Wie Su Shi mit seinen Schicksalsschlägen umging

Su Shi absolvierte das höchste Staatsexamen mit 19 Jahren und soll über ein Wissen von mehr als drei Bibeln verfügt haben. Trotz dieser guten Voraussetzungen hatte er bis zur Pensionierung kein bequemes Leben. Seine Karriere ging nicht immer nur bergauf. Er war insgesamt dreimal verheiratet und als er sich in seinen späteren Lebensjahren dem Buddhismus zuwandte, erkannte er, wie viel es noch über das Leben zu lernen gab.

Symbolbild für den Lebensweg Foto: YangGuangWu, Pixabay

Junge Menschen streben oft danach, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Doch mit der Zeit beginnen sie sich zu fragen, warum das Leben manchmal außer Kontrolle zu geraten scheint.

In der chinesischen Kultur gibt es ein Sprichwort, das besagt: „Das Schicksal wird vom Göttlichen bestimmt.“ In der traditionellen chinesischen Weltanschauung herrschte der Glaube vor, man solle „dem Göttlichen Respekt zollen, sein Schicksal erkennen und dem Tao (natürlichen Lauf) folgen“.

Su Shi: Ein Gelehrter mit dem Kopf voller Wissen

Einer der Menschen, die das Tao erkannten, war Su Shi (1037 – 1101), auch bekannt unter dem Namen Su Dongpo.

In seinem Leben erlebte Su Dongpo viele Höhen und Tiefen. Während ihm der Erfolg bei den kaiserlichen Prüfungen Ruhm einbrachte, war seine politische Karriere turbulent. Der zeitweise Mangel an materiellen Gütern gab ihm die Gelegenheit, über das Leben nachzudenken und sich mit dem Buddhismus zu befassen.

Trotz seines Schicksals ist Su Dungpo bis heute anerkannt für sein Schaffen als Schriftsteller, Dichter, Maler und Staatsmann der Song-Dynastie. Über 4.000 seiner Gedichte, die für ihren kühnen, ausdrucksstarken und leidenschaftlichen Stil bekannt sind, sind erhalten geblieben. Viele Chinesen können noch heute einige davon rezitieren.

Zum Dienst im südlichen Huangzhou degradiert

Su Shi kritisierte mit seinen Gedichten die Reformpolitik des Gelehrten Wang Anshi und machte sich über aktuelle Ereignisse lustig. Einige Beamten waren auf der Seite Su Shis, andere berichteten dem Kaiser davon und der ließ Su Shi verhaften. Er soll über hundert Tage in Haft verbracht haben. Die beiden Gelehrten hatten keinen persönlichen Streit miteinander. Sie trafen sich, nachdem Wang Anshi sich zur Ruhe gesetzt hatte, auch persönlich, um über Literatur zu diskutieren. Nicht nur Wang Anshi, auch Su Shi setzte sich als Beamte für die Belange der einfachen Menschen ein.

Doch damals verbannte der Kaiser Su Shi nach Huangzhou im Süden des Landes. Nach seiner Ankunft in Huangzhou begann für Su Shi ein Leben in Armut, was für ihn neu war. Im traditionellen Konfuzianismus gibt es ein Sprichwort: „Ein guter Mensch bleibt in der Armut ruhig, versteht die anderen und versteht sein Schicksal.“

Su Shi war ein guter Regierungsbeamter und nahm nie Bestechungsgelder an. Dies machte es für seine Familie schwierig, über die Runden zu kommen. Su Shi teilte sein Monatsgehalt in 30 Portionen und hängte diese Beutel an einen Balken im Haus. Jeden Morgen nahm er einen der Beutel als Lebensunterhalt für den jeweiligen Tag ab.

Nach einiger Zeit konnte er für seine Familie ein Stück Land erwerben, um einen Garten zur Selbstversorgung anzulegen. Su Shi, der in seinem Leben (fast) immer Freunde hatte, soll gesagt haben: „Alle meine Nachbarn kamen mit ihren Werkzeugen, um zu helfen, weil sie wussten, dass ich arm war.“ Das Brachland war mit Dornenbüschen und Schutt bedeckt und musste erst in mühsamer Arbeit für den Anbau gangbar gemacht werden.

Kalligrafie von Su Shi in semi-kursiver Schrift. Foto: National Museum Taiwan, Wikipedia

Neben der Arbeit auf dem Acker war Su Shi auch „in Strohschuhen oder in einem kleinen Boot unterwegs“. Er pflegte Kontakt zu einem Zen-Priester und befasste sich mit Meditation und dem Buddhismus. Su Shi dachte über sein Schicksal nach und wie karmische Zusammenhänge dazu führten. Er schrieb einmal: „Es könnte sein, dass ein Mensch ein bestimmtes Schicksal hat. Selbst satt zu werden ist nicht leicht, genauso wie es schwierig ist, Ruhm oder Reichtum zu erlangen.“

Aufgrund der entbehrungsreichen Erfahrungen in Huangzhou erreichte Su eine neue geistige Ebene. Er fand, dass die Dinge in dieser Welt von Bedeutung sind, egal ob sie hoch oder niedrig sind. In seinem Gedicht „Die Schrift an der Wand des Xilin-Tempels“ schrieb er: „Je nach Blickwinkel erscheint es als Bergrücken oder als Gipfel. An diesem Ort scheint alles anders zu sein, hoch und niedrig, nah und fern. Unser Blick auf den Berg (Lushan) ist nur ein winziges Stück – einfach, weil wir es nur mit unseren Anschauungen betrachten.“

Im Exil in Hainan

Su Shi wurde in seinem Leben dreimal ins Exil geschickt. Das letzte Mal nach Danzhou, einer abgelegenen ländlichen Gegend in der heutigen Provinz Hainan. Mit dieser dritten Verbannung ging auch ein Mandat einher, das es Su Shi verbot, sich in der Residenz von Regierungsbeamten aufzuhalten. Da er keine andere Wahl hatte, musste er sich für eine Unterkunft bei den Einwohnern einmieten.

In „Ein Brief an den Gelehrten Cheng“ schrieb Su Shi: „Hier gibt es kein Fleisch zu essen, keine Medizin für Krankheiten, keine Unterkunft, keine Freunde, die man besuchen kann, keine Kohle im Winter und keine kalte Quelle im Sommer.“ Im selben Brief kam jedoch auch seine gute Lebenseinstellung zum Ausdruck: „Mit einem physischen Körper vom Schöpfer werde ich meinem Schicksal folgen und gehen, wohin es mich führt. So verstehe ich das, und bitte machen Sie sich keine Sorgen um mich.“

In der Sammlung von Su Shi kommt das Wort „Schöpfer“ 59-mal vor. In einem Gedicht schrieb er: „Der Schöpfer weiß, dass ich mich danach gesehnt habe, (zum Ursprung) zurückzukehren. Es ist, als ob das Arrangement Krankheit und Verwirrung mit einschließt.“

Eine einsame Gestalt mit breitkrempigem Hut und Sandalen stapft durch eine trübe Landschaft.

Darüber haben fünf prominente japanische Zen-Mönche aus den Klöstern in Kyoto Gedichte in chinesischer Sprache geschrieben, um Chinas berühmtesten Literaten, Su Shi (1037–1101), hier unter seinem Spitznamen „Dongpo“ genannt, zu feiern. Su Shi und seine Schriften waren im mittelalterlichen Japan sehr beliebt.

Das Ereignis, an das das schnell gemalte Bild und die Gedichte erinnern, ereignete sich, als der betagte Gelehrte auf der abgelegenen südlichen Insel Hainan im Exil lebte.

Als er von einem plötzlichen Regenschauer überrascht wurde, lieh er sich einen Strohhut und Holzschuhe von einem Bauern und setzte seinen Weg fort, während die Dorfbewohner über sein seltsames Aussehen lachten.

Bild: Metropolitan Museum New York

Fazit: Ohne Verlust kein Gewinn

Die Zeiten des Mangels förderten Su Shi in seiner persönlichen Entwicklung. Selbst in größter Not gelang es ihm eine gute Lebenseinstellung zu bewahren. Er erkannte, dass das Schicksal im gegenwärtigen Leben im Zusammenhang steht mit früheren Inkarnationen. Darum gilt es in den Herausforderungen und Widrigkeiten des Lebens standhaft zu bleiben, der Wahrheit treu zu folgen und dadurch Erleuchtung zu finden, indem man den Weg zurück zu seinem Ursprung beschreitet.

Unabhängig von seinen Lebensumständen blieb er seine Liebe zur Literatur und zum künstlerischen Schaffen treu. In dem Gedicht „Ersten Ode an die roten Klippen“ kann sich der Leser dieses Artikels über die Zeitlinie mit Su Shi verbinden und persönlich angesprochen fühlen. Damals schrieb er: „Zwischen Himmel und Erde hat alles einen Platz, an den es gehört. Wenn etwas nicht mir gehört, würde ich nicht einmal ein kleines Stück davon nehmen. Aber wenn wir dem Rauschen des Windes auf dem Fluss lauschen oder den Mond über dem Berg betrachten, dann wissen wir, dass es endlos ist und nicht verschwinden wird. Dies ist ein grenzenloses Geschenk des Schöpfers, und wir beide können es genießen.“

Quelle: Minghui und Recherche im Internet

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