Aus Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg waren sie angereist – manche schon in den frühen Morgenstunden. Mehr als 20 Falun-Dafa-Praktizierende kamen am Sonntag, dem 19. Juli, vor dem chinesischen Generalkonsulat in Hamburg zusammen, um gemeinsam an den 20. Juli 1999 – den 27. Jahrestag des Beginns der Verfolgung von Falun Dafa in China zu erinnern. Mit einer friedlichen Mahnwache wollten sie den Opfern der Verfolgung ihre Stimme geben und die Öffentlichkeit über die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen informieren.

Während der zweistündigen Mahnwache führten die Praktizierenden gemeinsam die fünf Übungen vor und meditierten in stiller Atmosphäre. Entlang des Zauns informierten Banner über Falun Dafa und die Menschenrechtsverletzungen in China.
Ein offener Brief an den Generalkonsul der Volksrepublik China wurde zunächst auf Deutsch und anschließend auf Chinesisch über Lautsprecher verlesen. Darin appellierten die Praktizierenden an die Mitarbeiter des Konsulats, sich nicht länger an der Verfolgung zu beteiligen und sich von der KPCh zu distanzieren. Anschließend wurde der Brief in den Briefkasten des Konsulats eingeworfen.


Konsulatsmitarbeiter beobachten die Mahnwache aufmerksam
Obwohl die Mahnwache während der gesamten Zeit ruhig verlief, zog sie die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter des Konsulats auf sich. Insgesamt fünf Mitarbeiter kamen im Laufe der Veranstaltung nacheinander aus dem Gebäude, beobachteten die Praktizierenden aufmerksam und suchten wiederholt das Gespräch mit den beiden anwesenden Polizeibeamten. Einer der Mitarbeiter fotografierte – wie bereits bei früheren Mahnwachen – die Praktizierenden und die Banner. Die Praktizierenden dokumentierten dies ebenfalls.
Mehrfach versuchten Mitarbeiter des Konsulats, gegenüber der Polizei Einwände gegen die angemeldete Mahnwache vorzubringen. Die Polizeibeamten erklärten jedoch ruhig, dass es sich um eine ordnungsgemäß angemeldete und friedliche Versammlung handele und begleiteten die Veranstaltung während der gesamten Zeit.

Bereits vor Beginn der Mahnwache hatten die Beamten die Praktizierenden freundlich begrüßt. Einer der Polizisten kam mit dem verantwortlichen Praktizierenden ins Gespräch. Er interessierte sich nicht nur für die Hintergründe der Verfolgung, sondern fragte auch, wie der Praktizierende selbst zu Falun Dafa gefunden hatte.
Nachdem er seine persönlichen Erfahrungen geschildert hatte, sagte der Beamte: „Falun Gong kennt man in Hamburg seit vielen Jahren als absolut friedlich. Man sieht heute deutlich, dass sich die Mitarbeiter des Konsulats sogar am friedlichen Praktizieren stören. Normalerweise schauen wir nur kurz vorbei und kommen am Ende der Versammlung wieder. Heute bleiben wir lieber die ganze Zeit im Hintergrund – nicht Ihretwegen, sondern damit Ihre Mahnwache ungestört stattfinden kann.“
„Ich habe diesmal Verantwortung übernommen“
Für eine Praktizierende aus Hamburg war der diesjährige Gedenktag etwas Besonderes. Gemeinsam mit einer Mitpraktizierenden hatte sie erstmals die Organisation der Hamburger Veranstaltungen übernommen. „Bisher konnte ich einfach zu den Veranstaltungen kommen und mithelfen. Diesmal war ich mitverantwortlich und fragte mich immer wieder, ob ich an alles gedacht habe und ob die Planung gelingen würde“, erzählte sie. Umso mehr habe sie sich darüber gefreut, dass Praktizierende aus mehreren norddeutschen Städten der Einladung gefolgt waren.
Mit Blick auf den Vortag, als Praktizierende in der Hamburger Innenstadt zahlreiche Gespräche mit Passanten führen konnten, sagte sie: „Gestern konnten wir unzähligen Menschen die wahren Umstände über die Verfolgung erklären. Heute wünsche ich mir besonders, dass auch die Mitarbeiter des Konsulats unsere Botschaft hören und den Brief mit offenem Herzen lesen.“
„Ich empfinde es als eine Ehre, hier zu sein“
Eine Praktizierende lebt an der Nordseeküste in einer ländlichen Region. Da es dort nur wenige Falun-Dafa-Praktizierende gibt, nahm sie mehrere Stunden Anreise auf sich, um an der Mahnwache teilzunehmen. Für sie gehört der 20. Juli zu den wichtigsten Gedenktagen des Jahres.
„Seit Beginn der Verfolgung haben Falun-Dafa-Praktizierende weltweit friedlich und beharrlich auf die Menschenrechtsverletzungen aufmerksam gemacht. Diese Beständigkeit bewegt mich sehr“, sagte sie.
Eine Mitpraktizierende bemerkte auf der gemeinsamen Fahrt: „Wenn man bedenkt, dass die Mahnwache nur zwei Stunden dauert und deine Anreise viel länger ist, könnte man meinen, der Aufwand lohnt sich gar nicht.“ Martina lächelte. „Von einem oberflächlichen Standpunkt aus mag das so erscheinen. Aber diese friedliche Beharrlichkeit entfaltet eine große Kraft. Sie zeigt den Menschen durch unser eigenes Handeln, was Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht bedeuten. Ich empfinde es als eine Ehre, ein Teil davon zu sein.“
„Falun Dafa hat mein Leben verändert“
Auch eine weitere Praktizierende nahm den Gedenktag zum Anlass, ihre persönliche Geschichte zu erzählen. Seit 2006 praktiziert sie Falun Dafa. „Die Meditationspraktik hat mir Kraft gegeben, Licht in mein Leben gebracht und mir geholfen, zu meinem wahren Selbst zurückzufinden. Vor allem hat es mich gelehrt, ruhiger, gelassener und aufrichtiger zu werden.“
Gerade deshalb berühre sie die Verfolgung in China besonders. „Falun Dafa lehrt die Menschen, nach Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht zu leben und bessere Menschen zu werden. Ich hoffe, dass die Menschen, die heute hier vorbeikommen – ebenso wie die Mitarbeiter des Konsulats –, die Möglichkeit erhalten, die wahren Umstände zu erfahren und sich für das Gute zu entscheiden.“

Auch eine andere Praktizierende aus Bremen berichtete, wie Falun Dafa ihr Leben verändert habe. „Vor sechs Jahren hatte ich das große Glück, Falun Dafa kennenzulernen. Aus einem kranken und schwachen Menschen wurde ich gesund und voller Energie. Jeden Tag empfinde ich große Dankbarkeit dafür.“ Sie wünsche sich, dass noch viele weitere Menschen von Falun Dafa profitieren könnten.
Eine Praktizierende aus Schwerin sagte: „Die Verfolgung dauert inzwischen seit 27 Jahren an und wird bis heute mit großer Grausamkeit fortgesetzt. Deshalb bin ich heute hier, um gemeinsam mit den anderen Praktizierenden den Menschen die wahren Umstände zu erklären.“
Friedliche Atmosphäre bewegt Menschen
Auch zahlreiche Autofahrer, Radfahrer und Spaziergänger nahmen die Mahnwache wahr. Mehrere Busse fuhren auffallend langsam am Konsulat vorbei, damit die Fahrgäste die Banner lesen konnten. Einige Autofahrer drückten ihre Zustimmung durch Hupen aus.
Ein älterer Herr kehrte sogar mit seiner Kamera zurück, nachdem er die Mahnwache zuvor beim Vorbeifahren bemerkt hatte. Im Gespräch mit einer Praktizierenden ließ er sich die Hintergründe der Veranstaltung erklären, hörte aufmerksam zu und kündigte an, sich später näher über Falun Dafa und die Verfolgung zu informieren sowie die Petition online zu unterstützen.

Als die zweistündige Mahnwache zu Ende ging, bauten die Praktizierenden gemeinsam die Banner ab und verabschiedeten sich voneinander. Viele waren dankbar, diesen besonderen Gedenktag gemeinsam begehen und den Menschen die wahren Umstände über Falun Dafa näherbringen zu können. Sie hoffen, dass immer mehr Menschen die Verfolgung erkennen, sich für Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit einsetzen und dazu beitragen, dass die Verfolgung in China ein Ende findet.










