Wer an einem Freitagnachmittag über die Reesendammbrücke am Jungfernstieg geht, trifft dort häufig auf Falun-Dafa-Praktizierende. Mit ruhigen Bewegungen führen sie die Übungen ihrer Meditationspraktik vor, während neben ihnen Informationstafeln stehen. Immer wieder bleiben Passanten stehen, schauen zu oder beginnen ein Gespräch.
So auch am Freitag, dem 6. März 2026, als Praktizierende erneut eine Mahnwache in der Hamburger Innenstadt abhielten. Seit vielen Jahren nutzen sie diesen Ort, um über Falun Dafa – auch Falun Gong genannt – zu informieren und auf die anhaltende Verfolgung in China aufmerksam zu machen.


Viele Menschen hören zum ersten Mal von dieser Thematik und wundern sich zunächst über den Zusammenhang: Wie kann eine friedliche Meditationspraktik zu politischer Verfolgung führen? Besonders erschütternd reagieren viele Passanten, wenn sie erfahren, dass Praktizierende in China seit Jahrzehnten Repressionen ausgesetzt sind und Berichte sogar von Organraub und Todesfällen sprechen.
Geduldig beantworten die Praktizierenden solche Fragen immer wieder. Gerade am Jungfernstieg, wo täglich zahlreiche Touristen und Einheimische vorbeikommen, ergeben sich viele Gespräche.
Eine Praktizierende erzählte: „Viele Menschen aus dem Ausland bleiben stehen und informieren sich. Aber auch viele Hamburger sagen uns, dass sie noch nie von Falun Dafa gehört haben, obwohl sie oft in der Innenstadt sind.“
Unterstützung von Passanten
Ein älteres Ehepaar nahm sich besonders viel Zeit für ein Gespräch. Die Frau, die ursprünglich aus Mexiko stammt, berichtete, sie habe lange in Spanien gelebt und wohne inzwischen seit zwölf Jahren in Hamburg. Ihr Mann stellte sich mit einem Lächeln als „echter Hamburger Jung“ vor.
Die beiden hörten aufmerksam zu, als ihnen Falun Dafa und die Situation in China erklärt wurden. Die Berichte über die Unterdrückung lehnten sie entschieden ab. Der Mann unterschrieb sofort eine Petition, die ein Ende dieser Verfolgung fordert.


Während des Gesprächs stellte er eine Frage, die ihn besonders beschäftigte: „Warum sind Sie beide eigentlich so freundlich?“
Eine Praktizierende erklärte, dass Falun-Dafa-Praktizierende versuchen, sich an den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht zu orientieren. Diese Werte gelten in der Lehre als grundlegende Eigenschaften des Universums.
Dann fügte sie hinzu: „Aber Sie beide sind ja auch sehr freundlich. Ich glaube, diese Eigenschaften trägt jeder Mensch in sich – manchmal sind sie nur ein wenig verdeckt.“
Darüber mussten alle lachen. Das Paar verabschiedete sich schließlich herzlich und kündigte an, bald einmal den Übungsplatz besuchen zu wollen, um die Übungen selbst kennenzulernen.


Interesse junger Menschen
Auch ein junges Paar blieb stehen und betrachtete aufmerksam die Plakate. Die junge Frau bat höflich um einen Flyer und fragte: „Können Sie uns erklären, worum es hier geht?“
Beide hörten aufmerksam zu und zeigten großes Interesse an der spirituellen Seite der Praktik. „Ich bin sehr offen für spirituelle Themen“, sagte die junge Frau. „Ich glaube, das ist genau das, wonach wir gesucht haben.“
Die beiden zeigten sich auch betroffen über die Verfolgung in China und äußerten die Hoffnung, dass sich die Situation eines Tages verbessern werde. Zum Abschluss wollten sie wissen, wo man die Übungen lernen könne. Nachdem sie vom Übungsplatz in Planten un Blomen erfahren hatten, beschlossen sie, am kommenden Sonntag dort vorbeizuschauen.
Eine unerwartete Begegnung
Später blieb ein junger Mann mit seiner Familie und einigen Freunden stehen. Als er die Übungen sah, begrüßte er die Praktizierenden freudig und stellte sich als Ally aus Kanada vor.
Er erzählte, dass er selbst Falun Dafa praktiziere und die Übungen über das Internet kennengelernt habe. Eine Praktizierende gab ihm einen englischsprachigen Flyer mit Informationen zu den Übungszeiten in Hamburg.
Der junge Mann wirkte dankbar und sagte mit ausgebreiteten Armen: „Und das alles durch den Schöpfer!“
Zum Abschied wünschte er den Praktizierenden alles Gute und äußerte seine Hoffnung, dass die Menschen in China eines Tages frei Falun Dafa praktizieren können. Mit den Worten „Willkommen in der neuen Welt“ verabschiedete er sich freundlich.
Eine Szene mit einem kleinen Beobachter
Während die Praktizierenden gerade die zweite Übung – die sogenannte Falun-Pfahlstellung – ausführten, blieb eine Familie mit einem kleinen Kind stehen. Bei dieser Übung werden die Arme in mehreren Positionen über längere Zeit gehalten.
Der etwa zweijährige Junge beobachtete die ruhigen Bewegungen neugierig. Dann begann er plötzlich zu lächeln, hob ebenfalls seine Arme und versuchte, die Bewegungen nachzuahmen. Ein Stück weiter stellte er sich sogar noch einmal hin und hielt konzentriert die Arme oben.
Seine Eltern waren von dieser spontanen Reaktion sichtlich berührt und nahmen gerne einen Flyer mit.
Interesse und Respekt
Immer wieder bleiben auch einzelne Passanten stehen, um sich die Plakate genauer anzusehen. Eine Frau fotografierte die Mahnwache und nahm anschließend einen Flyer mit. Im Gespräch erfuhr sie mehr über Falun Dafa und die Situation in China. Als Lehrerin überlegte sie, dieses Thema möglicherweise auch einmal im Unterricht anzusprechen.
Ein anderer Mann betrachtete zunächst aufmerksam die Informationstafeln und sprach danach mit einer Praktizierenden. Als er weitergehen musste, verabschiedete er sich mit zusammengelegten Handflächen und einer leichten Verbeugung – einer Geste des Respekts, die als Heshi oder Buddha-Gruß bezeichnet wird.
Durch solche Begegnungen hoffen die Praktizierenden, dass immer mehr Menschen über Falun Dafa und die Situation der Praktizierenden in China erfahren.










