelte auch eine Art medizinischer Tablette für Lepra, genannt „Drei Schlangentablette“. Wenn die barmherzigen Gedanken der jungen Tochter des Tavernenbesitzers nicht gewesen wären, wäre keine dieser Behandlungen möglich gewesen.

Literaturangabe:
[1] Liu Zongyuan, Die Theorie der Schlangenjäger. Vgl. Band 16 der gesammelten Werke von Liu Hedong. Liu Zongyuan war auch bekannt als Liu Hedong.
[2] Li Shizhen, Handbuch der Materia Medica (oder Ben Cao Gang Mu auf Chinesisch), Band 43, Kategorie der Tiere mit Panik.

Das Neueste

Archiv

Weitere Artikel zu diesem Thema