25. April 1999 in Peking: Mehr als 10.000 chinesische Bürger hatten sich ruhig und friedlich vor dem zentralen Petitionsbüro der chinesischen Regierung in Peking versammelt. Ein ungewohntes, aber eindrucksvolles Bild.
Diese Menschen wollten damit auf die gewaltsamen Polizeimaßnahmen gegen Falun Gong-Praktizierende in der Stadt Tianjin kurz zuvor aufmerksam machen und eine rechtliche Klärung erbitten.

Zu diesem Zeitpunkt gab es in China 70 bis 100 Millionen Menschen, die diese kostenfreie Qigong-Schule praktiziert haben – und damit mehr als die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) Mitglieder hatten. Das war in ihren Augen Grund genug, sich gegen diese Meditationspraktik zu stellen.
Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, beinhaltet fünf Qigong-Übungen. Gleichzeitig orientiert sich die Praktik an den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht und ist in rund 120 Ländern verbreitet.
Erinnerung am Brandenburger Tor
Nur drei Monate nach der Versammlung vor dem Petitionsbüro, am 20. Juli 1999, befahl der kommunistische Führer Jiang Zemin eine landesweite Verfolgungskampagne. Sein Ziel war es, diese spirituelle Bewegung komplett auszulöschen.
Die Verfolgung beinhaltet – bis zum heutigen Tag – Inhaftierung, Folter, Gehirnwäsche, Zwangsarbeit und staatlich organisierter Organraub. Menschenrechtsorganisationen wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) bezeichnen dieses blutige Menschenrechtsverbrechen als „Völkermord“.
Um die Versammlung vom 25. April zu gedenken, versammelten sich Falun Gong-Praktizierende am Samstag weltweit in zahlreichen Städten – auch am Brandenburger Tor in Berlin. Gleichzeitig machten sie weiterhin auf die anhaltende Verfolgung in China aufmerksam.


„Es ist schwer zu erfassen“
Bei ihrem friedlichen Protest klärten die Praktizierende aus Berlin unter anderem Passanten über die Qigong-Schule und die Verfolgung in China auf. Um ihre Unterstützung auszudrücken, unterschrieben viele Menschen an diesem Tag die „Petition an die deutsche Bundesregierung zur sofortigen Beendigung der erzwungenen Organentnahmen von Falun-Gong-Praktizierenden in der Volksrepublik China“, aber auch von Uiguren, Tibeter und Christen, die ebenfalls Verfolgung durch die KPCh erleiden.
„Ich finde es ganz schrecklich und unmenschlich, dass man diese Menschen foltert, tötet und inhaftiert. Das ist unheimlich“, äußerte der Däne Kenn Håkanson. Den Organraub an lebenden Falun Gong-Praktizierenden fand er „noch schrecklicher“. Weiter sagte er: „Es ist schwer zu erfassen. Das ist doch illegal und sollte nicht stattfinden.“ Die Petition unterschrieb der Däne mit dem Gedanken, dass man gegen diese Verfolgung etwas unternehmen müsse.
Håkanson fragte sich zudem, wie die Welt, also die anderen Länder, darauf reagieren. „Man solle auch bei anderen Regierungen und der EU protestieren, dass sich diese gegen die Verfolgung einsetzen“, forderte er. Dem Europäischen Parlament ist dieses Thema bereits bekannt. Zuletzt hat es im Januar 2024 einen Beschluss gegen die anhaltende Verfolgung von Falun Gong in China verabschiedet.

„Eine sehr schöne Meditation“
Die Verfolgung verurteilte auch Feysal: „Ich finde es nicht gut, dass die Falun Gong-Praktizierenden in China kein Recht darauf haben, ihr Leben wie hier in Deutschland mit gemeinsamer Meditation in der Öffentlichkeit und in Parks gestalten können.“ Seiner Ansicht nach müsse die KPCh abgeschafft werden, damit die Menschen in China diese Meditation wieder frei ausüben können.
Die Werte Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht befürwortet er. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der fünften Übung von Falun Gong, der Sitzmeditation. „Es ist eine sehr schöne Meditation. Man kommt zur Ruhe und kann seine Sorgen und Probleme einfach mal ablegen.“

Protest vor chinesischer Botschaft
Überdies fanden sich am Samstagvormittag einige Falun Gong-Praktizierende schon vor der chinesischen Botschaft in Berlin zusammen und protestierten auch dort friedlich gegen die nun knapp 27 Jahre andauernde Verfolgung. Mit mehreren Bannern, die auf die blutigen Menschenrechtsverbrechen hinwiesen, forderten sie Freiheit für ihre Mitpraktizierenden in China und ein sofortiges Ende der Unterdrückung.


Quelle: Wie der 25. April 1999 zum Schicksalstag für 100 Millionen Menschen wurde








