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Geschichten aus dem alten China: Sein Schicksal durch Ansammeln von Tugend verändern

In den ersten Jahren der Ming Dynastie gab es einen Mann namens Zheng Xingr. Er war Diener im Haushalt eines Hofbeamten mit dem Nachnamen Wang. Zheng Xingr war sehr ehrlich und fleißig und sein Herr behandelte ihn gut. Eines Tages kam der berühmte Wahrsager, Yuan Shangbao, zu Wang. Als er Zheng Xingr gesehen hatte, sagte er zu Wang, dass es ihm Unglück bringen würde, wenn er ihn noch länger im Haus behielte. Mit schmerzlichem Bedauern sagte Wang zu seinem Diener, er solle das Haus verlassen und sich woanders seinen Lebensunterhalt verdienen. Nachdem Zheng Xingr gegangen war, wurde es in Wangs Haushalt tatsächlich friedlich.

Da Zheng Xingr nun keinen Platz zum Bleiben hatte, wohnte er eine zeitlang in einem alten Tempel. Als er eines Tages dorthin zurückkam, sah er ein Päckchen an der Mauer hängen. Er öffnete es und fand darin über 20 Liang Silber ( Liang war damals das Silbermaß). Als er sich nun gerade über sein unerwartetes Glück freuen wollte, dachte er: „Ich bin vom Schicksal dazu bestimmt, arm zu sein. Ich suchte ein Unterkommen bei Wang, wurde aber fortgejagt, weil ich ihm Unglück bringen sollte. Wie ist es möglich, dass ich so ein Glück habe? Außerdem braucht der Besitzer des Silbers, es sicherlich im Falle einer Notlage und hat es hier aus Versehen liegen gelassen. Dieses Silber könnte auch für mehrere Leben notwendig sein. Wenn ich es nähme, würde das meine Tugend schädigen. Ich warte lieber hier, dann kann ich es dem übergeben, der zurückkommt, um es zu suchen.“ Mit solchen Gedanken wartete er also auf den Eigentümer.

Es dauert nur bis zum nächsten Morgen, da kam ein ermüdet aussehender Mann und suchte das Silber. Zheng Xingr fragte ihn einiges und bemerkte, dass der Mann wirklich der Eigentümer des Silbers war. Da gab er es ihm zurück. Es stellte sich heraus, dass der Mann der Hausverwalter des Generals Zheng in der Präfektur von Hejian war. Er hatte Befehl, in der Hauptstadt etwas zu erledigen, aber er verlor das Silber aus Versehen. Der Hausverwalter wollte Zheng Xingr die Hälfte des Silbers abgeben der aber sagte: „Wenn ich hinter deinem Silber hergewesen wäre, hätte ich mir meinen Anteil herausgenommen, anstatt die Nacht hier auf dem stinkenden Bettbrett zuzubringen. Lass mich nicht meinem Gewissen untreu werden!“ Bei der Unterhaltung mit Zheng Xingr erfuhr der Hausverwalter von dem Elend, das er erlebt hatte. Da erkannte er, was für eine hohe Moral dieser Mann hatte. Da schlug der Hausverwalter ihm vor, mit ihm zu General Zhengs Haus zu kommen. Er hoffte, dort eine Arbeit für ihn zu finden. Da Zheng Xingr ja nirgends hingehen musste, begleitete er den Hausverwalter.

Als der General hörte, was geschehen war, freute er sich sehr. Von Zheng Xingrs Tugend beeindruckt und weil er sah, dass er ein ehrlicher Mensch mit einem großen Herzen war, wollte er ihn gern als Sohn adoptieren, denn er hatte keine eigenen Kinder. Zuerst wollte Zheng Xingr das nicht, weil er nicht mit so einem hochgestellten Menschen zu tun haben wollte. Aber General Zheng sagte: „Deine Tugend ist höher als die unserer Vorfahren. Wenn ich Dir zur Belohnung Geld geben würde, dann würdest du es nicht annehmen, weil du Moral für das Höchste hältst. Daher würde ich für undankbar angesehen werden, wenn ich dich nicht belohnen würde. Überdies haben wir beide den gleichen Nachnamen. Das ist doch wirklich eine schicksalhafte Verbindung, die uns vom Himmel auferlegt wurde. Ich fürchte, dass meine Stellung nicht einmal so hoch sein würde, wie die deine. Also weshalb willst du dich selbst als Außenseiter betrachten?“ Als er merkte, dass es undankbar sein würde, solches Entgegenkommen abzulehnen, stimmte Zheng Xingr schließlich zu.

Da er im Norden herangewachsen war, hatte Zheng Xingr als Kind gelernt, mit Pfeil und Bogen umzugehen und wie man Pferde reitet. Mit General Zhengs Unterstützung wurde er in einen ehrerbietenden militärischen Rang gehoben. Nach einem Jahr begleitete er General Zheng in die Hauptstadt. Er bekam richtig Heimweh, als er die vertraute Umgebung sah. Da er Wang dankbar war für die Freundlichkeit, mit der dieser ihn immer behandelt hatte, beschloss er, Wang zu besuchen.

Er zog Zivilkleidung an und ging zu Wangs Haus. Er sprach Wang genauso an, wie er ihn als sein Diener angesprochen hatte und befolgte die Gewohnheiten aus alten Tagen. Wang war sehr erstaunt, dass sein Besucher Zheng Xingr war und ihn besuchte. Er empfand Scham und Verlegenheit, als er daran dachte, was in der Vergangenheit passiert war. Sie lachten zusammen über den Wahrsager, sie meinten, es sei nur sein Name, der berühmt sei.

Als die beiden zu Abend aßen, kam ein Diener und sagte, dass der Wahrsager Yuan Shangbao zu einem Besuch angekommen sei. Wang und Zheng beschlossen, sich einen Scherz mit ihm zu erlauben. Da zog Zheng Xingr seine alten Kleider an und als Yuang Shangboa hereinkam, reichte er ihm achtungsvoll eine Tasse Tee. Als der Wahrsager ihn sah, war er sehr überrascht und fragte, wer der Mann sei, der ihm den Tee gereicht hatte. Wang sagte, es sei Zheng Xingr, der vor Jahren von dort vertrieben worden sei und der zurückgekommen sei, weil er keinen Platz fand, wo er bleiben konnte.

Yuan Shangboa lachte, als er das hörte und sagte: „Warum belügt Ihr mich? Lasst uns nicht über die Zukunft dieses Mannes sprechen, denn der ist inzwischen ein Militäroffizier mit goldenem Band geworden. Keinesfalls ist er noch dein Diener.“ Wang fragte: „Damals sagtest Du, dass er uns Unglück bringen würde und der ganzen Familie gleichfalls.“ Die Antwort war: „Ich irrte mich damit nicht. Nun aber hat dieses Gesicht viele Tugendfalten. Entweder hat er ein Leben gerettet oder er hat etwas Wertvolles an seinen richtigen Eigentümer zurückgegeben. Seine Gesichtszüge haben sich schon verändert. Es scheint so, dass er gute Taten an anderen Menschen begangen hat und für sie belohnt worden ist. Das ist der Grund, weswegen er eine berühmte Persönlichkeit in einer hohen Stellung geworden ist.“

Als Zheng Xingr diese Worte vernahm, sagte er: „Du bist ja wirklich ein Wahrsager!“ Dann erzählte er ihnen darüber, was im Tempel geschehen war. Jeder begriff plötzlich, dass der Grund für die große Wandlung in Zheng Xingrs Schicksal deshalb geschah, weil er selbstlos war und keine Habgier kannte, er mit Glück belohnt wurde, indem er das Silber zurückerstattete und auf diese Weise Tugend ansammelte. Später wurde Zheng Xingr General und seinen Kindern und Enkeln ging es auch gut durch seine Tugend. Das ist ein Beispiel, welches das alte Sprichwort bestätigt: „Das Gute wird mit Gutem belohnt.“

Durch gute Taten und Ansammeln von Tugend kann sich eines Menschen Schicksal bis zu einem gewissen Grade verändern. Menschen, die den Himmel und die Götter achten, begreifen den Grundsatz: „Unglück und Glück haben keine Grenzen, sondern werden von den Menschen selbst hervorgerufen; sowie, dass ´gutes Tun` mit Gutem belohnt wird und dass jene, die Böses tun, vom Bösen getroffen werden“, und wissen, dass alles vom Menschen selbst entschieden wird. Änderte sich Zheng Xingrs Schicksal nicht durch einen einzigen liebenswürdigen Gedanken? Und sicherlich wird sich das Schicksal eines Menschen, der darauf besteht, Böses zu tun, entsprechend verändern.

Warum können wir Menschen nicht mehr Gutes tun und Tugend anhäufen? Wir müssen begreifen, dass der Himmel einen Menschen niemals unfair behandelt.

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