Anahita und ihr erfülltes Leben

Eine junge Musikerin mit großen, strahlenden Augen und einem charmanten Lächeln sitzt mir gegenüber. Anahita ist ihr Name.

Meine erste Frage ist, wie kommt man zu so einem schönen, außergewöhnlichen Namen und hat er eine besondere Bedeutung?

Meine Eltern haben ihn zusammen ausgesucht. Anahita ist der Name einer altiranischen Gottheit. Sie galt als Göttin des Wassers und der Fruchtbarkeit.

Bist du Iranerin?

Nein, mein Vater stammt ursprünglich aus dem Iran und wir wohnen in Österreich, im schönen Vorarlberg, in der Nähe des Bodensees.

Ich habe dich als Musikerin vorgestellt. Welche Art von Musik machst du denn?

Ich mache klassische Musik.

Wie bist du dazu gekommen, wie war dein Werdegang?

Ich habe meinen musikalischen Weg – wie fast jedes Kind in Österreich – mit Blockflöte begonnen. Und nach einem Jahr haben meine Eltern mich gefragt, was ich spielen möchte. Ich habe dann ganz intuitiv einfach Klavier gesagt. Es kann sein, dass ich das gewählt habe, weil ich kein anderes Instrument gekannt habe. Aber mir ist zu dem Zeitpunkt das Klavier halt sehr sympathisch vorgekommen.

Ich kann mich an eine Begebenheit erinnern, wie wir einmal gemeinsam zu Abend gegessen haben. Es gab Hühnerkeulen aus dem Ofen. Wir haben sie mit den Fingern gegessen. Ich war damals, glaube ich, sieben Jahre alt. Und meine Hände waren ganz fettig von dem Hühnchen. Und als ich meinem Papa erzählt habe, dass ich Klavier lernen möchte, hat er gesagt: „Lass mal deine Hände sehen.“ Ich habe ihm meine fettigen Fingerchen hingestreckt und er meinte dann: „Ja, mit diesen Händen kannst du Klavier lernen.“ Das ist so meine erste Erinnerung bezüglich Klavierlernen. Dann bin ich in der Musikschule zu Michael Floredo gekommen.

Dort habe ich auch eine lustige Erinnerung. Damals, bevor ich ihn richtig gekannt habe, war ich total enttäuscht, dass er mein Klavierlehrer war, anstatt seiner Kollegin. Ich habe beide Lehrer nicht gekannt. Ich war einfach jung, als Mädchen wäre ich halt lieber zu einer Frau gekommen.

Es hat sich aber ziemlich bald herausgestellt, dass es ein großes Glück war, dass ich zu Michael gekommen bin, weil er mich von Anfang an äußerst tatkräftig unterstützt und gefördert hat. Er hat mir auch recht früh zusätzlich Komposition und Orgel beigebracht. Das heißt, wir sind manchmal während des Klavierunterrichts zur benachbarten Kirche gegangen und er hat mich dort an der Orgel wirkungsvoll angeleitet. Und irgendwann war ich dann groß genug, dass ich mit meinen Füßen das Pedal erreichen konnte.

Ich habe ihm auf meinem musikalischen Weg sehr viel zu verdanken. Michael Floredo ist bis heute ein Mentor für mich.

Ist so eine prägende Begegnung im Leben eines Menschen ein Zufall oder hat das irgendwie so sein müssen?

Ich denke, dass das mein Schicksal war. Ich sage immer, es ist mein Glück. Aber ich persönlich sehe dahinter mein Schicksal, wenn man daran glauben möchte. Ich glaube, alles, was das Leben einem schenkt, hat einen bestimmten Grund. Und ich nenne das für mich Schicksal.

Du klingst so überzeugt, dass dies dein Schicksal ist. Woher stammt denn diese tiefe Überzeugung?

Das ist ein inneres Wissen, das Falun Dafa entspringt. Falun Dafa, auch Falun Gong genannt, ist eine buddhistische Meditationspraktik, die einen anleitet, ein besserer Mensch zu werden. Dabei gibt es drei Prinzipien, nach denen man sich richtet und die einen im Alltag begleiten. Und diese sind Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht. Es gibt auch ein Buch dazu, das Zhuan Falun, in dem erklärt wird, wie man diese drei Grundsätze im täglichen Leben umsetzen kann. Zudem gibt es noch vier stehende Qigong-Übungen und eine Sitzmeditation, mit denen man seine körperliche Verfassung verbessert.

Ich habe in meinem Leben erfahren, dass egal was mir passiert, egal welche Schwierigkeiten ich gerade durchmache oder welche Entscheidungen ich treffen muss, wenn ich diese drei Prinzipien als Richtwert nehme, dann wird alles viel einfacher für mich.

Anahita bei der Meditation

Inwiefern wird es leichter? Kannst du ein Beispiel nennen?

Also, wenn man zum Beispiel zu einem bestimmten Thema eine Entscheidung fällen muss. Oft ist man unsicher, welche Entscheidung die richtige ist, weil man nicht weiß, auf was basierend man sie fällen soll. Wenn man aber einen moralischen Maßstab hat, ist der Weg schon mal viel klarer vorgegeben. Eigentlich nimmt das viele Unsicherheiten weg, weil man dann einfach per se weiß: Nein, so mache ich das nicht, weil das z. B. nicht der Wahrhaftigkeit entspricht. So fällt schon mal viel Unentschlossenheit weg.

Das klingt spannend. Wie bist du denn zu dieser Meditationspraktik gekommen und wie lange machst du sie schon?

Ich mache das, seit ich sieben bin. Und ich bin durch meine Eltern dazu gekommen.

Mein Vater hatte lange nach einem Weg gesucht, der zu ihm passt. Nach vielen Jahren der vergeblichen Suche, Mühen und überflüssigen Geldausgaben ist er im Internet „wie zufällig“ auf das Buch „Zhuan Falun“, dem Hauptwerk von Falun Dafa, gestoßen. Er hat begonnen, darin zu lesen und hat sofort die Tiefe der Lehre erfasst. Und dann haben wir alle in der Familie nach und nach mit der Praktik angefangen.

Du sagst, diese Meditationspraktik hilft dir im Leben. Inwiefern hilft sie dir, speziell im Hinblick auf die Musik?

Sie hilft mir, so wie ich es vorhin beschrieben habe, bestimmte Situationen leichter zu nehmen. Also als Musiker gibt es viele Momente, in denen man sich überwinden muss und den Mut haben muss, sich selbst weniger wichtig zu nehmen. Man muss vielleicht die Angst vor Gesichtsverlust einfach beiseitelegen und sich dazu überwinden, sich zu exponieren und so weiter. Also es gibt viele solche Momente, in denen mir das hilft.

Das heißt, es ist für dich dann einfacher, solche Ängste oder zum Beispiel auch Lampenfieber leicht zu nehmen?

Ich würde sagen, es ist nicht einfacher, weil Schwierigkeiten sind und bleiben Schwierigkeiten. Aber es fällt einem leichter, damit auf eine reife Art umzugehen; man hat diesen Wegweiser als Hilfestellung.

Also nehmen wir zum Beispiel das Lampenfieber: Statt sich darauf zu fokussieren, wie groß die Angst ist und dass man nicht auftreten möchte, schaut man vielleicht tiefer, warum man überhaupt Lampenfieber hat, was in Wahrheit die Angst dahinter ist. Oft ist hierbei der wahre Grund, dass man sich nicht blamieren möchte. Und das ist eigentlich ein egoistischer Gedanke, denn zu einem Konzert zum Beispiel kommen die Menschen, damit sie einfach schöne Musik genießen können und eine gute Zeit miteinander verbringen.

Manchmal legen sie gar nicht so viel Wert darauf, wer da wirklich spielt oder nehmen auch nicht jeden kleinsten Fehler wahr. Und wenn man sich selbst ein bisschen weniger wichtig nimmt, dann ist man in der Lage, über sich hinaus zu wachsen und sich nicht als das Wichtigste im Raum zu definieren, sondern vielleicht als das Wichtigste zu sehen, um was es gerade geht, nämlich die Musik. Dann kann man sich auf das eigentliche Wichtige konzentrieren, also nicht das eigene Ego, sondern in dem Fall auf die Musik und deshalb einfach schöne Musik machen. Und so entsteht die Freude, die man dem Publikum damit bereitet.

Du bist freischaffende Künstlerin und ich stelle mir das vor, dass du sehr diszipliniert und organisiert sein musst und natürlich auch ein starkes Durchhaltevermögen haben solltest. Diese Willenskraft und das Durchhaltevermögen resultieren auch aus Falun Dafa oder warst du immer schon so?

Das ist schwierig zu sagen, weil ich ja mit Falun Dafa aufgewachsen bin, aber ich würde auf jeden Fall sagen, dass es mir hilft, diszipliniert zu sein. Wenn man etwas im Leben schaffen möchte, egal ob es sich um Musik oder sonst eine Fertigkeit handelt, wenn man etwas schaffen möchte, reicht Motivation allein auf Dauer nicht aus. Motivation kommt und geht und sie hängt sehr von unterschiedlichen Faktoren ab. Und an den äußeren Umständen kann sich ja immer etwas ändern. Das heißt, das, was schlussendlich wirklich anhaltend ist, ist nur die Disziplin.

Und da muss man natürlich manchmal sich selbst ein bisschen in den Hintergrund stellen und nicht nur das machen, was einem gerade Spaß macht und worauf man gerade spontan Lust hat – sondern manchmal bedeutet das einfach, den inneren Schweinehund zu überwinden und sich dadurch langfristig etwas Gutes zu tun.

Ich glaube, dass mir Falun Dafa sehr hilft, stets ein bisschen in die weitere Zukunft zu schauen und anhand des weiteren Blickfeldes, richtig zu handeln und zum gegenwärtigen Zeitpunkt kurzfristige Schritte zu gehen, die mir dann langfristig guttun.

Was machst du eigentlich in deiner Freizeit hauptsächlich?

In meiner Freizeit gehe ich sehr gerne in die Natur, gehe spazieren, wandern, reiten und mache verschiedene Aktivitäten, die mit Sport und Natur zu tun haben. Aber natürlich beschäftige ich mich auch in meiner Freizeit sehr viel mit Musik und auch mit meinem Glauben, mit Falun Dafa. Manchmal sitze ich zum Beispiel gerne im Garten, wenn die Sonne scheint und denke über mich selbst nach, bzw. ich „schaue nach innen“ und überlege, was gerade so in mir vor sich geht, wie es mir geht, ob ich gerade irgendwelche Baustellen oder Knotenpunkte in mir habe, die ich gerne lösen möchte und schreibe das auf. Das hilft sehr, über mich selbst nachzudenken, weil viele Probleme, die ich im Leben habe – realisiere ich immer wieder – hängen vielleicht doch mit mir selbst zusammen, wie ich damit umgehe und inwiefern meine inneren Knoten vielleicht etwas im Außen blockieren. Und wenn ich diese lösen kann, dann hilft mir das schon mal generell sehr viel in meinem Leben.

Und was ich noch in meiner Freizeit mache? Ich bin musikalische Leiterin der „European Tian Guo Marching Band“, also ich dirigiere diese Marschkapelle und spiele bei Paraden auch Trommel. Diese Band ist einzigartig, sie besteht aus rund 100 Mitgliedern aus unterschiedlichen europäischen Ländern und verschiedenen Gesellschaftsschichten. Wir beteiligen uns an Kulturparaden und Events in unterschiedlichen europäischen Städten und was uns alle verbindet, ist natürlich die Musik und unser Glauben an Falun Dafa.

Wir möchten mit unseren Auftritten den Menschen einfach die Schönheit von Falun Dafa zeigen, weil wir alle so stark davon in unserem Leben profitieren und auch unsere Familienmitglieder und unsere engsten Kreise. Und dadurch, dass wir sehen, wie gut das allen tut, die damit in Berührung kommen, möchten wir allen die Möglichkeit geben, diesen kostenlosen Weg auch kennen zu lernen und vielleicht sich selbst darüber zu informieren. Und zudem möchten wir gleichzeitig auf die Verfolgung von Falun Dafa in China aufmerksam machen.

Ursprünglich kommt Falun Dafa aus China, aber leider wird es dort seit rund 27 Jahren stark verfolgt und Menschen, die sie in China praktizieren, werden ins Gefängnis gesteckt und gefoltert. Sie werden sehr stark unterdrückt, aber viele Menschen in der Welt wissen darüber nicht Bescheid, weil es in den Medien nicht berichtet wird. Deswegen sehen wir es teilweise als unsere Aufgabe an, die Menschen zu informieren, was Praktizierenden von Falun Dafa in China, also in ihrem eigenen Land, von ihrer eigenen Regierung angetan wird.

Spielt Falun Dafa bei deinen Eigenkompositionen auch eine Rolle?

Ja, manchmal schon. Ein Werk von mir lautet „Il Ritorno“ – Die Rückkehr. Als ich das Stück komponiert habe, habe ich mir vorgestellt, wie göttliche Wesen vom Himmel auf die Erde hinabsteigen, eine Weile dort verbringen und dann wieder in den Himmel zurückkehren.

Interessant, dass du dem Stück einen italienischen Titel gegeben hast. Sprichst du Italienisch?

Ja, in unserer Familie sprechen wir öfters auch Italienisch. Ich gebe meinen Eigenkompositionen immer einen italienischen Titel, mir gefällt das am besten. Das ist für mich so ein Mittelweg zwischen familiär und fremd. Und Italienisch ist einfach eine wunderschöne Sprache.

Danke für das Interview und weiterhin alles Gute für dich.

Dankeschön.

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