Geschichten aus dem alten China: Bestechungen annehmen und ungesetzliche Handlung, ruinierten eine viel versprechende Zukunft

In alten Zeiten lebte ein Mann, namens Xu aus dem Bezirk Quzhou. Er hatte im Bezirk Xinyu die Stelle eines Assistenzmagistraten inne. Seine Vorgesetzten wiesen ihn an, in den Bezirk Luling zu gehen, um einen Fall zu prüfen. Es war Abenddämmerung, als er auf dem Platz, etwa zehn Meilen vom Bezirk Jian entfernt, eintraf. Als er sich überlegte, eine Übernachtung in einem nahe gelegenen Gasthof finden zu wollen, lud ihn ein reicher älterer Herr, der zufällig auch den Namen Xu hatte, in sein Haus ein. Der Reisende wurde von dem Mann mit überfließender Gastfreundschaft bewirtet. Er kochte für ihn Hammelfleisch und reichte ihm liebenswürdig Wein. Der Assistenzmagistrat dachte, der alten Mann sei ihm gegenüber deswegen so gutherzig, weil sie beide denselben Namen hatten und von einfacher Herkunft waren.

Am späten Abend sagte der alte Mann ruhig zu ihm: „Seit ich hier lebe, hatte ich niemals etwas mit einer der örtlichen Autoritäten zu tun. Letzte Nacht, sah ich in einem Traum, dass ein hoher Beamter an meiner Türe vorbeikommen werde. Der Mann, der den Weg für den Beamten frei machte, hielt ein Banner mit den Schriftzeichen „Xu Shilang“ (eine Person offiziellen Ranges, auf der Ebene eines stellvertretenden Ministers) darauf. Heute sind Sie hier und Ihr Name ist Xu. Sie werden ohne Zweifel in der Zukunft zum Shilang befördert und zu Reichtum und hohem Ansehen gelangen. Ich hoffe, ich kann eines Tages meine Nachkommen ihrer Fürsorge anvertrauen.“

Der Assistenzmagistrat Xu hatte die kaiserliche Prüfung in jungen Jahren bestanden. Er war voller Selbstvertrauen, mit herausragendem Talent und hatte viele offizielle Perspektiven. Nachdem der alte Mann sein Anliegen vorgetragen hatte, stimmte Xu fröhlich seiner Bitte zu. Er traf auch eine Verabredung, den alten Mann zu besuchen, nachdem er seine offiziellen Verpflichtungen im Bezirk Luling beendet hatte. Am nächsten Tag setzte er seine Reise fort.

Nach einem Monat hatte er seine Verpflichtungen im Bezirk Luling erledigt. Auf seinem Nachhauseweg, ging er direkt zu dem Haus des alten Mannes. Der alte Mann Xu hieß ihn wieder willkommen, doch die Höflichkeit und der Respekt, die er vordem bezeugt hatte, fehlten. Gerade bevor der Assistent wegging, sagte der alte Mann sehr ernst: „Könnte es sein, dass Sie etwas Falsches getan haben, als Sie im Bezirk Luling waren? Vorgestern hatte ich einen Traum, in welchem mir ein goldener Mann erzählte, dass Sie fünfhunderttausend Silbermünzen als Bestechung angenommen haben, das Gesetz gebrochen und dann eine Lüge erfanden, um jemand anzuschuldigen. Dadurch wird ihr Rang beschnitten und ihre Lebenszeit nicht mehr lange währen. Warum haben Sie sich nicht würdig verhalten? Warum haben Sie nicht gemäß meiner Erwartung gehandelt?“

Als der Assistenzmagistrat Xu dies hörte, war er ängstlich und zu beschämt, um irgendetwas zu äußern. Nachdem er wieder zu Hause war, wurde er angewiesen, in den Bezirk Lin’an zu gehen, um dort eine Stellung anzutreten. Nicht lange, nachdem er die neue Position innehatte, starb er in einem Gasthof, während seiner Reise.

Der Vater von Xu war ein Zwischenhändler von Reisverkäufern. Er folgte seinem Sohn überall hin, wo dieser stationiert war und oftmals animierte er seinen Sohn, unrechte Dinge zu tun. Der Fall im Bezirk Luling betraf einen reichen Mann, der einen anderen Mann tötete. Xu nahm von dem reichen Mann Schmiergelder an und beschuldigte dessen Diener, der für das Verbrechen angeklagt wurde. Dem Diener wurde nicht nur Unrecht angetan, sondern er wurde für ein Verbrechen, das er nicht begangen hatte, getötet. Dafür wurde Xu vom König der Hölle bestraft. Der Vater von Xu lebte noch, als Xu starb. Der zu Unrecht erworbene Reichtum löste sich schnell auf und er wurde wieder so arm, wie er es in seinen jungen Jahren gewesen war. Er wurde auch von allen verachtet. [Diese Geschichte bezieht sich auf den Sechsten Band von Yijianzhi, einem Buch aus der Südlichen Song Dynastie (1127-1279).]

Beamte sollten ehrlich und aufrichtig sein. Die Alten sagten: „Man wäre besser daran, in Gelddingen fair und ehrlich wie ein Beamter zu sein.“ [aus dem Buch Shuo Yuan, von Liu Xiang, einem Autoren in der Han Dynastie – 205 bis 25 v. Chr.] Lu Zuqian (Philosoph und Schriftsteller in der Südlichen Song Dynastie) sagte: „Beamte sollten ehrlich, umsichtig und gewissenhaft sein. Mit diesen drei Charaktermerkmalen, ist es nicht nötig, sich um den Ausgang Sorgen zu machen.“ Yue Fei (berühmter General in der Südlichen Song Dynastie) sagte: „Wenn Beamte nicht Reichtum begehren und Militäroffiziere das Töten unterlassen, wäre die Welt ein Ort des Friedens und der Ruhe.“ Das sind berühmte Aussagen. Assistenzmagistrat Xu nahm Schmiergelder an und eine unschuldige Person wurde getötet. Sein Vater brachte ihm bei, böse Taten zu verüben. Beide endeten mit einem schlimmen Schicksal. Die Himmlischen Prinzipien sind offensichtlich; es ist schwer sich seiner Verantwortung für eine Ungerechtigkeit zu entziehen. Früher oder später wird eine Person, die eine böse Handlung begeht, Vergeltung erleiden.

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