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Der Bund (CH): Schlag gegen Christen

CHINA · Die Sicherheitsorgane in Baoding in der chinesischen Provinz Hebei haben eine strengere Überwachung und Verfolgung der protestantischen Untergrundkirchen angeordnet. Wie viele Chinesen sich in der einen oder andern Glaubensform zum Christentum bekennen, ist nicht bekannt. Schätzungen gehen von 20 bis 25 Millionen aus; das wären knapp 2 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Wie Vertrauensleute aus Honkong unter Berufung auf das in New York ansässige Komitee für die Untersuchung der Verfolgung der Religion in China gestern berichteten, sind die neuen Richtlinien bereits im Herbst letzten Jahres erlassen worden. Die Anweisungen vor dem KP-Parteitag im November vergangenen Jahres seien zunächst auf drei Monate befristet gewesen, zeigten aber, dass die Regierung nun auch die protestantische Untergrundkirche als Gefahr ansehe, erklärte das Komitee.
In der Vergangenheit hatten sich solche Kampagnen stets gegen die katholischen Hauskirchen gerichtet, die sich dem Vatikan zugehörig fühlen und deshalb verboten sind. In jüngerer Zeit hat sich die Aufmerksamkeit der Behörden allerdings stärker auf die Meditationsbewegung Falun Gong gerichtet, in der die Partei eine Bedrohung ihrer Herrschaft und der Stabilität sieht. Entsprechend hart werden die Anhänger von Falun Gong verfolgt.
Die neuen Anweisungen verlangen, dass strikt zwischen der staatlich zugelassenen und der im Untergrund wirkenden evangelischen Kirche zu unterscheiden sei. Der Polizeichef von Baoding, Li Yunlong, habe eine Sondergruppe geleitet, die «alles über illegale Christen herausfinden, die Organisatoren verbotener Aktivitäten und unabhängige Missionare vor Gericht bringen und die Stätten der illegalen Christen schliessen» sollte.
Die neuen Richtinien sind in einem internen Parteidokument formuliert. Das Papier mit dem Titel «Arbeitsplan über die Beendigung illegaler christlicher Aktivitäten» fordert alle Sicherheitskräfte der Stadt Baoding auf, ihre Wachsamkeit gegen «illegale protestantische Gläubige und Missionare zu erhöhen». Illegale Aktivitäten von Protestanten seien gründlich aufzudecken und zu dokumentieren. Dabei sei zwischen der offiziell sanktionierten Religionsausübung und den Aktivitäten von ungesetzlichen «Kulten» zu unterscheiden. Gegen Kulte, die sich als protestantische Gruppen tarnen, sei «rasch und gnadenlos» vorzugehen. (omn)

Der Bund; 05.02.2003

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