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Geschichten aus dem alten China: Ehrlich sein und seine Versprechen einhalten

Lu Yuanfang war Minister während der Herrschaft von Kaiser Wu Zetian, in der Tang Dynastie. Er wahr ehrlich, hielt immer seine Versprechen und war ein unbestechlicher und vorausschauender Beamter.

Lu Yuanfang hatte eine Residenz außerhalb der Stadt Luoyang, die "Jinxiu Garten" genannt wurde. Es handelte sich hierbei um ein äußerst seltenes Anwesen, das sich durch elegante Pavillons und Gebäude, schöne Brücken und klare Bäche auszeichnete. Später verließ das Glück die Familie Lu und sie hatten es schwer, über die Runden zu kommen. Deshalb besprach sich Lu Yuanfang mit seinen zwei Neffen, Lu Yin und Lu Mao und sie beschlossen, den Besitz zu verkaufen.

Als sich die Nachricht verbreitete, dass Lu Yuanfang "Jinxiu Garten" verkaufen wolle, erschienen augenblicklich zwei Geschäftsleute, um ihn zu besuchen. Lu Yuanfang erzählte ihnen ganz offen die Gründe, warum das Grundstück zu verkaufen sei. Die zwei Geschäftsleute sorgten sich, dass er einen unvernünftigen Preis für den Besitz fordern würde. Lu Yuanfang sagte: „Mein älterer Bruder und ich bauten diesen Landsitz gemeinsam auf und planten, ihn den späteren Generationen zu hinterlassen, damit diese hier leben könnten. Ich beabsichtige nicht, daraus Gewinn zu ziehen und würde es gerne zu 70% der ursprünglichen Kosten verkaufen. Sie können es für sechs- oder siebentausend Liang Silber bekommen.“ Als die beiden Geschäftsleute dies hörten, konnten sie ihr Glück kaum glauben. Der Handel wurde auf der Stelle abgeschlossen. Aus Angst, Lu Yuanfang könnte seine Einstellung ändern, gaben die beiden Geschäftsleute 50 Liang Silber als Sicherheitspfand. Sie verabredeten, dass der Kauf in drei Tagen vollzogen sein würde.

Nachdem die zwei Geschäftsleute weggegangen waren, lud der Bürgermeister der Stadt, Lu Yuanfang zu sich ein. Der Bürgermeister sagte, dass er beabsichtige, Lu’s Residenz zu erwerben und bot Lu an, den Preis so hoch festzusetzen, wie er wolle. Doch Lu legte seine Hände ineinander, entschuldigte sich und sagte zu dem Bürgermeister, dass er den Besitz bereits jemand anderem zum Kauf versprochen habe. Er sagte dem Bürgermeister auch, dass, obwohl der Verkauf noch nicht endgültig sei, die Käufer ihm bereits ein Sicherheitspfand gezahlt hätten. Der Bürgermeister bestand darauf, dass er das Anwesen zu kaufen wünsche und bot Lu doppelt so viel Geld an. Doch Lu Yuanfang lehnte sein Angebot höflich ab und bestand darauf, wenn er jemandem etwas versprochen habe, sein Wort zu halten. Darüber war der Bürgermeister gar nicht erfreut und bat Lu Yuanfang, die ganze Sache doch noch einmal zu überdenken.

Als Lu Yin und Lu Mao auf dem Rückweg hörten, dass Lu Yuanfang das Angebot des Bürgermeisters abgelehnt hatte, konnten sie nicht verstehen, warum er so handelte. Sie sagten zu sich selbst: „Wie kommt es nur, dass unser Onkel so starrköpfig ist? Was wird uns in Zukunft passieren, wenn wir den Bürgermeister verärgern? Wo doch auch der Verkauf noch nicht besiegelt ist, braucht man doch sein Wort nicht zu halten.“ Als Lu Yuanfang hörte, was sie sagten, kritisierte er sie hart: „Als Mann muss man sein Wort halten. Ihr seid bereits erwachsen. Wie könnt ihr nur so einen Grundsatz nicht verstehen?“

In dieser Nacht wälzte sich Lu Yuanfang in seinem Bett hin und her und vermochte nicht zu schlafen. Am nächsten Tag ging er schon am frühen Morgen los, um den Bürgermeister aufzusuchen. Der Bürgermeister war sehr erfreut und dachte, Lu hätte seine Einstellung geändert. Entgegen aller Erwartungen, hielt Lu Yuanfang jedoch an seiner ursprünglichen Entscheidung fest. Der Bürgermeister war wütend und beschimpfte Lu Yuanfang, er sei undankbar: „Wenn ich mich dieses Jahr nicht für ein gerechtes Urteil eingesetzt hätte, wären die neun Generationen der Familie Lu betroffen gewesen.“ Lu Yuanfang schaute ganz betreten und kniete auf den Boden, war aber dennoch nicht bereit, seine Einstellung zu ändern.

Als Lu Yuanfang’s Mutter dies mitbekam, konfrontierte sie Lu Yuanfang ärgerlich: „Begreifst Du denn nicht das Prinzip der Rückzahlung einer kleinen Dankesschuld mit allem, wozu man in der Lage ist? Der Bürgermeister möchte unseren Landbesitz erwerben. Wir dürfen doch nicht so knauserig sein, selbst wenn wir ihm diesen umsonst überlassen!“ Lu Yuanfang kniete auf dem Boden und sagte, er könne sein bereits gegebenes Versprechen nicht brechen. Er sagte zu seiner Mutter: „Du und Vater habt uns seit unserer Kindheit gelehrt, dass das, was man versprochen hatte, nicht mehr zurückgenommen werden kann. Nun habe ich bereits jemand anderem ein Versprechen gegeben; wie könnte ich dieses brechen?“ Als die Mutter diese Worte vernahm, war sie sprachlos.

Mittlerweile machten Gerüchte die Runde: Es muss da etwas Geheimnisvolles geben, weil der Verkauf des Jinxiu Gartens zu so einem niedrigen Preis vollzogen werden solle. Die beiden Geschäftsleute fühlten sich auch nicht mehr so wohl damit. Sie entschlossen sich zu einer Besichtigung, bevor sie den Handel perfekt machten. Die beiden Männer besichtigten die Residenz, konnten aber nichts Schlechtes dabei entdecken. Also entschieden sie sich, den Besitz zu kaufen, um dort ein Restaurant einzurichten. Als Lu Yuanfang dies hörte, warnte er sie davor, dort ein Restaurant zu betreiben, weil kein unterirdischer Abwasserkanal für die Entsorgung von Schmutzwasser vorhanden sei. Die beiden Geschäftsmänner waren enttäuscht, dies zu hören und nahmen von dem Kauf des begehrten Grundstücks Abstand.

Die ganze Familie beklagte sich, dass Lu Yuanfang den mutmaßlichen Käufern die Wahrheit gesagt hatte. Lu Yuanfang jedoch bereute nichts. Er sagte: „Wenn ich nicht die Wahrheit gesagt hätte, wären die Käufer von mir betrogen worden. Gleichgültig, wie schwierig unsere augenblickliche Situation auch ist, ich werde ehrlich sein und mein Wort halten!“

Gerade, als seine ganze Familie sich Sorgen machte, sie könnten keinen anderen Käufer finden, kamen die beiden Geschäftsmänner zurück und wollten den "Jinxiu Garten" doch kaufen. Es stellte sich heraus, dass sie berührt davon waren, weil Lu Yuanfang ihnen den Mangel des Grundstücks damals vorbehaltlos mitgeteilt hatte. Seine Ehrlichkeit bestärkte sie in dem Glauben, dass das Grundstück darüber hinaus keine weiteren Mängel aufweisen würde und so entschlossen sie sich, auf dem Grundstück ein Seidengeschäft einzurichten.

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