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Gedicht aus der Tang Dynastie: „Unter bemoosten Felsen wohnen“

Unter bemoosten Felsen wohnen

Von Han Shan

„Wenn ich unter bemoosten Felsen wohne,
Weiß ich nicht, was in meinen Höfen wächst.
Neu gewachsener Rattan klettert herab.
Gigantische Felsen sehen alt aus.
Die Affen sammeln in den Bergen Früchte auf.
Fischreiher holen Fische aus den Teichen.
Mit ein oder zwei Schriftrollen göttlicher Bücher,
unter den Bäumen sitzend, lese ich sie durch.“

Auf Chinesisch

家住綠巖下
寒山

家住綠巖下,庭蕪更不芟。
新籐垂繚繞,古石豎巉巖。   
山果獼猴摘,池魚白鷺銜。
仙書一兩卷,樹下讀喃喃。

Über Han Shan

Han Shan, auch Han Shan Zi genannt, war ein berühmter Mönch und Dichter in der frühen Tang Dynastie (618-907 n. Chr.) Er lebte lange Zeit auf dem eisigen Bergrücken des Berges Tiantai. Die Sprache seiner Gedichte erscheinen zwar einfach und gewöhnlich; aber sein Stil war „ätherisch“ und einmalig. Der Bereich seiner Gedichte zeigt sein vornehmes Wesen. Über 300 von Han Shans Gedichten sind in der Sammlung
„Die Sammlung von Gedichten des Han Shan Zi“ aufgehoben und zusammengestellt.

Die Interpretation des Autors

Die acht Zeilen des Gedichts schildern Szenen in den Bergen. Man kann das Gedicht als acht Zeichnungen (Malereien) stiller oder sich bewegender Dinge verstehen oder auch als eine Sammlung fein gezeichneter und geschnittener Montagen. Mit jeder Aufnahme wird eine, „ätherische“, harmonische, heitere und natürliche Welt dargestellt. Aber es wird auch das Bild eines göttlichen Eremiten (entfernt von der säkularen Welt) gezeichnet.

Der Eremit lebt unter bemoosten Felsen, weit von der Welt und von jeglichen gewöhnlichen Menschen entfernt. Da er keine Besucher hat;
warum soll er nicht in seinem Hof die Weiden wachsen lassen? Die neuen Rattantriebe klettern von den Zweigen herunter und dann an den Felsen entlang, so als ob sie eine Botschaft des Lebens auf die Leinwand der natürlichen Landschaft zeichnen. Die alten gigantischen Felsen mit ihren Tausenden von Jahren, türmen sich zum Himmel empor. Sie bringen es fertig, jahrelang ihre majestätische Ausstrahlung zu bewahren und das, mitten in den Angriffen der Winde und Stürme. Affen in großen Scharen spielen herum und machen ein Menge Lärm. Sie kämpfen auf den Obstbäumen in den Bergen um Früchte. Sie fürchten die Menschen nicht und brauchen sich nicht vor ihnen zu schützen. Ein schneeweißer, schlanker Fischreiher holt sich einen Fisch aus dem Teich und fliegt in sein Nest zurück.
Ein Dichter hat ein oder zwei Schriftrollen göttlicher Bücher und liest sie unter den Bäumen.

Natur und Dichter sind eins. Was für ein wunderbares Königreich!
In einem anderen seiner Gedichte schrieb Han Shan: “Tiger und Hirsche sind meine Nachbarn.“ Das heißt, dass ihn die Tiger und die Hirsche oft in seiner Behausung in den Bergen besuchen. Es gibt in der chinesischen Geschichte viele Berichte über edle Mönche, die friedlich mit wilden Tieren zusammenlebten, manchmal sogar, dass die wilden Tiere ihnen Dienste leisteten. Das ist eine ganz normale Erscheinung, wenn ein Mensch seine Sinne wieder in den natürlichen Zustand versetzt hat und sich mit den Kreaturen der Welt durch seine Freundlichkeit zusammenfindet.

Als aber der Dichter dieses Gedicht schrieb, war seine Absicht keineswegs die; nur eine schöne Landschaft zu zeigen, wie man sie auf Postkarten findet. In vielen seiner Gedichte benutzt Han Shan Bilder und Vergleiche, um das Buddha-Gebot zu beschreiben. Durch Beschreibungen sozialer Erscheinungen oder natürlicher Landschaften versucht Han Shan, den Menschen das Buddha- Gebot nahe zu bringen. Er sagte einmal: “Es ist besser, Gedichte von Han Shan im Haus zu haben als, wenn man viele Schriftrollen von Buddhaschriften liest.“ Daraus folgt, dass der Hauptaspekt dieses Gedichtes, „das göttliche Buch“ ist. Durch die Beschreibung der schönen Landschaften, möchte Han Shan den Leser dahin führen, dass er sich nach schönen Dingen sehnt und eventuell die Kultivierung zu einem höheren Wesen anstrebt. Es besteht die Möglichkeit, dass der Leser erkennt wie wunderbar das Streben nach höherem Wissen sein kann.

Es gibt noch eine interessante Sache, die erwähnt werden muss. Han Shan ist ein buddhistischer Mönch und man sagt von ihm, er sei die Reinkarnation von Manjusri, Bodhisattva der Weisheit. Allerdings benutzt er in diesem Zusammenhang, das Wort „göttlich“, das den Lehren des Taoismus näher steht. Das ist ein Hinweis darauf, dass die taoistische Kultivierung auch eine wahre (orthodoxe) Kultivierungsschule ist. Seine Wortwahl ist deshalb sehr sinnvoll.

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