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Tang Dynastie Poesie: Visionen des Paradieses

Die Poesie der Tang Dynastie bietet Einblicke in diese magische Zeitperiode. Sie nimmt den Leser mit auf eine spirituelle Reise. Zu meiner Überraschung sehe ich oft ein kleines Stückchen Himmel, wenn ich die poesievollen Tang-Gedichte lese.

Stets werden schöne Orte und ideale Ebenen ersehnt. Die Dichter der Tang Dynastie benutzten ihr Schreibwerkzeug, um die Kultur auf eine Art und Weise einzufangen, die es erlaubt, sie über Zeit und Raum hinweg weiterzugeben. Die Kultur der Tang Dynastie bewahrt eine himmlische Botschaft, die für spätere Generationen hinterlassen werden soll. Die Botschaft in den Gedichten dieser Periode lassen ein melancholisches Ersehnen eines weitentfernten und endlosen Paradieses erkennen, eine Sehnsucht jenseits aller Beschreibungen.

Der Himmel existiert nicht nur in unserer Dimension und die gewöhnlichen menschlichen Wesen können ihn nicht sehen. Aber es gibt Umstände, in denen Menschen die Wunder des Himmels erfahren dürfen. Diese Erfahrungen und Visionen sind in menschlicher Sprache aufgezeichnet und sind daher ein Teil der menschlichen Gesellschaft geworden. Solche Visionen werden in folgenden vier Gedichten präsentiert:

Endloses Ersehnen (I)
Endlos sehne ich mich danach,
in Chang’an zu sein.
Insekten summen im Herbst an der goldnen Quelle.
Ein feiner Frost glitzert wie kleine Spiegel auf meiner kalten Matte,
die hohe Laterne flackert und tiefer wird meine Sehnsucht.
Ich hebe den Schatten und
seufzend schaue ich zum Mond.
Einzeln wie eine Blume, eingefasst von den Wolken
Droben sehe ich das Blau und die Tiefe des Himmels
Drunten sehe ich das Grün und die Rastlosigkeit des Wassers
Der Himmel ist hoch, die Erde weit, zwischen ihnen schwebt bitter mein Kummer
Kann ich durch das Tor träumen, über den Berg?
Endloses Ersehnen
zerbricht mein Herz.
–Li Bai

Endloses Ersehnen (II)
Die Sonne ist untergegangen, Nebel inmitten der Blumen, der Mond wächst weiß, Menschen traurig und schlaflos,
Eine Zhao-Harfe soeben verstummt auf ihren Phoenix Halter gelegt
und eine Shulute beginnt zu erklingen mit Mandarin-Enten Saiten
Da keiner die Last meines Liedes an Dich ertragen kann,
sollte es dem geistigen Wind zum Yanran Berg folgen.
Ich denke an Dich weit entfernt, jenseits des blauen Himmels
und meine Augen die einst leuchteten, sind nun eine Tränenquelle geworden,
Oh, falls Du jemals diese Schmerzen meines Herzens anzweifeln solltest,
hier in meinem hellen Spiegel, kehr zurück und sieh mich an!
–Li Bai

Lilly Magnolia
Es gibt ein Ende in den abgeschiedensten Winkeln der Erde,
während es eine Unendlichkeit in der Sehnsucht zwischen Liebenden gibt
– Yan Shu

Erinnerungen im frühen Winter
…Ich erinnere mich an meine Heimat, aber die Krümmungen des Xiang Flusses
sind eingemauert von den Wolken dieses südlichen Landes,
Ich gehe vorwärts, ich weine bis meine Tränen erschöpft sind.
Ich sehe ein Segel am fernen Himmel,
wo ist die Fähre? Wird jemand es mir sagen?
Es wird kalt, es wird dunkel.
–Meng Haoran

All diese Gedichte drücken Gefühle der Liebe und des Verlangens aus, aber in der Art und Weise, dass sie keine konkreten Empfindungen von jemandem ausdrücken. Ihr eigentlicher Sinn ist, die Sehnsucht und das Verlangen nach der Rückkehr zum Himmel auszudrücken, wohin alles Leben gehört. Diese Heimat ist so weit entfernt und wird so verzweifelt vermisst, dass sie als unerreichbar angesehen wird. Diese Poeten sehnen sich nach einer verschwommenen Erinnerung.

Die Tang-Gedichte sind ebenfalls eine Aufzeichnung, wie die Menschen den Himmel sahen und verstanden. Die Erinnerung an das Paradies ist für alle Zeiten in ihrem Herz und Geist geprägt, es verbleibt durch alle Generationen intakt. Die Nachkommenschaft fühlt sich tief berührt durch das Lesen der Tang Gedichte, und durch sie kann man sich an die Schönheit des Paradies´ erinnern.

Unter gelbem Dunst und drei Bergen,
gehen eintausend Jahre wie im Galopp vorbei;
Die gesamte Erde und das Land beobachten
Seewasser schwappt aus einer Tasse.
–Li He

Ein Besuch des Himmelsmutter Berges in einem Traum
So, in meinen Träumen sehne ich mich nach Wu und Yue
Eines Nachts flog ich über den Spiegelsee unter dem Mond,
der Mond warf meinen Schatten auf das Wasser
und reiste mit mir den ganzen Weg nach Shanxi,
die Hütte von Herr Xie ist immer noch vorhanden,
wo grünes Wasser wirbelt, und der Schrei der Affen schrill war,
zog ich mir die Schuhe von Xie an.
Ich erklomm die finstre Leiter von Wolken,
Auf halbem Wege sah ich die Sonne aus der See emporsteigen,
hörte den Hahn des Himmels krähen,
und mein Pfad wand sich durch eintausend Klippen
verzaubert durch die Blumen lehnte ich mich gegen einen Felsen
und plötzlich ward alles dunkel,
Brummen der Bären und Knurren der Drachen
Unter den Felsen und Wasserläufen,
erschreckte mich der tiefe Wald, ich ängstigte mich der finsteren Klippen wegen,
dunkel waren die Wolken, schwer vom Regen
Wasser zerkochte zu nebliger Gischt,
Blitze zuckten, Donner rollte
Bergspitzen wankten, Felsbrocken zerschmettert,
und das Steintor einer großen Höhle
gähnend offen,
unterhalb von mir, eine bodenlose Leere aus Blau
Sonne und Mond schimmern auf Terrassen aus Silber und Gold,
mit Regenbögen als Kleid und Winden als Pferden,
die Herren, von den Wolken abstammend, ein mächtiges Heer,
Phönixe umrunden die Streitwagen, Tiger spielen Zithern
da die Unsterblichen vorbei kamen, Rang auf Rang.
–Li Bai

In diesem Gedicht, wird die schöne Szenerie des Paradies´ dem Autor durch Klüfte und Felsen in den Wolken offenbart. Emporsteigend ist es dem Autor möglich, die Adligen der Wolken zu erblicken – Rang für Rang der Unsterblichen.

Eine Ballade des Himmels
Der Fluss des Himmels zieht vorbei, des Nachts
hintreibend, die kreisenden Sterne,
Auf der silbernen Anhöhe, die schwebenden Wolken
ahmen das Gemurmel des Wassers nach.
Am Jadepalast die Cassiablüten
sind noch nicht abgefallen,
Feen-Mädchen sammeln ihre Wohlgerüche
für ihre baumelnden Kissen von Blumenkränzen.
Die Prinzessin von Ch’in rollt ihre Fensterläden hoch,
Der Tagesanbruch am nördlichen Fensterflügel.
Vor dem Fenster steht eine Kolanuss-Pflanze
wirft Schatten auf den blauen Phönix.
Der Sohn des Königs spielt auf seinen Flöten
lang wie Gänsefedern,
versammelt Drachen den Nebel zu pflügen
und pflanzen Jade Gras.
Rosane Schärpen wie Wolken in der Dämmerung,
Röcke aus Lotus-Wurzel Seide,
so ziehen sie auf die blaue Insel, sammeln
frische Orchideen im Frühling.
Sie zeigt auf Hsi Ho im Osten
flink drängen seine Rösser,
während das Land beginnt sich aus der See zu erheben
und Stein-Hügel weggeschliffen werden.
–Li He

Der Himmel, den der Autor in diesem Poem beschreibt, ist sehr reizvoll: Der Cassiabaum blüht beim Jadepalast, der Prinz spielt auf seinen Flöten, Feenmädchen sammeln frische Orchideen…. All dies schildert die Grazie und Schönheit im Himmel. Die Alten fanden sich selbst wieder in einem Wunderland der Freiheit und des Vergnügens während ihrer Träume vom Himmel. Die Harmonie und der Glanz, die Glückseligkeit und die Heiterkeit der Wesen dort, der Frieden und die Ruhe des himmlischen Paradieses, alles wird bewiesen durch das Sprichwort, “ein Tag im Himmel droben, entspricht tausend Jahren auf der Erde.”

Der Südwind bläst den Berg hinweg
und macht ihn zu flachem Land,
Der Kaiser des Himmels befiehlt der See sich zu bewegen;
Der Pfirsich der himmlischen Mutter blüht eintausend Mal
Wie viele Male starb Peng Zuwuxian?
–Li He

Durch die märchenähnliche Beschreibung, die in diesen Versen präsentiert wird, drückt der Autor sein eigenes Verständnis von Himmel und Erde aus, nachdem er durch himmlische Gefilde reiste. Während der Pfirsichbaum der himmlischen Mutter tausende Male blühte, hat ein ganz gewöhnlicher Mensch namens Peng Zuwuxian, der ein langes Leben auf der Erde hatte, bereits viele Male gelebt und ist viele Male gestorben, wieder und wieder, viele wiederholte Male. Dies deutet uns an, dass ein menschliches Leben sehr kurz und nicht in einem Atemzug mit dem Leben eines ewigen Lebewesens im Himmel erwähnt werden kann. Dieses Gedicht, das nun folgt, drückt dieselbe Stimmung aus:

Sieben Tage vergangen für die Unsterblichen im Himmel,
während auf der Erde wiederholt viele tausende von Jahren vergangen sind.
–Zhang Lianqui

Außer dem Versuch, die Unsterblichkeit und das Sehnen nach dem Himmel zu verstehen, strebten die Menschen der Tang Dynastie danach, das Dao zu erhalten [Bei Falun Gong ist dies als Fa bekannt. Grob übersetzt – universelles Gesetz oder Prinzipien] und zum Himmel emporzusteigen. Die Menschen dieser Zeit gingen eifrig der Kultivierung nach, wie die folgenden Gedichte beschreiben.

Auf dem Weg zurück zur alten Residenz
Im Traum zum Himmel reisen
Da gibt es einen anderen Platz und Dimension im Kessel.
Überblicke die menschliche Erde,
welche leicht verwittert und morsch ist.
–Li Bai

Ling Xu Berg
Die menschliche Welt verlassen
den Pfad zum Himmel gehen;
über die Vollendung durch Kultivierung,
dann den Wolken im Himmel nachfolgen,
Hütten unter Pinienbäumen,
Tief und unentdeckt zwischen den Pfirsichblüten.
–Li Bai

Aus der Poesie der Tang Dynastie wird offenkundig, dass sie glaubten, ein menschliches Wesen auf der Erde zu sein, sei nicht der einzige Zweck des Lebens. Die Menschen der Tang Dynastie verstanden es, das erhoffte Ziel – das Glück des Himmels – durch Kultivierung und Vollendung zu erlangen. Dies ist die vorherrschende Botschaft, die die Tangdynastie-Gedichte an uns weitergeben.

Quellenangaben:
Li Bai’s ENDLESS YEARNING (I) and ENDLESS YEARNING (II)
http://etext.lib.virginia.edu
Li Bai’s A VISIT TO SKY-MOTHER MOUNTAIN IN A DREAM
Selected Poems from the Tang Dynasty, 1999, Chinese Literature Press
Li He’s A BALLAD OF HEAVEN
http://www.cs.uiowa.edu
Meng Haoran’s MEMORIES IN EARLY MORNING
http://etext.lib.virginia.edu

Chinesisches Original:
http://www.zhengjian.org/zj/articles/2002/7/27/16950.html
Englische Version:
http://www.clearharmony.net/articles/200209/7191.html

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