Verehrter Meister, geschätzte Mitpraktizierende!
Im Jingwen “In kritischen Momenten wird das Herz geprüft“ vom 2. Februar 2025 spricht der Meister eindringlich davon, das Fa an die erste Stelle zu setzen:
„Deshalb müsst ihr in jeder Situation den Maßstab eines Kultivierenden anlegen, Dafa an die erste Stelle setzen und alles am Dafa messen. In diesem wichtigen historischen Moment, am Ende der Endphase, in der das Fa berichtigt wird und die Menschen errettet werden, sollten alle Probleme umso mehr mit der Haltung eines Kultivierenden angegangen werden. Dafa muss an erster Stelle stehen.” (In kritischen Momenten wird das Herz geprüft, 02.02.2025)
Dies gab mir sehr zu denken. Ich dachte über meine Kultivierung nach und erkannte, dass mein Fa-Lernen oft sehr unkonzentriert war. Wenn ich unterbrochen wurde oder am nächsten Tag weiterlesen wollte, konnte ich oft nicht mehr sagen, wo ich stehengeblieben war. Um dies zu korrigieren, begann ich im März damit, das Buch Zhuan Falun auswendig zu lernen. Die Vorstellung, einen ganzen Absatz auswendig hersagen zu können, hatte mich immer überfordert. So hatte ich es bisher nie ernsthaft erwogen, das Zhuan Falun auswendig zu lernen.
Nun begann ich damit, das Zhuan Falun wenigstens Satz für Satz auswendig zu lernen. Dies schien mir machbar. Ich las und studierte einen Satz solange, bis ich ihn auswendig hersagen konnte. Erst dann ging ich zum nächsten Satz. Dies hatte eine tief greifende Wirkung. Viele Sätze erschlossen sich mir auf bisher unbekannte Weise. Zum Beispiel merkte ich oft, dass ich einen Satz nur sehr oberflächlich verstanden hatte und dass mir durch dieses tiefgründige Studium eine tiefer liegende Bedeutung bewusst wurde. Oder ich nur merkte, dass ich einen Satz einfach nicht auswendig hersagen konnte, bis ich ihn nicht wirklich zu Herzen genommen hatte. Am längsten benötigte ich für den Satz zum Mundkultivieren, was mir ein Hinweis war, dass ich das Mundkultivieren noch ernster nehmen sollte.
Der Meister sagt:
„Oder darauf, dass sich die Schüler der gleichen Schule über Sinnloses unterhalten oder jemand von Anhaftungen getrieben prahlt oder jemand Klatsch verbreitet, den er durch Hörensagen erfahren hat, oder jemand begeistert über manch andere Dinge der Gesellschaft diskutiert und sehr gerne darüber spricht.“ (Zhuan Falun, 2019, S. 455)
Zudem ist es unmöglich, einen Satz auswendig zu lernen und nachher nicht mehr zu wissen, was ich gelesen hatte. Auch konnte ich jeweils sehr schnell sagen, ob ich einen Absatz bereits in dieser Art des satzweisen Auswendiglernens studiert hatte.
Überwinden einer Abneigung
Im Hinblick auf das Erklären der wahren Umstände erkannte ich zwei Anhaftungen. Einerseits hatte ich die Anschauung gebildet, dass ich als Westlerin nicht viel machen konnte, um den Chinesen gegenüber die wahren Begebenheiten zu erklären. Ich überließ dies vorwiegend den chinesischen Mitpraktizierenden. Andererseits wurde mir bewusst, dass ich mich zwar so oft es ging, anderen bei der Erklärung der wahren Hintergründe anschloss, jedoch nur selten selber die Initiative ergriff. Als ich mir Gedanken dazu machte, wie ich die vier Wochen ohne Arbeitsverpflichtung im Sommer gut nutzen konnte, schien es mir, dass mir der Meister während eines Gesprächs mit einer Nachbarin einen Hinweis gab. Dieser Hinweis brachte mich auf die Idee, nach Afrika zu reisen. So buchte ich für zwei Wochen eine geführte Reise und hing dann noch zwei weitere Wochen an, die ich ohne Reiseleitung und auf eigene Faust verbringen würde.
Die Reise ging ausgerechnet in das Land, in dem eine Freundin von mir im Jahr 2000 von einem Bus überfahren und getötet wurde. Erst während der Reisevorbereitungen wurde mir bewusst, dass ich deswegen unbewusst eine Abneigung gegen dieses Land hegte.
Die erste Woche meiner Reise umfasste ein Trekking in einem hoch gelegenen Berggebiet. Der dort lebende Stamm, ein noch weitgehend traditionell lebendes Volk, sowie die Landschaft erinnerten mich an meine Erfahrungen in Indien. Ich vermutete, dass es am einfachsten war, die Herzen der Menschen über Lotusblumen zu erreichen. Ich war in einer Gruppe mit vier weiteren Schweizern unterwegs. Wir wurden während sieben Tagen von drei lokalen Bergführern geführt. Als ich ihnen je eine Lotusblume schenkte, hängte sich der eine gleich eine Blume ans Ohr. Genau dieses Verhalten hatte ich öfters bei Menschen in den Berggebieten Indiens erlebt! Solche und weitere Erfahrungen mit den Menschen in diesem Land halfen mir, meine lang gehegte Abneigung gegen das Land aufzulösen.
Eine große Prüfung
Nach einem Tag mit einer Wanderung im Ort begann das eigentliche sechstägige Trekking. Am zweiten Tag konnte ich ausführlich einem der Schweizer Gruppenmitglieder von Falun Dafa und der Verfolgung erzählen, der unsere Mitpraktizierenden in China ausgesetzt sind. Kurz darauf begann bei mir eine Körperreinigung in Form von Durchfall. Ich hatte mir fest vorgenommen, weder vorbeugende Medikamente noch irgendwelche Mittel (beim Auftreten von Symptomen) zu nehmen. Auch hatte ich keine zusätzliche Krankenversicherung für diese Reise abgeschlossen, die über eine gewisse Höhenlage hinausgehen würde. Ich wollte dem natürlichen Lauf folgen.
Am vierten Tag erreichten wir die dritte Berghütte, die auf rund 4700 Metern über Meer lag. Ich fühlte mich leer, kalt, konnte mich nicht erholen, konnte nicht schlafen und nicht essen. Etwa um Mitternacht wanderte unsere Gruppe los, um den Sonnenaufgang vom Gipfel aus erleben zu können. Das Tempo war sehr langsam. Am Anfang ging es gut, doch nach etwa Dreiviertelstunden merkte ich, wie ich mich schwächer und schwächer fühlte. Zudem wurde mein Denken unklar: Was, wenn ich es zwar auf den Gipfel schaffen, aber dann nicht wieder runter an den Eingang des Nationalparks schaffen würde? Was, wenn ich hier bewusstlos werde, ausgeflogen werden musste und in einem Spital mit $4000 Extrakosten aufwachte? Ich begann das Lunyu (das Vorwort des Zhuan Falun) zu rezitieren. Doch schien mir dies dann auch nicht richtig. Wie konnte ich etwas mit Hilfe des Fa zu erzwingen versuchen, das vielleicht nur meinem Ego diente? In diesem geistig ziemlich unklaren Zustand entschied ich mich, das Vorhaben abzubrechen und zur Hütte zurückzukehren. Zwar ermutigte mich einer der Bergführer, eine Pause zu machen und es nochmals zu versuchen. Doch kurz darauf gab ich definitiv auf.
Kaum ging ich abwärts, ging es mir körperlich wieder gut und ich war geistig wieder klarer. Und schon kamen mir die Zweifel. Hätte ich es nicht doch nochmals versuchen sollen?
Als ich um ca. 1:30 Uhr nachts wieder in der Hütte auf 4700 Metern Höhe war, machte ich die Falun-Dafa-Übungen – zuerst eine oder zwei der stehenden Übungen und dann die Meditation. Während der Meditation hörte ich plötzlich ganz klar meinen Namen, obwohl niemand nebst mir physisch im Raum war. Vielleicht war ich eingeschlafen. Jedenfalls hörte ich ganz klar meinen Namen. Ich glaube, es war der Fashen (Gebotskörper) des Meisters, der mich in dieser körperlich und geistig fordernden Situation beschützte und mich darin bestärkte, dass mein Entscheid, umzukehren, richtig gewesen war.
Doch bereits am darauf folgenden Tag nagten Gefühle an mir, versagt zu haben. Ich hatte es nicht geschafft, den Gipfel zu erreichen, während die anderen vier der Gruppe es geschafft hatten. Ich hatte mich bisher im Leben kaum je in der Situation gesehen, eine Versagerin zu sein. Ich wusste zwar bereits, dass es einer meiner tief liegenden Eigensinne ist, mich großartig fühlen zu wollen. Hier musste ich nun den Pass schaffen, versagt zu haben. Es nagte einige Zeit an mir, obwohl ich wusste, dass mein Entscheid umzukehren vernünftig und auch der Entscheid einer Praktizierenden gewesen war.
Der Meister erklärt:
„Doch normalerweise, wenn der Konflikt kommt und nicht wie ein Stich ins Herz wirkt, zählt es nicht und hat dann auch keine Wirkung, weil du dich dadurch nicht erhöhen kannst. Er kann also innerlich nicht darüber hinwegkommen und ist ganz aufgewühlt. Es kann sein, dass irgendetwas an seinem Herzen nagt …“ (Zhuan Falun, 2019, S. 200)
Nach ein paar Tagen kam ich dann zu einem noch tieferen Verständnis meines Gefühls, den Gipfel nicht geschafft zu haben. Womöglich wollte mir der Meister mit dieser Erfahrung zudem aufzeigen, wie es wäre, wenn ich die Vollendung meiner Kultivierung nicht erreichen würde, und wie es wäre, wenn ich es nicht schaffen würde, mein Gelübde einzulösen. So sehe ich diese meine tiefgreifende Erfahrung an jenem Berg in Afrika nun als zweifache Bestärkung: Einerseits darf ich mich auf keinen Fall vom Streben nach Ruhm, Ansehen und danach, mich großartig zu fühlen, leiten lassen. Andererseits muss ich innerlich noch mehr Wille und Entschlossenheit aufbringen, die drei Dinge wirklich gut zu machen, um alles zu erreichen, was der Meister für mich und meine Lebewesen arrangiert hat, damit ich als Kultivierende nicht versage.
Lotusblumen
Mein Hauptbeweggrund für diese Reise war jedoch die Erklärung der wahren Umstände. Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, war in diesem Land noch kaum je etwas gemacht worden.
Während des zweitägigen Rückwegs zum Eingang des Nationalparks konnte ich dem einen Bergführer ausführlich von Falun Dafa sowie von der Verfolgung in China erzählen. Er stellte viele Fragen und war echt interessiert. Beim Abschlussfest mit den 16 Trägern unserer Gruppe hatte ich die Gelegenheit, zuerst im Namen der Gruppe mein Wort an die Träger zu richten. Gegen Ende des Fests ergriff ich dann nochmals das Wort und sprach von Falun Dafa, nachdem ich jedem eine Lotusblume gegeben hatte. Dieser Bergführer übersetzte meine Worte auf Suaheli und gab gleich noch eigenständig weitere Erklärungen dazu. Da ich ihm zuvor ausführlich seine Fragen beantwortet hatte, gab er den Trägern zusätzliche Erklärungen, damit sie besser verstehen konnten, worum es bei Falun Dafa geht. Das Übersetzen von einer Kultur in eine andere erfordert manchmal mehr als nur die exakte Übersetzung der Worte, und der Bergführer wirkte somit auch als ein Führer für die Mitglieder seines eigenen Stammes. Etliche der Träger strahlten oder nickten mir dankend zu.
Ich bin dem Meister sehr dankbar für dieses großartige Arrangement. An einen Mitpraktizierenden schrieb ich: „Ein kleiner Tropfen für ein wunderbares Volk am Fuß eines großartigen Bergs.“ Er schrieb zurück: „Das könnte der erste Tropfen am Beginn eines großen Flusses gewesen sein.“
Mehrfach beobachtete ich, dass die einfachen Menschen dieses Stammes und nachher auch von anderen Stämmen jeweils richtig aufblühten, wenn ich ihnen einen Lotusblumen-Anhänger gab und, soweit sie Englisch verstanden, ihnen erklärte, was es damit auf sich hatte. Doch auch wenn sie kein Englisch sprachen, schienen sie zu verstehen, worum es geht.
An einer Raststätte fiel mir auf, dass die Toiletten außerordentlich sauber waren. Es ist in vielen Ländern üblich, den Menschen, die Dienstleistungen wie Putzen erbringen, ein Trinkgeld zu geben. Der Mann, der für das Saubermachen zuständig war, war jedoch gerade nicht mehr zu finden, als ich ihm eine Glücksanhänger -“Lotusblume“ und ein Trinkgeld geben wollte. So legte ich beides einfach auf den Lavabo-Rand an der Außenwand des Gebäudes, wo ich ihn vorher gesehen hatte. Kurz vor unserer Weiterfahrt tauchte er plötzlich auf und sagte sichtlich berührt zu unserem Fahrer, der dann für mich übersetzte, dass ihm die Lotusblume viel mehr bedeute und dass die Lotusblume viel mehr Wert sei als jegliches Trinkgeld.
Chinesen
Einerseits ging es mir darum, Menschen der Lokalbevölkerung zu erreichen. Doch andererseits wollte ich auch viele Chinesen erreichen. Im Internet hatte ich gelesen, dass es circa 30‘000 Chinesen im Land gebe. Nach dem ersten Tag ohne meine Reisegruppe hatte ich, abgesehen von vereinzelten chinesischen Touristen und einem chinesischen Restaurant, das geschlossen war, keine Anzeichen von Chinesen gesehen. Ich war irritiert, entmutigt und enttäuscht. So las ich den Text nochmals durch, indem von 30‘000 Chinesen die Rede war. Da stand, dass der chinesische Botschafter im Land von 30‘000 Chinesen gesprochen hatte. War ich womöglich auf chinesische Propaganda hereingefallen? Am Abend bat ich den Meister um Hilfe.
Am nächsten Morgen begegnete ich einem Einheimischen, der sein Medizinstudium in China absolviert hatte. Er warnte mich. Der Einfluss Chinas hier in Afrika insgesamt und im Speziellen auch in seinem Land sei sehr groß und ich solle vorsichtig sein. Immerhin hatte ich jemanden getroffen, mit dem ich ausführlich und vertieft über Falun Dafa und sogar über den Organraub an Gewissensgefangenen in China sprechen konnte.
Daraufhin machte ich einen Spaziergang am Strand und erfrechte mich dann, im teuersten Hotel der Stadt mein Frühstück einzunehmen. Unter den Gästen war eine chinesische Familie. Ich gab dem Mann bei einer passenden Gelegenheit eines der kleinen A7-formatigen Büchlein auf Chinesisch, welche mir eine Mitpraktizierende mitgegeben hatte und auf denen „San Tui“ – die drei Austritte – also der Austritt aus der Kommunistischen Partei Chinas und den ihr zugehörigen Organisationen, steht. Er nahm es an und begann auch gleich, sich darin zu vertiefen. Vielleicht war meinerseits Frohsinn aufgekommen, vielleicht hatten seine Frau oder sein Sohn einen schlechten Einfluss auf ihn, vielleicht hätte ich mehr aufrichtige Gedanken benötigt. Denn nachdem die Familie gegangen war, gab mir ein Hotelangestellter diskret das Büchlein zurück.
Ich war wiederum entmutigt, doch gab ich nicht auf. Von da an sprach ich jeden Tag möglichst viele der wenigen asiatischen Touristen an um herauszufinden, woher sie kamen, und um ihnen eines der Büchlein zu geben, falls sie vom Festlandchina waren. Einige nahmen es an; einige lehnten es ab. Ablehnung empfand ich zwar irgendwie als persönliche Ablehnung, was mich erstaunte, denn bei Aktivitäten im Westen stört es mich nicht, wenn jemand unser Material nicht annimmt. Ich beobachtete diese meine Reaktion und machte mir Gedanken dazu. Ich sagte mir, dass der Grund der Ablehnung die bösen Faktoren der alten Mächte hinter den Menschen waren und dass das Verhalten der Menschen nichts mir mir persönlich zu tun hatte. Auch sagte ich mir, dass es wichtig ist, nicht aufzugeben.
Ich überlegte, wo ich am ehesten Chinesen würde antreffen können. So ging ich eines Tages zu Fuß etwa 40 Minuten weit zum nächstgelegenen Supermarkt, denn in der Altstadt, in der ich wohnte, gab es keine Supermärkte. Tatsächlich kamen kurz nach mir zwei Chinesen herein. Als ich bezahlt hatte, wartete ich draußen, bis sie herauskamen, und fragte sie dann beiläufig, woher sie kamen. Nach der Antwort „China“, gab ich ihnen ein Büchlein und ging. Später holten sie mich mit ihrem Auto ein und wollten wissen, woher ich kam. Ich befürchtete schon, dass sie mir das Büchlein zurückgeben wollten, doch wollten sie wirklich nur wissen, woher ich kam.
Insgesamt fand ich drei chinesische Restaurants in der verwinkelten Altstadt der Hauptstadt der Region. Nachdem ich etwas gegessen hatte, gab ich jeweils dem Inhaber ein Büchlein. Als ich in eines der drei Restaurants zum zweiten Mal ging um etwas zu essen, brachte mir ein afrikanischer Angestellter umgehend die Speisekarte, doch als ich bestellen wollte, kam niemand mehr. Der Besitzer hatte demonstrativ mit den beiden Angestellten gesprochen. Es war sonst kein Gast da. Ich wurde einfach ignoriert und nicht bedient. Es fühlte sich sehr merkwürdig an. So etwas war mir noch nie passiert. Der Besitzer ging dann sogar demonstrativ nach draußen um nicht mit mir kommunizieren zu müssen. Nach etwa 40 Minuten verließ ich das Lokal. Ich wusste, dass es die Faktoren hinter ihm waren, die versuchten, mich zu entmutigen und mich vom weiteren Verteilen der Büchlein abzuhalten. Doch gab ich nicht auf.
Weitere Anhaftungen loslassen
Zu der Zeit wohnte ich in einem bescheidenen Gästehaus. Nachts raschelte es unter dem Sofa und am Abend des dritten Tages sah ich eine Maus am Boden zwischen dem Schränklein und dem Vorhang. Am liebsten wäre ich gleich ausgezogen. Doch das bessere Hotel, in das ich umziehen wollte, war die folgenden vier Tage ausgebucht. Da ich nicht noch zweimal umziehen wollte und da ich dieses bessere Hotel ins Auge gefasst hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit der Maus abzufinden und mein Unbehagen der Maus gegenüber abzulegen. Die folgenden Nächte schlief ich entweder sehr tief oder die Maus war ausgezogen. Jedenfalls hörte oder sah ich sie nicht mehr.
Die letzten vier Tage vor meiner Heimreise verbrachte ich in jenem schönen Hotel. Da traf ich auf eine andere Herausforderung. Kaum war ich mit meinem Gepäck im Zimmer, zog es mich wie magisch zum Swimming-Pool. Am liebsten wäre ich gleich baden gegangen. Zum Glück erinnerte ich mich an meine Aufgabe. Ich nahm ein paar meiner chinesischen Büchlein und konnte – tatsächlich – vier Büchlein in kurzer Zeit verteilen.
Gegen Ende meines Aufenthalts schaffte ich es, an einem Tag sechs chinesische Büchlein zu verteilen. Das war zwar recht gut, doch viel weniger als ich erhofft hatte. In zwei Wochen hatte ich insgesamt nur etwa 20 chinesische Büchlein verteilen können.
Auf meinem Rückflug in die Schweiz hatte ich einen mehrstündigen Zwischenstopp in einem riesigen Flughafen eines weiteren afrikanischen Landes. Der Flughafen umfasste vier Terminals. Schon auf dem Hinweg war mir aufgefallen, dass viele der anderen Transfer-Gäste Chinesen waren. So kam ich auf die Idee, die Gelegenheit zu nutzen und möglichst viele asiatische Reisende anzusprechen und zu fragen, ob sie von China seien.
Als ich da war, schienen die alten Mächte jedoch alles daran zu setzen, mich daran zu hindern. Während der Sicherheitskontrolle ging plötzlich das Licht aus, was die Kontrolle, die ohnehin langsam vorankam, vermutlich noch weiter verzögerte. Dann dauerte es sehr lange, bis das Nachtessen kam, das ich in einem Flughafenrestaurant bestellt hatte. Zudem machte ich mir Sorgen, dass sich jemand bei den Flughafenbehörden über mich beschweren könnte, wenn ich Büchlein verteilte. Und die öfters erfahrene Ablehnung in den zwei Wochen davor ließ mich grundsätzlich an meinem Vorhaben zweifeln.
Am Tag vor dem Rückweg hatte ich mein Vorhaben beendet, das Buch Zhuan Falun Satz für Satz auswendig zu lernen. Nach dem Aus-checken im Hotel, dann beim Warten auf den Abflug und dann auch während des Flugs bis zum Zwischenstopp hatte ich intensiv das Fa studiert, insbesondere die neuen Jingwen.
Der Meister erklärt:
„Als Dafa-Jünger ist es eure Aufgabe, die Hoffnung auf Errettung an die Menschen weiterzugeben und diejenigen, die errettet werden können, auf den Weg zur Rückkehr zu führen. Dafür müsst ihr das Fa gut lernen. Dafür müsst ihr wahre Kultivierende werden, erst dann könnt ihr den Aufgaben gerecht werden, erst dann könnt ihr eure heilige und grossartige Pflicht erfüllen.“ (An die Dafa-Jünger, die an der taiwanesischen Fa-Konferenz teilnehmen, 09.12.2023)
Es wurde mir klar, dass ich es unendlich bereuen würde, wenn ich es nicht zumindest versuchen würde, Chinesen während meines Zwischenstopps zu erreichen. Auch sagte ich mir nochmals ganz entschieden, dass ein Ablehnen nichts mit mir persönlich zu tun hatte. Es war ein Angebot, das ich machte, und ich bat den Meister, mich die Menschen mit Schicksalsverbindung finden zu lassen.
Es gab unglaublich viele Chinesen. Ich konnte unmöglich alle ansprechen. So konzentrierte ich mich vor allem darauf, Einzelreisende zu finden, da ich zuvor beobachtet hatte, dass sich Menschen in Gruppen öfters gegenseitig negativ beeinflussten. Auch bemühte ich mich sehr, mir die Menschen zu merken, um nicht zweimal dieselbe Person anzugehen, wie es mir zweimal in den beiden Wochen davor passiert war.
Ich stärkte meine aufrichtigen Gedanken und sprach eine junge Frau an. Sie nahm das Büchlein an. Ich empfand es als Ermutigung des Meisters! In den folgenden zwei Stunden sprach ich so viele Asiaten wie möglich an, die nach meiner Einschätzung Chinesen waren. Die Art des Gehens, die Körperhaltung und das Aussehen genügen meist, um Chinesen von anderen Asiaten zu unterscheiden. Nur selten gelangte ich an jemanden aus Südkorea oder Japan. Viele waren so verblüfft, von einer Europäerin etwas Chinesisches zu bekommen, dass sie das Büchlein annahmen. Einige lehnten es ab, doch machte mir dies nichts mehr aus.
Ich erlebte einiges sehr Ermutigendes. Ein Mann sagte „Zhe shi Zhen shi la“ oder ähnlich, was wohl so viel hieß wie: „Ja, dies ist wahr!“ und er hob den Daumen hoch. Ein anderer Mann lehnte das Büchlein zunächst ab. Dann fuhr er auf einer langen Rolltreppe zu seinem Terminal hinunter, während ich daneben zu Fuß die Treppe hinunterging. Unten angekommen, kam er zu mir zurück und nahm dann doch ein Büchlein entgegen. Ich merkte ihn mir, damit ich ihn nicht aus Versehen ein zweites Mal ansprechen würde. Auf meinem Rückweg zu einem anderen Terminal sah ich ihn nochmals. Er war wie verwandelt und sein ganzes Gesicht, ja sein ganzer Körper strahlte.
Als ich so circa zwei Stunden lang möglichst viele Asiaten angesprochen hatte, wollte ich doch wissen, wie viele Büchlein denn weggegangen waren. Wie durch ein Wunder und dank der Arrangements des Meisters hatte ich – sage und schreibe – 40 Büchlein verteilen können! Für mich war dies ein enormer Durchbruch! Ich bin dem Meister unendlich dankbar, dass ich diese Erfahrung habe machen dürfen.
Schluss
Es war eine große Reise gewesen. Viele Anhaftungen waren mir nur deshalb bewusst geworden, weil ich diese Reise gewagt hatte. Die Prüfung am Berg hat sich mir tief eingegraben: Ich muss meine Aufgaben als Praktizierende angehen und schaffen. Doch womöglich war genau diese Erfahrung nötig gewesen, damit ich daraufhin beim Zwischenstopp am Flughafen nicht bequem wurde oder bei den Schwierigkeiten aufgab. Zudem habe ich nun erfahren, dass ich auch als Westlerin zur Erklärung der wahren Umstände gegenüber Chinesen beitragen kann und dass ich nicht auf Mitpraktizierende und ihre Initiative warten muss, sondern selber aktiv werden kann.
Ich danke dem verehrten Meister für die wunderbaren Kultivierungserfahrungen während dieser großen Reise.
Ich danke Ihnen, verehrter Meister!
Ich danke euch, liebe Mitpraktizierende!
(Der Bericht wurde auf der Deutschschweizer Falun-Dafa-Konferenz 2025 vorgetragen.)




