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Geschichten aus alter Zeit: Flirten ist eine Sünde

Zhao Yongzhen wurde während der Regierungszeit von Kaiser Zhengde (1505 bis 1521 n.Chr.) in der Ming Dynastie geboren. Als er ein Teenager war, traf er einen Mann, der die Gabe hatte, das Schicksal vorherzusagen. Dieser Mann sah ihm ins Gesicht und sagte: “Du hast eine Menge Tugend (De) aus vorhergehenden Leben angesammelt. Wenn Du mit 23 Jahren an den Prüfungen zum Eintritt in den Staatsdienst der Provinz teilnehmen würdest, würdest Du sicher den ersten Platz belegen. Wenn Du weiterhin fleißig Deine Gutherzigkeit kultivierst, wirst Du eine sehr hohe Stellung bekommen. Die ganze Welt wird Dir zu Füßen liegen.“ Zhao Yongzhen befolgte den Rat des Mannes und nahm, als er 23 Jahre alt war, an den besagten Prüfungen teil. Er kam aber nicht einmal durch die Prüfung durch, viel weniger wurde er deren Gewinner.

"Solange Du wollüstige Gedanken im Kopf hast, oder solange Du von diesen Frauen noch sexuell angeregt wurdest, musst Du mit Bestrafung rechnen, auch wenn Du tatsächlich diese Frauen nicht sexuell berührt hast."

Eines Nachts träumte er, er wäre aufgefordert worden, die kaiserliche Gottheit von Wenchang zu treffen, eine chinesische Gottheit mit der Aufsicht über Erziehung und Überprüfungen. Diese Gottheit machte ihm wütende Vorwürfe: “Du warst dazu vorgesehen, die Prüfung für den Staatsdienst zu gewinnen; aber Du sahest voller Lust verstohlen nach Deinem Mädchen hin und flirtetest mit einem Mädchen an der nächsten Tür. Darum ist Dir jede Ehre versagt worden!“ Zhao Yongzhen verteidigte sich ängstlich: “Obgleich ich sexuelle Fantasien mit ihnen hatte, so habe ich doch beide weder angerührt noch mit ihnen Sex gemacht. Wie kann denn das als Sünde der Wollust bezeichnet werden? Musste ich dafür so hart bestraft werden?“

Nachdem er sich diese Entschuldigung angehört hatte, machte die Gottheit von Wenchang ihm erneut wütende Vorwürfe: “Glaubst Du wirklich, dass einer keine Wollustsünde begeht, ehe er sie nicht in die Tat umsetzt? Solange Du wollüstige Gedanken im Kopf hast, oder solange Du von diesen Frauen noch sexuell angeregt wurdest, musst Du mit Bestrafung rechnen, auch wenn Du tatsächlich diese Frauen nicht sexuell berührt hast. Schlimmer noch, Du hast diese Frauen nicht mit dem nötigen Anstand und Respekt behandelt. Was dachtest Du Dir dabei, als Du mit ihnen flirtetest? Was wolltest Du ausdrücken, als Du ihnen die Hand auf die Schulter legtest und ihre Hand berührtest? Frag Dich nur selbst, was Du im Kopf hattest!

Weil Du so wollüstig bist, hast Du nicht nachgedacht, ehe Du mit diesen Frauen anfingst zu flirten. Das Ergebnis war, dass sie ihrerseits mit Dir geflirtet und angefangen haben, über Romantik und Sex zu fantasieren. Der Himmel hat Dich den ersten Platz nicht erwerben lassen; aber Du bereust Deine Sünde immer noch nicht! Du verteidigst Dich sogar noch mit Deinem Witz. Deshalb fürchte ich, dass noch größere Missgeschicke auf Dich zukommen werden!“

Schließlich erkannte Zhao Yongzhen, was für eine schreckliche Sünde er begangen hatte. Er fiel auf alle Viere und brach in Tränen aus. Er bereute ernsthaft und versprach: “Ich sehe meinen Fehler ein und verspreche, dass ich nie mehr eine Frau lüstern ansehen oder irgendeinen wollüstigen Gedanken haben will. Wenn ich mir je selbst irgendeinen wollüstigen Gedanken nachsehen sollte, so werde ich willig die Bestrafung des Himmels auf mich nehmen. Ich werde sogar den Tod willig hinnehmen!“

"Wenn Du wirklich aufhörst mit deinen wollüstigen Gedanken und wenn Du den Menschen in der Welt rätst, sich von jeder Wollust in Rede, Tat und Gedanken zurückzuhalten, dann will ich Dir einen neuen ersten Platz einrichten und Dich mit großem Glück und Reichtum segnen.“

Der kaiserliche Gott von Wenchang sah, dass Zhao Yongzhen aufrichtig bereut hatte und dass sein Versprechen ernst zu nehmen war. So sagte er zu ihm: “Ich kann sagen, dass Du aufrichtig bereust. Wenn Du wirklich aufhörst mit deinen wollüstigen Gedanken und wenn Du den Menschen in der Welt rätst, sich von jeder Wollust in Rede, Tat und Gedanken zurückzuhalten, dann will ich Dir einen neuen ersten Platz einrichten und Dich mit großem Glück und Reichtum segnen.“ Dann deutete der Gott mit einer Feder auf Zhaos Herz. Zhao erschrak und wachte sofort auf.

Als sich Zhao die Einzelheiten des Traums ins Gedächtnis zurückrief, fühlte er sich glücklich, dass er in seinem bisherigen Leben so viel Tugend angesammelt hatte und dass er das ungeheure Glück hatte, der Kritik und dem Ratschlag des kaiserlichen Gottes von Wenchang zuhören zu dürfen. Andernfalls hätte er weiterhin mit den Frauen geflirtet, ohne auch nur zu wissen, dass das eine schreckliche Sünde ist. Danach erinnerte er sich oft an seinen Traum und war stets sehr aufmerksam bei dem, was er sagte, tat und dachte. Er fing außerdem an, seine Freundlichkeit zu verbessern und tat eine Menge gute Taten.

"Unter seinen Nachkommen erhielten alle, die seinen Ratschlägen in Bezug auf die Wollust folgten, Reichtum und Erfolg in ihrer Laufbahn."

Weil Zhao Yongzhen seine Sünde wirklich bereute und getreulich sein Versprechen erfüllte, gewann er mit 26 Jahren den ersten Platz bei den Examen für den Eintritt in den provinziellen Staatsdienst. (Diese Examen fanden alle drei Jahre statt.) Danach wurde er umso eifriger bei der Erhöhung seiner Tugend. Er schrieb ein Gedicht, in dem er die Menschen ermutigte, ihre Keuschheit zu bewahren und von wollüstigen Gedanken und Taten abzusehen. Nach vier Jahren sammelte er umso mehr Tugenden und gewann den ersten Preis beim kaiserlichen Staatsdienstexamen. Später wurde Zhao zum feudalen Lord erhoben und war verantwortlich für die Überwachung einer Region. Unter seinen Nachkommen erhielten alle, die seinen Ratschlägen in Bezug auf die Wollust folgten, Reichtum und Erfolg in ihrer Laufbahn.

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