Für Journalisten lohnt es sich, über berufliche Moral nachzudenken

Was ist die berufliche Moral eines Journalisten? Es lohnt sich für unsere Journalisten, über diese Frage nachzudenken.

Ich hatte an der Erdbeben- und Katastrophenhilfe in Sichuan teilgenommen.

Am 14.5.2008, abends um 22.00 Uhr wurden zwei Überlebende gefunden, eine 40-jährige Frau und ein alter Mann.

Die Bergungsmannschaft entschied sich dafür, zuerst die Frau zu retten. Die Ärzte gaben ihr eine Infusion und Wasser. Einer von den Rettungskräften versperrte einem Kameramann die Sicht. Dann kam die Moderatorin von CCTV, die den olympischen Fackellauf auf dem Gelände der Jo-mo glang-ma (Mount Everest ) moderierte und fragte: „Kannst du den Weg frei machen, lass uns zuerst Videoaufnahmen machen.“ (CCTV übertrug gerade live eine Berichterstattung )

Alle Anwesenden fanden, dass an erster Stelle die Rettung der Betroffenen stehen sollte. Die Moderatorin von CCTV sagte aber: „Wir brauchen nur 5 Minuten.“

Über den Überlebenden befand sich eine Platte, die sehr gefährlich aussah; sie konnte jeder Zeit nach unten rutschen. Die Rettungskräfte sagten: „Lassen Sie uns zuerst diese Platte wegnehmen.“

Die Moderatorin erwiderte: „Nicht nötig, lasst es so bleiben“ und berichtete weiter.

Der alte Mann stöhnte ständig vor Schmerzen. Alle Anwesenden rieten dem alten Mann, nicht zu sprechen, um seine Kräfte zu sparen.

Aber die Moderatorin sagte in die Kamera: „Unter uns liegt ein alter Mann vergraben. Ich halte das Mikrophon zu ihm herüber. Mal sehen, ob seine Stimme noch zu hören ist.“

Die Moderatorin rief: „Alter Onkel, hören Sie mich? Bitte sagen Sie etwas.“

Der alte Mann stöhnte wieder.

Was soll man dazu sagen? Dieser Bericht wurde auf Kosten eines Menschenlebens gesendet.

Schließlich wurde diese Frau gerettet, aber ihr Unterleib war schwer verletzt, weil er zu lange eingedrückt wurde. Wäre CCTV nicht dabei gewesen, würde ihr Unterleib vielleicht unversehrt geblieben sein .

Der alte Mann war tot, als die Rettungskräfte ihn ausgruben. Vielleicht verlor er zu viel von seiner Kraft..

Am 17. Mai, als Rettungskräfte aus Russland die erste Überlebende ausgruben, schimpfte ein Rettungssanitäter, weil das starke Licht der Kameras der Journalisten direkt in die Augen der Überlebenden gehalten wurde!

Der Journalist Xu Po von CCTV ging sogar mit in den Operationssaal, um eine Live – Übertragung zu machen. Dadurch verbrauchte er nicht nur eine sterile Bekleidung, sondern verunreinigte auch die sterile Bekleidung des Arztes. Der Arzt rief empört: „Du hast die OP-Kleidung verunreinigt!“ Xu Po ging nicht aus dem Saal, sondern fragte weiter, wie es dem Patienten ginge, der anästhesiert wurde. Der Beginn der Operation verzögerte sich, weil er den Notarzt aufhielt.

Die Journalisten befragten Jiang Yuhang im Transportflugzeug fortwährend aus, obwohl Jiang schon sehr schwach war, er lag 125 Stunden in einem Trümmerfeld. Wollten sie die letzte Kraft des Patienten für ihre Berichterstattung verbrauchen?

Eine Polizistin verlor bei dem Erdbeben ihre Eltern und ihre Tochter.

Ein Journalist fragte sie kalt, ob sie ihre Verwandten verloren habe und wie sie in dieser schmerzlichen Situation noch soviel arbeiten könne. Schließlich fragte er sogar: „Wirst du an deine Eltern und Tochter denken, während du den alten Leuten und Kindern hilfst?“

Die Polizistin war tief getroffen und fiel in Ohnmacht.

Eine Journalistin der Sichuan TV

Ein Junge wurde von ihr interviewt, während sein älterer Bruder noch in den Ruinen vermisst wurde. Sie fragte ihn, ob sein älterer Bruder noch zurückkäme? Der Junge sagte: „Ja, er wird zurückkommen.“ Sie bohrte weiter: „Du solltest ehrlich antworten!“

Chen Jian lag 72 Stunden unter Ruinen vergraben und war schon sehr schwach, doch während seiner Rettung sprach der Journalist von Sichuan SCTV ständig auf ihn ein. Die harte Art der Sprechweise des Journalisten ließ eine aufgeregte Stimmung erkennen. Als er endlich gerettet war, hatte er kaum noch Kraft und ging von uns…

Ein Journalist von (Sichuan) SCTV fragte einen verschütteten Mann, der entdeckt wurde: „Gibt es noch eine Stelle von dir, die nicht unter Schutt vergraben liegt?“

Der Mann erwiderte : „Bis auf den Kopf liege ich vollends unter Trümmern .“ (Sein Körper steckte unter Ruinen, sein Kopf war nur noch halb zu sehen.)
Journalist: „Kannst du noch atmen?“

Der Mann: „Ja, noch ein bisschen. Kannst du aber bitte schnell die anderen Leute rufen, mich zu retten?“

Journalist aus Chendu TV

Die Eltern eines Mittelschülers erhielten 30 000 RMB (ca. 3000 Euro)von einer Versicherungsfirma als Entschädigung, weil ihr Kind verstorben ist. Ein Journalist fragte sie, wie sie sich fühlten, als sie das Geld erhielten und ob sie sich darüber freuen.

Das Haus einer alten Frau zerfiel vollkommen in Schutt und Asche und sie bekam deshalb 500 RMB (ca. 50 Euro) Schmerzensgeld. Der gleiche Journalist fragte sie, wofür sie das Geld ausgeben würde.

Eine Journalistin aus Sichuan TV

Ein Junge sagte: „Nur meine Mutter ist noch drin.“ Die Journalistin lief ihm hinterher und fragte ihn, warum er zurück geht, was er vor hat, ob er wisse, dass es dort, wohin er gehen will, noch sehr gefährlich ist? Ob er sich Sorgen um seine Mutter macht, wie alt seine Mutter ist. Der Junge konnte vor Schluchzen kein Wort von sich geben.

Ein Journalist fragte eine Rettungskraft: „Du hast jetzt einen Menschen ausgegraben, welche Gefühle hast du jetzt?“

Der Mann sagte sehr traurig: „Ich möchte jetzt lieber nichts sagen, weil er …. (schon tot war) “

Eine Familie aus Chongqing fuhr mit dem Auto ins Katastrophengebiet, um Lebensmittel für die Überlebenden auszuteilen.

Als sie dort ankamen, stellten die Journalisten viele Fragen, die letzte Frage war: „Glaubt ihr, dass sie diese Lebensmittel brauchen?“ (?) Die Familie war schockiert über so eine dumme Frage: „Natürlich brauchen sie sie.“

So sind diese Journalisten. Um an die neuesten Nachrichten zu gelangen, störten sie die Rettung und Behandlung der Überlebenden. Sie waren überall, halfen aber nicht und nutzen die begrenzten Hilfsmittel, wie zum Beispiel die Flugzeuge.

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