Am Beispiel eines Teehausbesitzers wird die Tugend der Rechtschaffenheit verdeutlicht.

Einst gab es ein Teehaus in der Stadt, das sehr gut frequentiert war. Eines Tages stattete Herr Li, der auf der Durchreise war, dem Teehaus einen Besuch ab. Als er sich wieder auf den Weg machte, vergaß er seinen Beutel, in dem sich seine Goldmünzen befanden.
Er bemerkte den Verlust erst, als er wieder zu Hause war. Er ging davon aus, dass sein Gold bereits in andere Hände gelangt war, und machte sich darum nicht die Mühe, zum Teehaus zurückzukehren.
20 Jahre später führte ihn sein Weg wieder an dem Teehaus vorbei. Er kehrte ein und bemerkte lapidar einem anderen Gast gegenüber, dass er an dem Ort vor über zwanzig Jahren seinen mit Goldmünzen befüllten Beutel habe liegen lassen.
Der Teehausbesitzer hörte diese Bemerkung und fragte, mit dem Finger auf den damaligen Sitzplatz von Herrn Li zeigend: „Trugen Sie damals einen Pullover und saßen auf dem Stuhl dort drüben?“ Li nickte ganz erstaunt. „Ich habe Ihr Gold gefunden und bin Ihnen noch eine Weile gefolgt, aber Sie waren bereits zu weit entfernt“, erzählte der Besitzer. „Seit dieser Zeit sind Ihre Goldmünzen oben in einem Zimmer gelagert.“
Neugierig folgten Herr Li und weitere Gäste dem Wirt in die obere Etage. Da lagen fein säuberlich sortiert und beschriftet diverse Gegenstände, die Besucher des Teehauses liegengelassen hatten: Schuhe, Kleider, Schirme und verschiedene weitere Gegenstände. Der Wirt griff nach einem Beutel und Herr Li sagte dem Teehausbesitzer, wie viele Goldmünzen sich darin befinden müssten. Dieser zählte sie vor Herr Li auf den Tisch und der Betrag stimmte genau.
Herr Li wollte dem Wirt die Hälfte der Münzen überlassen. Doch dieser lehnte entschieden ab. „Wenn ich Ihr Geld hätte nehmen wollen“, erklärte der ehrliche Mann, „dann hätte ich dies längst getan und Ihnen nichts davon erzählt. Hätte ich aber Ihr Geld genommen, so wäre ich meiner Lebtag nicht mehr froh geworden“, ergänzte er und lachte.
Die Gäste lachten mit, nickten einander zu und fanden das Handeln des Teehausbesitzers sehr gut. Einhellig sagten sie: „Dieser Wirt ist ein wahrhaft guter und rechtschaffener Mann.“
Quellenangaben:
„A man who is not greedy“ aus dem Buch Treasured Tales of China Vol. 2, Seite 179
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