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Geschichten aus dem alten China: Zwei Maler

Es gab einen alten Maler, der zwei gleichermaßen gewissenhafte und talentierte Schüler hatte. Er brachte ihnen alles bei, was er kannte und schließlich wurden sie ganz berühmt. Sie waren Meister Zhang und Meister Ding.

Nachdem ihr Lehrer gestorben war, wollten Meister Zhang und Meister Ding beide ihre künstlerische Zukunft ausloten. Ehe sie sich trennten sagte Meister Zhang: „Unser Lehrer pflegte zu sagen, dass wir beide gleichwertig in unseren Fähigkeiten seien. Warum bringen wir nicht unser bestes Stück nach fünf Jahren hierher zurück? Dann können wir schauen und entscheiden, welches besser ist.“

Lächelnd sagte Meister Ding: „Natürlich, das klingt gut.“

Nachdem sie sich von einander verabschiedet hatten, reiste Meister Zhang in der ganzen Welt umher, sah die besten Szenerien und lernte von unterschiedlichen Kulturen. Seine Gemälde entstanden, eines nach dem anderen. Seine Popularität wuchs und damit auch der Preis seiner Werke. Meister Zhang genoss wirklich seine Erfüllung. Er dachte: „Es sind noch nicht ganz fünf Jahre um, doch ich bin so schnell vorangekommen. In der Tat, ich denke, dass meine Schöpfungen fast ans Wunderbare heranreichen. Im Gegenteil, noch hat niemand Meister Ding erwähnt. Ich bin mir sicher, dass ich diesen Wettstreit leicht gewinnen kann.“

Als die Fünfjahresfrist erreicht war, brachte Meister Zhang voller Selbstvertrauen sein bestes Gemälde an den Platz, an dem sie sich treffen wollten. Er sah Meister Ding, der ihn mit einem herzlichen Lachen und leeren Händen willkommen hieß.

Er war nicht so glücklich darüber: „Wir kamen doch überein, unsere besten Gemälde mitzubringen und Du kommst mit leeren Händen. Wie können wir dann einen Vergleich anstellen?“

Meister Ding betrachtete seinen grauhaarigen Klassengefährten und sagte: “Teurer Freund, es ist nicht so, dass ich mit leeren Händen kommen wollte, sondern weil ich einfach kein Bild hatte, das ich mitbringen konnte.”

Meister Zhang dachte: „Ich wette, dies ist eine Ausrede und dass er einfach fürchtet, den Wettbewerb zu verlieren.“ Meister Zhang fragte dann: „Warum?“

Worauf Meister Ding entgegnete: „Obwohl ich meine Gemälde nicht mitbringen konnte, kann ich sie dir dennoch zeigen.“

Nachdem Meister Ding das gesagt hatte, gingen sie miteinander durch die ganze Stadt. Meister Zhang war sehr überrascht, zu entdecken, dass alle Bilder von Meister Ding an den verschiedenen Gebäuden in der Stadt hingen. Jedes Bild war besser als das vorige. Die kleine Stadt war idyllisch und malerisch und erfüllt von einer künstlerischen Atmosphäre. Ursprünglich waren die Menschen hier nicht sehr gebildet, doch nun hatten sie alle ihr Verhalten und Temperament verfeinert. Die Art, wie sie sich zeigten, war so, als wären sie in den Gemälden abgebildet und dargestellt.

Jeder Ortsansässige sprach respektvoll zu Meister Ding. Meister Zhang war ein wenig eifersüchtig und neidisch und fragte: „Sie stellten dich an, um all diese Gemälde zu schaffen? Du musst ja inzwischen ein Heidengeld besitzen!“

Meister Ding lächelte und sagte: „Als ich dabei war, wegzugehen, dachte ich mir, welch schwere Aufgabe es wohl für unseren Lehrer gewesen war, uns auszubilden. Ich entschloss mich, den Menschen in dieser Stadt etwas dafür zurückzugeben. Nachdem ich mein erstes Gemälde fertiggestellt hatte, waren sie von meinen Bildern sehr angetan und auch von der Schönheit meiner Arbeit bewegt. Und so luden sie mich ein, mit dem Zeichnen weiterzumachen.

Zuerst fürchteten Sie, ich würde dafür eine Menge Geld verlangen, doch ich sagte zu ihnen, ich würde dies umsonst tun, mit der Ausnahme, dass sie meine täglichen Mahlzeiten bereitstellen sollten."
Meister Zhang war erstaunt, dass Meister Ding umsonst zeichnete: „Wie kannst Du nur so unklug sein. Du hättest eine Menge Geld verdienen können!“

Mit Tränen in seinen Augen sagte Meister Ding: „Eigentlich haben sie mir geholfen. Meine Kunstfertigkeit war nicht so gut. Nachdem sie mein Werk sahen, wussten sie nicht, wie sie mir Komplemente machen könnten, doch sie wurden herzlicher und liebenswürdiger. Auf diese Weise angespornt, wurden meine Gemälde immer besser. Was kann ich für meine Arbeit mehr erwarten?“

Nachdem er dies gehört hatte, schämte sich Meister Zhang. Nach seiner Auffassung wurde der Wert eines Kunstwerkes durch seinen Preis bestimmt. Je höher der Preis, umso wertvoller das Kunstwerk.

Meister Zhang sagte: „Du hast diesen Fünfjahreswettstreit gewonnen. Deine Gemälde sind unbezahlbar und können nicht mit Geld erworben werden, wie das mit meinen Gemälden möglich ist. Deine Gemälde können zahlreiche Menschen verändern, doch meine Gemälde sind nichts anderes, als Dekorationsstücke der reichen Leute. Ich denke, ich habe es verdient zu verlieren, und Du hast es mir möglich gemacht, den wahren Wert von Kunst zu greifen und zu verstehen. Lass mich von Dir lernen! Lasst uns doch zusammenarbeiten und mehr Schönheit für die Welt erschaffen!“

Dann umarmten sie sich gegenseitig und weinten. Meister Ding war nun mit Meister Zhang an seiner Seite, auf seinem kreativen Pfad nicht mehr allein. Von da an verschwand ein berühmter Künstler in der Welt, doch zwei glückliche Maler arbeiten mit gut übereinstimmenden Herzen zusammen, um Schönheit in eine andere Ecke der Welt zu bringen.

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