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Prinzessin Wen Cheng – die beliebteste Prinzessin der Tang in Tibet

In der chinesischen Geschichte ist das Eingehen ehelicher Verbindungen mit anderen Staaten seit der Han Dynastie (200 v. Chr.) eine strategische Praktik gewesen, um Frieden zwischen den Staaten aufrecht zu erhalten. Die Ehe zwischen Prinzessin Wen Cheng und dem Zanpu (oder König) von Tibet, während der Herrschaft von Kaiser Taizong der Tang Dynastie, war eines der erfolgreichsten Beispiele.

Im Jahre 632 n. Chr. vereinte Songtsan Gambo, ein sehr talentierter junger tibetischer König, Tibet wieder und wurde so zu einem Nationalhelden. Seine weiteren militärischen Taten gegen China waren jedoch nicht erfolgreich. Als er sah, wie sich China unter Kaiser Taizong zum mächtigsten und blühendsten Land der Welt entwickelte, entschloss sich der tibetische König, noch einmal um eine chinesische Prinzessin zu werben, nachdem das erste Mal abgelehnt worden war. Gemäß tibetischer Erzählungen war er völlig damit beschäftigt, sein Königreich zu festigen und so sandte er seinen geschicktesten Kanzler als Vertreter mit hundert Wertgegenständen und über hundert Elitewächtern in seinem Auftrag nach Chang’an (Hauptstadt Chinas der Tang), um einen Heiratsantrag zu unterbreiten.

Prinzessin Wen Cheng war für ihre Schönheit, Intelligenz und Eleganz berühmt und so gab es ein Dutzend Abgesandte, die mit der gleichen Absicht wie der tibetische Abgesandte aus anderen Königreichen nach Chang’an kamen. Um fair zu sein, entschied Kaiser Taizong mit fünf (oder gemäß tibetischer Erzählungen, sechs) praktischen Rätseln einen Wettbewerb zu veranstalten und erklärte, dass das Heiratsangebot eines jeden Monarchen akzeptiert werden würde, dessen Abgesandter sie als erster lösen könne.

Gemäß tibetischer Erzählungen war das erste Rätsel, einen Seidenfaden durch einen gewundenen Tunnel einer Perle einzufädeln. Der tibetische Abgesandte brachte Honig am Ende des Tunnels an und band dann eine Ameise an den Seidenfaden und blies sie dann sanft in den Tunnel hinein. Die Ameise folgte dann dem Duft des Honigs und lief durch den Tunnel, den Faden, an den sie angebunden war, hinter sich herziehend.

Das zweite Rätsel war, einhundert junge Pferde mit ihren jeweiligen Müttern zusammenzubringen. Der tibetische Abgesandte trennte die Stuten von ihren Jungen und schnitt die Fohlen für einen Tag von jeglicher Nahrung und Wasser ab. Am zweiten Tag brachte er die Fohlen und Stuten wieder zusammen. Die hungrigen Fohlen rannten zum Säugen zur ihren Müttern und so waren ihre Mutter-Kind-Beziehungen leicht herauszufinden.

Der kluge tibetische Abgesandte löste alle Rätsel, bis auf das letzte, welches verlangte, Prinzessin Wen Cheng unter einigen hundert Schönheiten zu identifizieren. Keiner der Abgesandten hatte jemals zuvor Prinzessin Wen Cheng gesehen, doch der gewitzte tibetische Abgesandte hatte Information von einer Dame gesammelt, die er einmal getroffen hatte und die der Prinzessin einst gedient hatte und so schaffte er es, Prinzessin Wen Cheng in der Gruppe zu erkennen.

Kaiser Taizong war von diesem tibetischen Abgesandten so beeindruckt, dass er ihm eine Beamtenposition am Hofe der Tang anbot, die aber von dem Abgesandten höflich abgelehnt wurde. Der Kaiser war immer noch sehr erfreut und sagte: „Wenn solch ein kluger und loyaler Berater dem König dient, dann muss dieser ein weiser König sein!“

Als eine Schülerin des Buddhismus wollte Prinzessin Wen Cheng ihre Ehe als Beitrag zum Frieden zwischen Tibet und der Tang Dynastie sehen. Sie bat Kaiser Taizong ihr zu erlauben, eine kostbare Statue Buddhas zur Förderung des Buddhismus in Tibet und eines gütigen, toleranten und friedliebenden Staates zu überbringen. Außerdem gab ihr der Kaiser als Mitgift zusätzlich Gold, Juwelen und feine Möbel mit und Prinzessin Wen Cheng bat besonders um Samen, landwirtschaftliche Geräte, Seide, Porzellan, Musikinstrumente und Medizinbücher, um die fortgeschrittenen landwirtschaftlichen Fertigkeiten und Anbaumethoden in die in Tibet herrschende Nomadenkultur einzuführen. Als er dies hörte, lächelte Kaiser Taizong lobend: „Es ist ein solches Glück, dass der König von Tibet euch heiraten kann, ihr werdet Wunder für ganz Tibet bewirken.“

Als Prinzessin Wen Cheng nach Tibet eskortiert wurde, geleitete Songtsan Gambo seine Armee bis an die Grenze, um seine Braut willkommen zu heißen. Die Heirat zwischen Songtsan Gambo und Prinzessin Wen Cheng hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Tibet und Tang China. Es ist weithin anerkannt, dass Prinzessin Wen Cheng aus der Tang und Prinzessin Bhrikuti Devi aus Nepal, die beide mit Songtsan Gambo verheiratet waren, den Buddhismus in Tibet einführten. Das Jokhang Kloster wurde speziell erbaut, um die von Prinzessin Wen Cheng mitgebrachte Buddha Statue aufzunehmen. Die für das Umfeld des Hochplateaus ausgewählten Samen wurden in Tibet angepflanzt und blühten, während die Handwerker aus der Tang fortgeschrittene landwirtschaftliche Anbaumethoden zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität in die in Tibet vorherrschende nomadische Kultur einführten und Kunsthandwerker überlieferten dem tibetischen Volk die Fertigkeit des Webens, der Herstellung von Papier und Tinte. Lange Zeit währte Frieden und die Seidenstraße wurde eine sichere und solide Verbindung zwischen Tang China und Tibet.

Als Prinzessin Wen Cheng im Jahre 680 starb, hielt Tibet eine große Begräbnisfeier für die beliebte Prinzessin ab und auch die Tang Dynastie entsandte Sondergesandte zur Trauerfeier nach Tibet. In ganz Tibet verbreiteten sich viele Mythen und legendäre Geschichten um Prinzessin Wen Cheng und Songtsan Gambo. Bis zum heutigen Tag wird in Lhasa die Statue von Prinzessin Wen Cheng, die vor 1300 Jahren errichtet worden war, verehrt. Bekannt als Gyasa (Ehefrau aus Tang China) wird Prinzessin Wen Cheng im tibetischen Buddhismus als Göttin der Barmherzigkeit betrachtet und verehrt und ihr Geburtstag und der Tag ihrer Ankunft in Tibet, werden vom tibetischen Volk bis heute gefeiert.

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