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Schnee im Hochsommer: Das Unrecht von Dou Er

Wenn mitten im Sommer Schnee fällt, fragen die Menschen im Westen die Wissenschaft um eine Erklärung. Doch in China fragten die Menschen immer: „Wo wurde eine Ungerechtigkeit begangen?“

Warum? Ein bekanntes Drama aus der Yuan Dynastie (1271 – 1368 n. Chr.) des großen Dramatikers Guan Hanqing prägte dem chinesischen Volk diesen Glauben ein. Bis zum heutigen Tag sehen Chinesen, ob gebildet oder nicht, Schnee im Hochsommer als eine Warnung des Himmels für einen großen Justizirrtum (ein großes Fehlurteil) an.

Guan Hanqing war ein Gelehrter in der frühen Yuan Dynastie und talentierter Autor von Yuan Dramen. Während dieser Zeit nahmen Korruption und verpfuschte Gerichtsfälle überhand. Guan war ein Mensch mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn und schrieb viele Dramen, um die Staatsangelegenheiten aufzudecken. „Das Unrecht von Dou Er“ ist vielleicht Guans herausragendstes Werk über „Unrecht“.

Dou Er war ein verarmtes Mädchen im Kreis Chuzhou (in der heutigen Provinz Jiangsu), das seine Mutter verlor als es noch klein war. Ihr Vater war hochverschuldet und brauchte Geld, um in die Hauptstadt reisen und an einer kaiserlichen Prüfung teilnehmen zu können. Da ihm keine Alternative blieb, verkaufte er Dou Er an die Familie Cai und verlobte sie mit Cai. Doch zwei Jahre später starb Cai an einer Krankheit und hinterließ Dou Er und ihre Schwiegermutter, die nun für sich selber sorgen mussten.

Ein örtlicher Grobian, Zhang Luer, nutzte deren verletzliche Situation aus und zwang die Schwiegermutter, den Vater von Zhang Luer zu heiraten. Zaghaft, hilflos und vor Furcht, was der Grobian tun würde, fügte sich die Schwiegermutter. Zhang Luer versuchte dann, Dou Er mit Druck dazu zu bewegen, ihn zu heiraten. Dou Er lehnte jedoch entschieden ab, was Zhang Luer bitter enttäuschte.

Nach einigen Tagen wurde Mutter Cai krank und bat Dou Er, ihr eine Suppe aus Fleisch vom Lammbauch zuzubereiten. Zhang Luer gab heimlich Gift in die Suppe, um Mutter Cai zu töten und so Dou Er dann zwingen zu können, ihn zu heiraten. Als jedoch Mutter Cai die Suppe zu sich nehmen wollte, fühlte sie sich plötzlich übel und reichte die Suppe Zhang Luers Vater. Nachdem dieser die Giftmischung gegessen hatte, wälzte er sich auf dem Boden und starb.

Zhang Luer hatte große Angst davor, exekutiert zu werden, wenn die Wahrheit ans Licht kommen sollte. Und so schob er die Schuld auf Dou Er und beschuldigte sie vor Gericht des Mordes.

Der Richter am Kreisgericht war korrupt. Von Zhang Luer bestochen, setzte er Dou Er der Folter aus, damit sie sich schuldig bekenne. Dou Er erduldete entsetzliche Prügel, weigerte sich aber, das Verbrechen zuzugeben. Der Richter wusste, dass Dou Er durch Kindespflicht ihrer Schwiegermutter gegenüber loyal bleibe würde und so befahl er, Mutter Cai eine Reihe von Schlägen zu verabreichen, die vor Dou Er vollzogen werden sollten. Dou Er war in Sorge um ihre Schwiegermutter und beugte sich erzwungenermaßen.

Und so erpresste der Richter ein Geständnis von Dou Er. Sie sollte wegen Kapitalverbrechen hingerichtet werden. Auf dem Exekutionsplatz wurde Dou Er klar, dass es keine Hoffnung auf Begnadigung gab und so rief sie, erfüllt von Trauer und Wut, Himmel und Erde an. Sie äußerte den letzten Wunsch, dass es so heftig schneien möge, dass es ihren Leichnam begrübe. Und dann solle es in den darauffolgenden drei Jahren zu schweren Dürren kommen.

Ihre Empörung erschütterte Himmel und Erde. Sofort nach der Exekution zogen Wolken auf und der Himmel verdunkelte sich. In der Hitze des Sommers (es war Juni nach dem Mondkalender) fing es heftig zu schneien an. In den folgenden drei Jahren gab es im Kreis Chuzhou eine schwere Trockenheit.

Später wurde der Vater von Dou Er Beamter in der Hauptstadt und der Fall von Dou Er wurde neu aufgerollt. Zhang Luer wurde exekutiert und der korrupte Richter erhielt seine angemessene Bestrafung.

(Eigenartigerweise gab es in den letzten Jahren in China eine Anzahl von Berichten über Schneefälle im Sommer. 2007 schneite es im Sommer dreimal. Am 20. Juni wurde über schwere Schneefälle in der Provinz Gansu berichtet; am 30. Juli schneite es in einem Teil von Peking; am 05. August fiel Schnee im Pekinger Bezirk Haidian. Am 21. Juli 2008 schneite es fünf Minuten lang im Kreis Pujiang in der Provinz Zhejiang. Am 05. Juni 2010 schneite es nicht nur im Kreis Taxkorgan in der Autonomen Region von Xinjiang, die ganze Region erlebte einen totalen Blizzard.)

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