Kultivierung ist eine ernste Angelegenheit

Guten Tag, verehrter Meister

Guten Tag, liebe Mitpraktizierende

Eine Erfahrungsaustauschkonferenz ist eine feierliche Zusammenkunft, die es uns ermöglicht, voneinander zu lernen und uns in unserer Kultivierung zu verbessern. Dies erfordert auch viel Organisation und ehrenamtliche Arbeit. Ich möchte den Organisatoren und ihrem Team dafür danken, dass sie uns diese wertvolle Gelegenheit zum sechsten Mal in der Schweiz bieten.

Heute möchte ich einige Erfahrungen und Erkenntnisse über meinen Kultivierung-Prozess im Laufe dieses Jahres teilen.

Der chinesische Begriff „REN“

Wie wir wissen, haben chinesische Schriftzeichen eine große Tiefe. Ein Schriftzeichen kann je nach Kontext, in dem es verwendet wird, mehrere Bedeutungen haben. Das ist in unserem englischen oder französischen Wortschatz nicht der Fall. Zu Beginn meiner Kultivierung im Falun Dafa lautete die französische Übersetzung der Schriftzeichen Zhen Shan Ren beispielsweise „Wahrhaftigkeit, Güte, Nachsicht“ und die englische Übersetzung „Truth, Compassion, Tolerance“. Das sind Prinzipien, die mich angesprochen haben und die ich, zumindest auf einer bestimmten Ebene, zu praktizieren glaubte. Ich sagte mir damals, dass dies ein guter Anfang sei. Zunächst hatte ich die englische Version von Falun Gong– Der Weg zur Vollendung und das Zhuan Falun gelesen.

Später, als ich die beiden Bücher auf Französisch las, gab es am Ende des Buches ein Glossar. Die Wörter Zhen, Shan, Ren wurden definiert als: Wahrheit, Authentizität für Zhen – Güte, Mitgefühl, Freundlichkeit für Shan – Toleranz, Geduld, Ausdauer für Ren. Ich war zutiefst erschüttert, als ich Geduld für Ren las, denn ich war ein sehr ungeduldiger Mensch. Dieser Aspekt des chinesischen Charakters eröffnete mir eine ganz neue Welt, denn ich verstand, dass ich eine große Lücke hatte. Ich musste meine Geduld kultivieren, um meine Xinxing (Qualität des Herzens) zu verbessern.

Ein Vierteljahrhundert später stellte ich fest, dass eine weitere Bedeutung dieses Begriffs nun ein wichtiger Punkt ist, an dem ich wirklich arbeiten muss, nämlich mein Durchhaltevermögen. Kürzlich habe ich festgestellt, dass es mir schwerfällt, während der einstündigen Meditation bis zum Ende im Lotussitz zu bleiben (was früher selten der Fall war). Meine Gedanken neigen dazu, abzuschweifen, und nach 30 bis 40 Minuten kam mir die Zeit sehr lang vor. Das war ein Zeichen dafür, dass ich in gewisser Weise Rückschritte gemacht hatte. Als ich nach innen schaute, stellte ich fest, dass mir nicht nur das Durchhaltevermögen fehlte, sondern dass hinter diesem Mangel an Ausdauer auch Ungeduld steckte, das heißt der Wunsch, früher fertig zu werden und nicht bis zum Ende durchzuhalten. Und warum dieser plötzliche Mangel an Ausdauer? Ich stellte fest, dass es ein Mangel an fester Willenskraft und aufrichtigen Gedanken war.

Der Meister sagt jedoch:

Das seelische Leiden ist erst der Schlüssel zur wirklichen Erhöhung der Ebene.“ (Zhuan Falun, 2019, S. 190)

Wenn man nicht vorankommt, fällt man zurück. Ich habe also auf die Ebene meines Xinxing geschaut, denn dies war ein Hinweis darauf, dass ich stagnierte.

Da ich wusste, dass Körper und Geist eins sind, habe ich zunächst daran gearbeitet, meinen Willen zu stärken, indem ich mich auf die Musik konzentrierte und mich vom Zeitbegriff löste. Außerdem war ich faul und wollte keine zusätzlichen Anstrengungen unternehmen.

Aber diese rote Ampel machte mich auf meine Ungeduld auf tieferen Ebenen aufmerksam. Dies widerspiegelte sich auch in anderen Formen, wie zum Beispiel die Anhaftung an die Zeit – wie lange dauert es noch, bis die Fa-Berichtigung die menschliche Welt erreicht? Als ob ich mir wünschen würde, dass die Übergangsphase zwischen der Zeit der Fa-Berichtigung und der Zeit der Berichtigung der menschlichen Welt bald zu Ende geht. Denn die Welt ist voller Leiden und die Gesellschaft wird immer schlechter. Diese Anhaftung, die Meditation früher zu beenden, ist ein Hindernis und ein Dämon, den ich beseitigen muss. Ich muss mich auf den Prozess meiner Kultivierung konzentrieren und nicht auf das Endziel.

Der Meister sagt:

„Kultivierung ist eine ernsthafte Angelegenheit. Dabei erfüllt ihr eure Gelübde. Es ist ein Prozess der Erneuerung des Lebens, ein Prozess der Wiedererschaffung der Heiligen….. Dafür müsst ihr das Fa gut lernen. Dafür müsst ihr wahre Kultivierende werden, erst dann könnt ihr den Aufgaben gerecht werden, erst dann könnt ihr eure heilige und großartige Pflicht erfüllen.“  (An die Dafa-Jünger, die an der taiwanesischen Fa-Konferenz teilnehmen, 09.12.2023)

Da fragte ich mich: Nehme ich meine Kultivierung wirklich ernst?

Gleiche ich mich dem {{Fa}} wirklich an? Überprüfe ich, ob jeder meiner Gedanken und jede meiner Handlungen auf dem Fa basieren?

Der Meister sagt weiter:

„Fa lernen, Fa erhalten,
Das Lernen vergleichen, Kultivieren vergleichen,
Jede Tat danach richten,
Das erreichen ist kultivieren.“

(Solide kultivieren, 07.10.1994, in: Hong Yin I)

Sobald ich mir bewusst wurde, dass ich in meinen Gedanken viel entschlossener und aufrechter sein musste und dass ich auch bei Schmerzen durchhalten muss, konnte ich die Zeit in der Sitzmeditation erhöhen.

Meinen physischen Körper schätzen, der es mir ermöglicht, Falun Dafa zu kultivieren

Ich habe auch erkannt, dass mein Körper meine Welt ist, mein kleines Universum, und dass ich ihn schätzen muss. Während der Meditation schweiften meine Gedanken in alle Richtungen über die Außenwelt. Diese Welt bin nicht ich, sie ist das Hotel, in dem ich vorübergehend lebe. Als mir bewusst wurde, dass meine Welt in mir ist, dass mein Körper ihr Tempel, ihr Gefäß ist und dass ich durch die Meditation und meine Konzentration auf die Musik wieder mit meinem wahren Selbst, mit meiner inneren Welt in Kontakt komme. Wenn ich mich auf die Übungen, auf die Meditation konzentriere, üben alle Wesen in meiner Welt, die ihre Hoffnungen in mich gesetzt haben, gleichzeitig mit mir und assimilieren sich mit dem Fa. Am nächsten Tag konnte ich wieder eine Stunde lang ruhig sitzen und meditieren, und das Problem war teilweise gelöst. Ich sage teilweise, weil ich mich jeden Tag bemühen muss, um bis zum Ende durchzuhalten. Eigentlich bin ich dankbar für diesen sehr konkreten Hinweis, der mich wachgerüttelt hat. Was macht es schon, wenn es Schmerzen gibt? Sollte man den Schmerz nicht als Freude betrachten, ohne sich an das eine oder andere zu klammern, während man versucht, den Grund für diesen Schmerz zu verstehen?

Der Meister erklärt:

„Deshalb kann das also vorkommen, im Zuge dessen wird auch noch geprüft, ob du von der Wurzel her stabil bist oder nicht, in der Schwierigkeit wird geschaut, ob du dich für einen Kultivierenden halten kannst, glaubst du zu jener Zeit noch an dieses Fa? Die Kultivierung zum Buddha ist nun einmal eine sehr ernsthafte Sache.“ (Fa-Erklärung während der Fa-Konferenz in Houston, 12.10.1996)

Die Anhaftung an Angst loswerden

Kürzlich hat mich meine kanadische Bank kontaktiert, um mich über administrative Änderungen zu informieren und um zusätzliche Informationen zu bitten. Dabei wiesen sie mich darauf hin, dass ich mit einer Strafe rechnen müsse, wenn ich diese Informationen nicht bereitstelle. Da ich nicht verstand, was sie von mir verlangten, war meine erste Reaktion Angst, als wäre ich schuldig. Ich schaute nach innen und fragte mich: „Aber warum ist meine erste Reaktion Angst? Angst vor was?“ Angesichts einer Prüfung ist unser erster Gedanke sehr wichtig.

Der Meister sagt:

„Ich möchte euch damit nur sagen, dass ein winziger Gedankenunterschied herrscht, der Unterschied zwischen Menschen und Gottheiten ist nun einmal so ein kleiner Gedanke, wenn man ihn loslassen kann, dann ist man ein Kultivierender, wenn du ihn nicht sein lassen kannst, dann bist du ein Mensch. (Fa-Erklärung während der Fa-Konferenz in Houston, 12.10.1996)

Ich sprach mit meinem Mann darüber und er erklärte mir, was die Bank von mir verlangte. So konnte ich ihnen die erforderlichen Informationen liefern.

Aber warum war ich so erschüttert? Warum war diese Angst in mir aufgekommen? Als ich nach innen schaute, wurde mir klar, dass diese Frage meine Identität in der menschlichen Welt in Frage stellte. Im ersten Moment hatte ich Angst, dass mein Geburtsland Kanada mich ablehnen würde, weil ich seit über 15 Jahren in der Schweiz lebe. Da sich die Gesetze ständig ändern, kann man über nichts mehr sicher sein.

Aber eigentlich bin ich eine Falun-Dafa-Praktizierende. Das menschliche Leben ist nur eine Durchgangsstation auf dieser Erde. Meine wahre Heimat ist nicht auf dieser Erde, meine wahre Identität ist nicht an ein Land oder eine Nationalität gebunden. Warum sollte ich daran hängen? Es ist eine Anhaftung, die ich aufgeben muss, denn sie ist wie ein Anker, der mich daran hindert, zu meiner wahren himmlischen Heimat aufzubrechen. Meine Angst kam daher, dass meine Gedanken nicht klar waren. Die Bank war nur ein Hinweis, um mir zu zeigen, dass es Zeit war, diese Anhaftung aufzugeben.

Auf einer anderen Ebene ermöglichte es mir auch, die Bindung aufzugeben, eine Praktizierende zu sein, die einer lokalen oder nationalen Gruppe angehört. Manchmal bemitleide ich mich selbst, weil ich das Gefühl habe, weder zur Gruppe der Schweizer, französischen noch kanadischen Praktizierenden zu gehören. Selbstmitleid ist ein menschliches Gefühl. Der Wunsch zu einer Gruppe zu gehören, ist ein menschlicher Gedanke. Doch die Kultivierung ist individuell, auch wenn wir gemeinsam an Projekten zur Erklärung der wahren Umstände arbeiten. Eine Falun-Dafa-Schülerin zu sein, egal wo ich bin, ist ein großes Glück und umfasst die ganze Erde und noch mehr. Dahinter verbarg sich auch eine gewisse Anhaftung an Ruhm und Ansehen, mich innerhalb einer Gruppe zu profilieren.

Ich bin dankbar, dass ich mir dessen bewusst geworden bin, um mich von diesen Fesseln zu befreien.

Mitgefühl für alle Lebewesen

Wenn es heiß ist, gehen mein Mann und ich oft an einem kleinen Strand am nahegelegenen See schwimmen. Es ist ein sehr ruhiger Ort, der morgens wenig frequentiert ist. Aber als wir eines Morgens dort ankamen, kamen wir an einem Lautstärker vorbei, aus der laute Musik für ein Aqua-Fitness-Training dröhnte. Die Trainerin hatte beschlossen, ihren Kurs für eine Gruppe älterer Menschen draußen im Wasser zu geben. Die Lärmbelästigung war beachtlich und nahm keinerlei Rücksicht auf die anderen Badegäste. Ich fühlte mich innerlich aufgewühlt.

Als der Kurs schließlich zu Ende war und alle aus dem Wasser gekommen waren, ging ich zur Trainerin hin und bat sie, die Lautstärke zu verringern, da dieser Strandabschnitt normalerweise ein ruhiger Ort sei. In meinem Innersten war ich verärgert, und das spiegelte sich auch in meinen Worten wider. Sie rechtfertigte sich, und jede von uns bestand auf seiner eigenen Meinung.

Später dachte ich über meine Reaktion nach, der es an Wohlwollen gemangelt hatte.

Der Meister sagt:

„Jedem gegenüber barmherzig zu sein und jeden liebevoll zu behandeln, das ist wirklich nicht etwas, was normale Menschen schaffen können. Es ist noch schwieriger, bei allen Angelegenheiten mit einem barmherzigen Herzen allen Lebewesen gegenüber zu handeln. Aber genau das müssen Dafa-Jünger erreichen!“ (Weckruf, 06.06.2024

Es ging nicht, ihr zu sagen, dass die Lautstärke inakzeptabel war. Ich hätte ihr freundlich Vorschläge für das nächste Mal machen können, ohne mich verärgert zu zeigen. Außerdem hatte sie mir einen Vorschlag gemacht, ihrer Gruppe beizutreten. Das brachte mich zum Lächeln, denn ich verstand, dass es ein Wink des Meisters war, der mir aufzeigte, dass ich wohlwollend sein sollte.

Die ganze Gruppe bestand aus Menschen, die errettet werden mussten, aber ich hatte in diesem Moment kein mitfühlendes Herz. Hinter meiner Verärgerung verbarg sich auch unterdrückte Wut, ein Mangel an Geduld. Mir fehlte es also an Güte und Geduld. Welches Bild von Dafa hätte ich bei ihnen hinterlassen, wenn sie gewusst hätten, dass ich Falun Dafa praktiziere? Natürlich kein besonders gutes Bild. Ich hatte diese Prüfung nicht gut bestanden. Mein Verhalten war das eines verärgerten gewöhnlichen Menschen, nicht das einer barmherzigen Praktizierenden.

Zwei Wochen später fand derselbe Kurs statt, aber diesmal hatte die Kursleiterin ihren Lautstärker näher an die Gruppe herangestellt und die Lautstärke deutlich heruntergedreht. Seitdem ist es kein Problem mehr. Diese Gruppe kommt regelmäßig zum Stand und es herrscht ein harmonisches Miteinander. Zweifellos hat die Tatsache, dass ich mir meiner Mängel bewusst geworden bin, dazu beigetragen, die Situation zu verbessern.

Um Menschen zu erretten, muss man ihnen jedoch die wahren Umstände erklären. Mit einer friedlichen Geisteshaltung hätte ich es also besser machen können. Es wird sich zeigen, ob sich in Zukunft eine Gelegenheit ergibt, dieser Lehrerin für die Lösung der Situation zu danken. Zu diesem Zweck werde ich bei meinem nächsten Bad Lotusblumen mit dem Link zur Falun-Dafa-Website mitbringen, die ich ihr und den Damen in ihrer Gruppe, die bei unserem Gespräch anwesend sein könnten, schenken kann, während ich ihr die wahren Umstände über Falun Dafa erkläre.

Im Jingwen „In der Buddha-Natur wird nichts ausgelassen“ sagt der Meister:

„Ich möchte euch auch noch sagen, dass eure Natur in der Vergangenheit tatsächlich auf Egoismus und Selbstsucht aufgebaut war. Von nun an sollt ihr bei allem, was ihr macht, zuerst an andere denken und euch bis zur Selbstlosigkeit kultivieren. Von nun an sollt ihr bei allem, was ihr macht oder sagt, an die anderen und sogar an die zukünftigen Generationen denken.“ (In der Buddha-Natur wird nichts ausgelassen, 13.02.1997, in: Essentielles für weitere Fortschritte I)

Dies sind einige meiner bescheidenen Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr.

Bitte weist mich mit Güte auf alles hin, was nicht dem Fa entspricht.

Ich danke dem ehrwürdigen Meister!

Danke, liebe Mitpraktizierende!

(Der Bericht wurde auf der Deutschschweizer Falun-Dafa-Konferenz 2025 vorgetragen.)

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