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Klassische Ästhetik – Sehnsucht nach Schönheit

Wir sind hochgradig visuelle Wesen. So wie unsere Haut es liebt von feinen, edlen Stoffen umschmeichelt zu werden, sehnen sich unsere Augen danach, wahre Schönheit zu erblicken.

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters (Bild: Magnifissance.com)

Künstler aus allen Teilen der Welt und zu allen Zeiten, widmeten sich dem Studium, wie sie wahre Schönheit erschaffen können. Unter anderem sind Malerei, Bildhauerei und Architektur die klassischen Säulen des visuellen Ausdrucks der bildenden Künste im Westen.

Millionen von Menschen strömen jedes Jahr nach Paris oder Venedig und stehen stundenlang Schlange, um Kunstwerke und Gebäude zu bestaunen. Was fasziniert die Menschen so sehr, dass sie dafür weite Reisen auf sich nehmen und dabei keine Kosten scheuen? Die Antwort ist einfach. Alle orthodoxen Künste von übernatürlicher Schönheit haben eine ihnen innenwohnende Anziehungskraft, die die Seele des Betrachters berührt.

Unabhängig davon woher wir kommen, tragen wir die universelle Fähigkeit Schönes zu erkennen in uns. Wir erkennen es in der Art und Weise, wie wir eine unmittelbar drohende Gefahr erkennen können. Wir wissen es einfach.

Wenn man auf die Werke der Meister der europäischen Renaissance, wie Michelangelo oder Leonardo da Vinci zurückblickt, so war ihre Fähigkeit Schönheit zu erschaffen, nicht auf ein bestimmtes Kunsthandwerk beschränkt. Sie beherrschten die Prinzipien und Regeln der visuellen Schönheit unabhängig davon, ob sie sich als Maler, Architekt oder Bildhauer betätigten.

Eine Studie in klassischer Ästhetik

Um die Wirkung von Schönheit und ihre Bedeutung für die Menschheit zu verstehen, sprach Jared Pearman (Autor Magazin Magnifissence) mit Eric Bess, einem talentierten klassischen Ölmaler und Kunstprofessor an der Universität Wittenberg in den Vereinigten Staaten. „
Es gibt einen Denker namens Immanuel Kant. Eines der Dinge, die Jared Pearman aus den Aussagen von Herr Bess über unsere Fähigkeit, Schönheit zu beurteilen, entnimmt, ist, dass wir nichts über etwas wissen müssen, um es als schön beurteilen zu können…
Zum Beispiel müssen wir nichts über Sonnenuntergänge wissen, um sie zu erleben. Wir erleben sie einfach mit unseren Sinnen, und irgendwie werden wir von einem Gefühl der Schönheit überwältigt.“

Der Kunstmaler Eric Bess bei der Arbeit. (Bild: Magnifissance.com)

Wie ein wunderschöner Sonnenuntergang kann auch die Kunst ein Gefühl der unmittelbaren Wertschätzung hervorrufen. Darüber hinaus enthält sie aber auch andere Bedeutungsebenen und Botschaften. Einige sind absichtlich und werden durch die Komposition vermittelt, während andere subtiler daherkommen. Ein Gemälde vermittelt dem Betrachter nicht nur die Vision des Künstlers. Der Betrachter verbindet sich mit dem Gemälde und es wird zu einem Werkzeug für die Selbstbetrachtung. Es beginnt eine innere Konversation.

Jedes Element in einem Kunstwerk hat seinen Ursprung in der Wahl des Künstlers: das Hauptmotiv, die Hintergrundelemente, der Einsatz von Licht und Schatten und die Positionierung der Details. Laut Bess werden diese Entscheidungen alle von moralischen Werten geleitet.

Der Charakter des Künstlers beeinflusst die Konversation, die im Kopf des Betrachters stattfindet. Über welche Fragen wird der Betrachter nachdenken? Welche Stimmung erzeugt das Werk? Und vor allem: Wohin führt die Reise der Entdeckung?

„Wenn Sie das Gezeigte nicht verstehen, wird Ihre Wahrnehmung eingeschränkt sein. Aber wenn man sich davor setzt und wirklich versucht zu fragen: ‚Was bedeutet das?‘, kann man in diesem Prozess eine Menge über sich selbst lernen.“

Eric Bess

Die Geschichte der europäischen Renaissance ist nicht nur eine Geschichte über Maler und Steinmetze, die die herausragenden Techniken um Kunst zu schaffen wiederentdeckten. Es ist eine Geschichte über die Wiederentdeckung von Weisheiten aus der Vergangenheit. Generationen von Künstlern und Denkern, erschufen eine Kultur der Ideale von Schönheit. Das Wiederaufleben der antiken griechischen Philosophie war für die Renaissance entscheidend.

Platon und das Göttliche

„Während der Renaissance war Marsilio Ficino einer der Ersten, der Platons Texte ins Lateinische übersetzte, so dass jeder sie zu dieser Zeit lesen konnte. Platon hatte einen großer Einfluss auf die Künstler der Renaissance“, sagt Bess.

„In einem der Texte ging es um Schönheit und darum, wie unsere Erfahrungen mit der Schönheit auf der Erde, uns an das Göttliche erinnern. Es ist fast wie ein Weg zurück. Wenn wir hier auf der Erde Schönheit erfahren, können wir Schritt für Schritt zur ultimativen Schönheit zurückkehren, zur göttlichen Schönheit.“

Raffaels Fresko Die Schule von Athen, das eine Wand im Vatikan schmückt, zementierte die Verbindung
der Renaissance-Künstler mit der griechischen Philosophie und dem Christentum. (Bild: Magnifissance.com)

Wenn wir Raffaels Gemälde Die Schule von Athen betrachten, empfinden wir eine Dankbarkeit dem Himmel näher sein zu dürfen. Platons Finger zeigt nach oben zum Himmel und weist seinen Schüler Aristoteles auf die Quelle der wahren Wahrheit und Schönheit hin.

In dem Gemälde Primavera stellte der Künstler Sandro Botticelli Figuren
aus der griechischen Mythologie dar. (Bild: Magnifissance.com)

Diese platonischen Ideale beflügelten eine neue Interpretation der Verbindung der Menschheit mit dem Himmel. Die Philosophie, wie sich die Menschen mit dem Göttlichen verbinden, ist etwas Universelles und auf alle Kulturen anwendbar.

Unsere Augen können die Schönheit der Welt für uns übersetzen, solange wir sie die Sprache der Kunst und die Weisheit der Tradition lehren. „Alles führt zurück zum Göttlichen“, sagt Eric Bess.

Quellenhinweis: Der Bericht stammt aus dem amerikanischen Magazin Magnifissance. Er wurde von der Yuanming Kulturredaktion ins Deutsche übersetzt und gekürzt. Die Originalfassung ist hier nachzulesen: https://magnifissance.com/issue-106/classical-aesthetics-eric-bess/

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