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Geschichten aus dem alten China: Die Aufrichtigkeit der alten Chinesen

Während der Song-Dynastie gab es in der Changhua-Zeit zwei Brüder mit dem Nachnamen Zhang. Beide konnten keine Kinder kriegen, darum adoptierte der ältere Bruder und seine Frau ein Kind von Verwandten. Gleich danach bekam die Frau ein eigenes Kind.

Der jüngere Bruder fragte: „Da Ihr ja nun ein eigenes Kind habt, könnt Ihr mir nicht das adoptierte Kind überlassen?“

Der ältere Bruder besprach die Sache mit seiner Frau, die mit der Begründung nicht zustimmte: “Es wäre nicht recht, das zu machen. Wir adoptierten das Kind, weil wir damals kein eigenes Kind hatten. Nun wollen wir das adoptierte Kind verlassen, weil wir nun ein eigenes haben? Was würden die Leute von uns denken?“

Der jüngere Bruder ließ aber nicht locker. Da sagte die Frau: “Gut, dann gebe ich Dir unser eigenes Kind.“

Der jüngere Bruder wagte nicht, den Vorschlag anzunehmen, solange die Frau nicht aufrichtig darauf bestand, ihm ihr eigenes Kind zu geben.

Die Kinder wuchsen auf. Beide kamen mit fliegenden Fahnen durch die Zivildienst-Examen, was ihren Eltern Ehre machte. Die Menschen meinten, das sei eine Belohnung für ihr gutes Herz und ihre guten Taten.

Ein anderer Mann der Song-Dynastie mit Namen Zhou Mi erzählte uns die Erlebnisse seiner Familie:

„Meine Vorfahren kamen aus Licheng der Stadt Ji Nan. Mein Urgroßvater erlebte einst das Unglück, dass die Jurchen (女真) des Königreichs Jin in die Song Dynastie einbrachen. Es gab 16 Familienmitglieder, die in alle Richtungen flohen, um dem Tod durch die militärischen Morde zu entkommen.

Mein Urgroßvater floh ganz allein in ein weites großes Tal. Tagsüber versteckte er sich und in der Nacht beeilte er sich, weiterzukommen. Eines Abends jagten ihn einige Kavalleriesoldaten der Jin-Truppen. Da glaubte er, er könne ihnen nicht entkommen. Er rannte und rannte, bis er an einen alten Tempel kam. In dem Tempel gab es weder Obdach noch Schutz, hinter dem er sich verstecken konnte. Es gab da nur ein großes Standbild. Es war das Standbild einer Gottheit mit Namen Göttlicher Kaiser Zhen Wu. Er kletterte verzweifelt auf den Grund der Skulptur und wartete auf den Tod. Bald danach kamen die Jin und suchten nach ihm. Sie durchsuchten das Trockene um den Tempel herum, die Wälder sogar die Balken des Tempels und jeden Platz, den sie erreichen konnten. Aber wie durch ein Wunder durchsuchten sie den Grund der Statue nicht.

Danach entfloh mein Urgroßvater in die Stadt Hongzhou, wo sich zufällig alle seine Familienangehörigen trafen. Zu ihrer großen Verwunderung kamen alle sechzehn Familienangehörigen einzeln in der Stadt an, ohne dass ein einziges Mitglied fehlte. Darum war die ganze Familie tief davon überzeugt, dass die oberen Götter sie beschützt hätten. Seitdem baute unsere Familie aufrichtig einen Altar und betete den Göttlichen Kaiser Zhen Wu an. Das wurde von Generation zu Generation beibehalten. Der Geburtstag des Göttlichen Kaisers war ein festlicher Anlass für die ganze Familie, es wurde gemeinsam gebetet, gegessen und getrunken, jedoch ohne Fleisch und ohne Wein.

Wir bauten den Altar und beteten den Gott nicht an, um für mehr Wohltaten zu bitten, sondern nur um unsere Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen.

Geschichtliche Anmerkung:

Die Invasion der Jurchen in der Jingkang- Zeit

Als ein begabter Künstler, Kaiser Huizong (宋徽宗) der Nördlichen Song-Dynastie die Armee vernachlässigte, verursachte dass das Nördliche Song-China zunehmend geschwächt wurde, es fiel ausländischen Feinden zum Opfer. Als die Jurchen (女真) von der Mandschurei die Jin (金) Dynastie gründeten und das Königreich Liao im Norden der Song-Dynastie angriffen, verbündete sich der Song Hof mit den Jurchen und griff Liao von Süden her an. Dadurch gelang es ihnen, das Königreich Liao zu zerstören, das lange Zeit mit Song verfeindet war. Immerhin befand sich nun ein noch schlimmerer Feind, Jin, der Song an der nördlichen Grenze. Mit der Aneignung des Königreichs Liao und weil sie die Schwäche der Song erkannten, erklärten die Jin ihrem ehemaligen Verbündeten den Krieg. Anfang 1126 überquerten sie den Gelben Fluss und nahmen Kaifeng, die Hauptstadt des Song Reiches, ins Visier. Von Panik ergriffen, dankte Kaiser Huizong am 18. Januar 1126 zu Gunsten seines Sohnes, der damit Kaiser Qinzong (宋欽宗) wurde, ab.

Die Mauern von Kaifeng zu überwinden war für die Jin-Kavallerie ein schwieriges Unterfangen. Dadurch und durch den starken Widerstand der Chinesischen Beamten, die noch nicht ganz und gar ihren Mut verloren hatten wie der Kaiser, gelang es, dass die Jin die Belagerung von Kaifeng beendeten und in den Norden zurückkehrten. Das Song-Kaiserreich hatte aber einen demütigenden Vertrag mit den Jin zu unterschreiben, in welchem sie zustimmten, ein hohes Kriegstribut zu erstatten und den Jin jedes Jahr ein Tribut zu zahlen.

Aber selbst so demütigende Abmachungen konnten das hoffnungslose Song Kaiserreich nicht retten. Nach wenigen Monaten waren die Jin wieder im Süden, dieses Mal mit dem Vorsatz, die Mauern von Kaifeng zu durchbrechen. Nach einer harten Belagerung marschierten die Jin schließlich am 19. Januar 1127 in Kaifeng ein. Es folgten tagelange Plünderungen, Vergewaltigungen und Massaker. Der Große Kaiser Huizong, sein Sohn, der Kaiser Qinzong, der gesamte kaiserliche Hofstaat und der Harem, wurden von den Jin mitgeschleppt.

Am 20. März 1127 wurde den beiden Kaisern ihr Rang aberkannt, somit waren sie ganz gewöhnliche Menschen.

Beide wurden ins Exil getrieben und lebten von dem, was von ihrem Leben übriggeblieben war, unter schwierigen Bedingungen.

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