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Alte Kultivierungsgeschichten: Ein Mönch werden

Unter den Schülern Buddhas wurde Maha Kasyapa allgemein als Asket (eine Person, die materiellen Komfort ablehnt und ein Leben strenger Selbstdisziplin führt) angesehen. Seit seiner Kindheit bevorzugte er es allein zu sein und hielt sich von Menschenmassen fern. Er war außerordentlich aufgeweckt und selbstbewusst. Obwohl er in einer reichen Familie geboren war, hat er sich niemals ein luxuriöses Leben gegönnt.

Die Zeit verging im Fluge. Maha Kasyapa wuchs zu einem stattlichen jungen Mann heran. Wegen seines herausragenden Talents und seiner Erscheinung, bewunderten ihn viele junge Mädchen. Seine Eltern vergötterten ihn und wünschten sich, für ihn eine passende und schöne Braut zu finden. Doch als Maha Kasyapa dies bemerkte, lehnte er eine Heirat immer wieder ab. Das kam daher, weil er sich wirklich zu kultivieren wünschte und eine Frau für die Verwirklichung seiner Träume hinderlich wäre. Doch seine Eltern waren damit nicht einverstanden. Sie drängten ihn immer wieder, nun endlich zu heiraten und fingen an, auch ohne seine Zustimmung, nach einer Frau für ihn Ausschau zu halten.

Maha Kasyapa konnte sich nicht länger verweigern. Ihm kam ein Gedanke. Er malte ein Portrait mit dem Bildnis von einer jungen Frau, die er während seiner Sitzmeditation sah. Sie war außerordentlich schön, barmherzig und feierlich.

Er überreichte das Gemälde seinen Eltern und sagte: „Wenn Ihr wollt, dass ich heirate, dann findet die Frau auf diesem Gemälde. Andernfalls würde ich es vorziehen für immer allein zu leben.“

Seine Eltern fanden diese Bitte sehr schwierig, weshalb sie mit ihren Freunden darüber diskutierten. Dann verbreiteten sie die Neuigkeit unter all ihren Verwandten und Freunden, damit, wer auch immer etwas über dieses schöne Mädchen wusste oder hörte, einen Blick auf ihr Portrait werfen konnte.

Rein zufällig gab es in der Nachbarstadt eine reiche Familie mit einer wunderschönen Tochter namens Miaoxian. Als ihr Vater herausfand, dass das Bildnis in dem Portrait beinahe exakt seiner Tochter glich, sandte er eine Botschaft an die Eltern von Maha Kasyapa, in der er mitteilte, dass die junge Frau in dem Portrait, seine Tochter sei.

Die beiden Familien gingen sofort ein Engagement ein. Sobald der Heiratstermin festgelegt war, wurde die Braut in das Heim der Eltern des Bräutigams eskortiert. In der Hochzeitsnacht jedoch, runzelte die in Brokat gehüllte und mit Jade geschmückte, wunderschöne Braut missbilligend ihre Stirn. Maha Kasyapa, voller Sorge, schwieg ebenfalls.

Als schließlich der Morgen graute, brach Maha Kasyapa das Schweigen: „Bist Du wegen irgend etwas in Sorge?“

„Du hast mein Glück zerstört“, antwortete Miaoxian.

Maha Kasyapa war überrascht: „Liebst Du einen anderen?“

„Nein, Du hast meine Träume zerbrochen.“ Miaoxian brach in Tränen aus.
“Was habe ich denn getan? Erklär mir das doch, bitte“, flehte Maha Kasyapa.

„Ich wollte mich doch nur selbst kultivieren, die fünf Wünsche beseitigen und mich von der Quelle allen Leidens abwenden. Doch meinen Eltern lag das Glück Eurer Familie am Herzen. So wollten sie mich lieber gegen meinen Willen ruinieren“, sagte Miaoxian traurig.

Maha Kasyapa war überglücklich. Das ist der Wille des Himmels, er wollte ja auch nicht heiraten, doch seine Eltern zwangen ihn dazu. Er verstand ebenfalls, dass Wünsche, die Quelle aller menschlichen Leiden waren, deshalb verabscheute er die fünf Wünsche und wollte sich ungestört selbst kultivieren.

Sie beide beschlossen daher, ihrem Willen zu folgen. Dem Namen nach waren sie Ehemann und Ehefrau, doch in Wirklichkeit waren sie Kultivierungsweggefährten.

Schon bald entdeckten seine Eltern ein zusätzliches Bett in ihrem Schlafgemach. Sie befahlen den Dienern, dieses zu entfernen.

Maha Kasyapa sagte zu Miaoxian: „Sei nicht enttäuscht. Lasst uns doch abwechselnd schlafen und meditieren. Ist das nicht noch besser für das Praktizieren der Selbstkultivierung? Sie nötigen uns förmlich dazu, uns noch fleißiger zu kultivieren!“

Miaoxian war sehr glücklich, als sie dies vernahm. Dann folgten sie dem Vorschlag von Maha Kasyapa.

Eines Nachts schlief Miaoxian im Bett. Als Maha Kasyapa gerade seine Sitzmeditation beendet hatte, entdeckte er eine giftige Schlange, ganz nahe am Bett, Miaoxians Hand war ganz nahe bei der Schlange. Maha Kasyapa war sehr besorgt. Eilig umwickelte er seine Hand mit Tüchern, hielt vorsichtig ihre Hand hoch und legte sie auf das Bett zurück. Miaoxian erwachte. Sie war irritiert und fragte: „Was ist los?“ Nachdem Maha Kasyapa ihr alles erklärt hatte, war sie beruhigt und entschuldigte sich bei Maha Kasyapa, dass sie ihn missverstanden hatte.

Auf diese Weise verbrachten sie 12 Jahre zusammen, bis Maha Kasyapas Eltern starben.

Nach dem Tode seiner Eltern, sagte Maha Kasyapa zu Miaoxian: „Ich habe mich nun entschlossen, mein Heim zu verlassen und Mönch zu werden. Warte hier auf mich, ich werde zurückkommen und Dich holen, sobald ich einen weisen und fähigen Meister gefunden habe.“

Nachdem Maha Kasyapa sein Heim verlassen hatte, suchte er gewissenhaft nach einem Meister und traf auf Buddha Shakyamuni. Angezogen und inspiriert von der mächtigen Tugend des Buddhas, nahm er die Lehren des Buddhas an und bekehrte sich unter der Anweisung des Buddhas.

Doch in der frühen Sangha (Gemeinschaft) Buddhas, waren Frauen nicht zugelassen. Daher konnte Maha Kasyapa nicht heimkehren und Miaoxian holen.

Miaoxian wartete zu Hause auf eine Nachricht von ihrem Ehemann, doch eine Reihe von Jahren kam nichts von ihm. Resolut legte sie ihr Glück in andere Hände, wanderte am Ufer des Ganges und wurde Schülerin eines nicht-buddhistischen Meisters.

Später erlaubte der Buddha auch Schülerinnen und deshalb wurde eine Sangha für buddhistische Nonnen eingerichtet. Maha Kasyapa bekam die Erlaubnis des Buddhas und fand für Miaoxian einen Platz in der Sangha der Nonnen.

Doch ihre ungewöhnlich schöne Erscheinung löste bei anderen häufig Eifersucht und Tratsch aus. Miaoxian seufzte, weil sie eine Frau war und mied immer Menschenmassen, wenn sie ausging, um nach Almosen zu bitten. Doch auch so konnte sie nicht verhindern, dass andere über sie sprachen und Gerüchte verbreiteten. Sie fühlte sich sehr schuldig und hörte deshalb auf, um Almosen zu bitten.

Maha Kasyapa war sehr mitfühlend mit ihr und erhielt vom Buddha die Erlaubnis, täglich seine Nahrung mit ihr zu teilen.

Diese Sache löste eine andere Welle von Tratsch aus: „Es wird darüber gesprochen, dass sie in den 12 Jahren ihrer Ehe niemals zusammen geschlafen haben, aber jetzt, wo sie doch Mönch und Nonne sind, nachdem sie ihr Heim verlassen haben, haben sie immer noch eine persönliche Beziehung zueinander, während sie mit dem Praktizieren der Selbstkultivierung befasst sind.“

Dies kam auch Maha Kasyapa zu Ohren. Er war davon nicht berührt, doch um Miaoxian zu ermutigen, in ihrer Selbstkultivierung entschlossen voran zu kommen, hörte er auf, seine Nahrung mit ihr zu teilen oder sie zu sehen.

Nach diesem Nackenschlag wurde Miaoxian äußerst gewissenhaft beim Praktizieren der Selbstkultivierung. Sie schlief tage- und nächtelang nicht und praktizierte die Selbstkultivierung mit einer aufrichtigen Geisteshaltung. Sie kam noch entschlossener voran und gelangte schließlich durch Erleuchtung zur Vollendung.

Später rühmte Buddha sie und sagte: „Unter allen Nonnen ist Miaoxians Selbsterkennung die Beste.“
Menschen denken immer, Glück käme von der Befriedigung menschlicher Wünsche. Nach Ansicht derjenigen mit Weisheit, leiden diese Menschen in Wirklichkeit am meisten, weil der Wunsch die Ursache allen Leidens ist.

Wünsche loszulassen, ist der einzige Weg, wirklich frei zu werden.

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