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Über die Sinnlosigkeit von Streit

Wichtiger als Recht zu bekommen ist ein friedlicher Geist und ein ruhiges Herz

Mönch meditiert in der Natur. Foto: Cottonbro von Pexels

Man sagt: „Jeder Mensch ist ein eigenes Universum.“ Sie kennen sicherlich dieses Phänomen, dass Sie sich mit manchen Menschen beinahe ohne Worte verständigen können und sich nicht groß erklären müssen. Umgekehrt ist es beinahe unmöglich, sich jemandem zu erklären, der unwillig ist, Sie nicht verstehen kann oder Sie angreifen will.

Es gibt eine Geschichte über Konfuzius, die diese Feststellung veranschaulicht:

Der Jünger und der Grashüpfer

Konfuzius hatte einen Schüler, der sich gerne mit anderen stritt. Eines Tages versperrte ein grün gekleideter Junge die Tür zum Tempel und sagte zu dem Schüler: „Ich habe gehört, dein Meister ist ein Weiser, also musst du tiefes Wissen haben. Ich möchte dich fragen: Wie viele Jahreszeiten sind in einem Jahr?“

Der Jünger antwortete, dass es vier Jahreszeiten in einem Jahr gäbe.
„Nein, du irrst dich“, antwortete der Junge, „es ist offensichtlich, dass es nur drei gibt! Du musst falsch liegen.“ Der Schüler fand das merkwürdig und fragte sich innerlich, warum der Junge meinte, es gäbe nur drei Jahreszeiten und nicht vier.

Die beiden begannen zu streiten, als Konfuzius dazu kam. Der Junge wandte sich an ihn und sagte: „Weiser, bitte kommentieren Sie dies: Wie viele Jahreszeiten gibt es in einem Jahr?“ Konfuzius schaute ihn an und antwortete: „Es gibt drei Jahreszeiten.“ Der Junge war ekstatisch. Der Weise hatte ihm recht gegeben! Übermütig zeigte er seine Überlegenheit gegenüber dem Jünger und hüpfte vergnügt davon.

Der verwirrte Jünger fragte: „Meister, Ihr habt uns gelehrt, dass es vier Jahreszeiten gibt. Warum habt Ihr ihm gesagt, dass es nur drei gäbe?“ Der Weise antwortete: „Hast du nicht bemerkt, dass der Junge kein Mensch war? Er war ein Grashüpfer. Die Heuschrecke kann nur im Frühling, Sommer und Herbst leben. Wie kann er wissen, dass es den Winter gibt?“ Dann fügte er hinzu: „Glaubst du nicht, dass dein Streit mit ihm endlos gewesen wäre?“

So erkannte der Schüler, dass jeder Mensch und jedes Lebewesen individuelle Gedankenwelten und Anschauungen hat. Gleichzeitig erfahren alle eine Begrenzung im Erkennen der Wahrheit. Gewöhnlich kennt man nur die Dinge des eigenen Bereiches und hat Schwierigkeiten, andere Wahrheiten zu akzeptieren.

Sollten Sie, geneigter Leser auf ein Gegenüber treffen, das engstirnig und offensichtlich kleinkariert ist, wäre es dann nicht ein guter Weg, sich nicht mit ihm zu streiten, sondern nachsichtig und barmherzig zu ihm zu sein? Es ist eine Charakterstärke, nicht auf seiner Meinung beharren zu müssen und sich zu bemühen, die Sichtweise des anderen zu verstehen.

Mit Guiguzi lernen, warum Menschen schwer zu erlösen sind

Eine Lotosblume in ihrer Pracht

Guiguzi, war ein taoistischer Einsiedler, der auf dem Berg Yunmeng lebte. Er hatte in seinem Leben viele Schüler, obwohl er selbst die menschliche Gesellschaft hätte verlassen können, um das unvorstellbar schöne Leben eines Unsterblichen im Himmel zu führen.

Doch wozu wollte er auf der Erde bleiben?

Er wollte würdige Schüler finden, die das Tao lernten, es erkennen konnten und zur Vollendung kommen würden. Später würden sie gemeinsam in die himmlischen Welten der Unsterblichen aufsteigen.

Von den unzähligen Schülern waren einige wenige sehr fleißig. Sie hatten bereits eine hohe Ebene der Kultivierung erreicht. Guiguzi eröffnete diesen Jüngern, dass sie die Möglichkeit hätten, sich mit ihm in das Land der Unsterblichen zu begeben.

Doch Guiguzi wurde enttäuscht. Sie lehnten seine Bitte ab. Er fragte sie: „Warum sich in der menschlichen Gesellschaft abmühen, verstrickt in Ruhm und Eigennutz?“

Die Schüler antworteten: „Wir wollen für spätere Generationen bekannt sein und unsere Talente nutzen, um Tugend zu erlangen.“ Keiner der Schüler wollte aus dem endlosen Prozess der Karma-Vergeltung aussteigen, keiner strebte danach, den Kreislauf der Reinkarnation zu verlassen und errettet zu werden.

Er akzeptierte ihre Entscheidung und prophezeite ihnen ihre zukünftigen Schicksale, die sich entfalten würden. Die Schüler knieten nieder und verneigten sich vor Guiguzi, bevor sie gingen. Kurze Zeit später stieg Guiguzi in den Himmel – ohne einen einzigen seiner Schüler mitzunehmen.

Quelle: Treasured Tales of China Volume 1, Seiten 173, 175-177, Middle Kingdom Publishers New York 2018

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