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Geschichten aus dem alten China: Eines Jeden Glück ist vorherbestimmt; man soll sich Geld nicht auf unehrliche Weise aneignen

He Ruchong, ein Mann aus Tongcheng, lebte in der Ming Dynastie (1368 bis 1644 n. Chr.) im alten China. Er hatte einen älteren Bruder mit Namen He Rushen. Im Jahre 1573, dem zweiten Jahr von Kaiser Wanli’s Herrschaft, belegten beide den ersten Platz in der Prüfung für den Verwaltungsdienst auf Bezirksebene. Später wurde He Ruchong ein hochrangiger Beamter am königlichen Gerichtshof, während sein älterer Bruder, He Rushen, Schatzmeister der Provinz Zhejiang wurde.

Es wurde behauptet, dass die Familie He unter Armut litt. He Ruchong und He Rushen studierten, als sie noch jung waren, in dem buddhistischen Tempel Shiwu auf dem Berg Qing in Tongcheng. An einem Neujahrsabend, während alle Familien in der Stadt das Neujahr feierten und mit Feuerwerk spielten, schauten die beiden sich gegenseitig an und seufzten, weil sie in einer solch erbärmlichen Armut lebten, dass es ihnen nicht möglich war, nach Hause zu gehen, um dort Neujahr zu feiern. Plötzlich hörten sie draußen ein lautes Geräusch wie Donner. Sie eilten aus dem Tempel, um dort einen gigantischen Felsbrocken vorzufinden, der sich aufgespaltet hatte und einen darin enthaltenen Schatz freigab. He Rushen war außer sich vor Freude. Er nahm an, es müsse ein Geschenk des Himmels sein, aus Mitleid für ihre Armut. Er wollte den Schatz nach Hause schicken.

He Ruchong hielt ihn davon ab und sagte: „Nein, wir sollten das nicht annehmen! Ein Gentleman muss mit dem zufrieden sein, was er hat. Es ist keine gute Sache, ohne triftigen Grund Geld zu gewinnen. Nebenbei könnte es eine Prüfung des Himmels sein. Du darfst diesen Schatz nicht annehmen.“

He Rushen sagte: “Gut. In Ordnung. Aber wir sind bettelarm. Es ist nichts Falsches daran, eine kleine Summe Geld zu leihen.“ Er nahm 50 Tael (1) Platin an sich und warf einen Schuldschein in den geborstenen Felsen. Die Öffnung schloss sich von selbst wieder und der Fels nahm seine ursprüngliche Erscheinung wieder an.

Es vergingen viele Jahre. He Rushen bestand die Prüfung für den Verwaltungsdienst auf Bezirksebene und wurde später Schatzmeister. Einmal, als er den Regierungsschatz überprüfte, entdeckte er, dass 50 Tael Platin fehlten. Er bekam einen Wutanfall bei dem Versuch, den Schuldigen zu finden, als ein Regierungsbediensteter eine Notiz in der Ecke fand, auf der stand: „In einem bestimmten Monat, Tag und Jahr lieh sich He Rushen 50 Tael Platin vom Himmel.“

Der Bedienstete präsentierte He Rushen die Notiz. Dieser war von der Notiz schockiert. Bei näherer Überprüfung stellte er fest, dass dies genau der gleiche Schuldschein war, den er seinerzeit geschrieben und in die Öffnung des gigantischen Felsens geworfen hatte. Als nächstes erzählte er allen die Geschichte, die sich in dem Tempel zugetragen hatte, als er noch jung war und er ersetzte das fehlende Geld aus seiner eigenen Tasche.

Vielleicht sah der Himmel, dass die beiden bettelarmen Brüder tugendsam waren, so zeigte er ihnen ein Wunder, um sie zu ermutigen. He Ruchong war der Versuchung gegenüber unzugänglich und war mit dem Leben, das der Himmel für ihn arrangiert hatte, zufrieden. Er war in der Tat ein tugendhafter Gentleman, der seine Moral bewahrte, selbst wenn er allein war. Sein älterer Bruder, He Rushen, nahm das Geld aus Eigennützigkeit, doch er gab das geliehene Geld am Ende wieder zurück. All jene, welche die Geschichte vernahmen, waren davon berührt und wurden alle noch überzeugter, dass das Glück eines jeden vorherbestimmt ist und niemand sich Geld durch Betrug aneignen sollte.

Dies ist eine Erkenntnis in der Kultivierungsgemeinschaft. Glück, Reichtum und Langlebigkeit einer Person beruhen auf der Grundlage von Tugend, die sie in früheren Leben angesammelt hat. Auch wenn eine Person durch unehrliche Mittel reich wird, wird sie dies früher oder später, auf die eine oder andere Weise zurückzahlen müssen, entweder in diesem Leben oder dem nächsten.

Anmerkung:

1. Tael
[Anm.: Tael ist eine heute nicht mehr gebräuchliche, chinesische Gewichtseinheit für Edelmetall, die je nach Zeit und Ort starken Schwankungen unterworfen war. In China entsprach 1 Tael etwa 37,8 g, in Shanghai etwa 34,3 g sowie 33,4 g im Außenhandel auf Basis des Peso].

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