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Geschichten aus dem alten China: Der Hase und das Silber

Zur Zeit der Song-Dynastie (960-1279 n. Chr.) gab es in Pingjiang im alten China einen wohlhabenden Mann namens Jiang Balang (der achte Sohn). Im Laufe der Jahre geriet die Familie Jiang in finanzielle Schwierigkeiten und eine Menge Gläubiger, denen die Familie etwas schuldete, wartete tagtäglich vor Balangs Tür. Er hatte keine andere Wahl, als sich von seiner Frau zu trennen und sagte zu ihr: „Bitte geh zu deinen Eltern zurück. Ich werde versuchen, bei einem alten Freund in Xinzhou unterzukommen und hoffe, dass sich die Dinge ändern werden. Wenn ich Glück habe, dann werde ich zu dir zurückkommen.“ Bevor er aufbrach, schwor er zum Himmel: „Ich muss nun fortgehen, weil ich zu viele Schulden habe. Wenn die Dinge wieder besser laufen, werde ich wieder zurückkommen und all meine Schulden bezahlen.“

Auf der Hauptstraße nach Xinzhou gab es ein Gasthaus, das von einer alten Frau geführt wurde. Einen Tag bevor Balang am Gasthaus ankam, hatte die Frau einen Traum. In ihrem Traum sah sie eine große Herde Schafe. Als jemand versuchte, ein Schaf mitzunehmen, schimpfte eine Stimme: „Diese Schafe gehören zu Balang. Niemand darf sie mitnehmen!“ Am nächsten Tag kehrte Balang im Gasthaus ein, um nach dem Weg zu fragen. Die alte Frau erkundigte sich nach seinem Namen. Er antwortete: „Mein Nachname ist Jiang.“ „Welcher Sohn bist du unter deinen Geschwistern?“, fragte sie weiter. „Ich bin der achte Sohn“, antwortete Balang. Die alte Frau war sehr verwundert und bat ihn, für einige Zeit bei ihr im Gasthaus zu bleiben.

Einige Tage später erzählte sie: „Ich hatte einen Sohn, der bereits in jungen Jahren gestorben war. Meine Schwiegertochter wollte nicht noch einmal heiraten, weil sie sich um mich kümmern will. Ich habe bereits Ausschau nach einem bescheidenen Mann für sie gehalten, aber bislang keinen gefunden. Bei Ihnen scheint mir nicht vollkommen die Hoffnung verloren. Wollen Sie nicht meine Schwiegertochter zur Frau nehmen?“ Balang jedoch lehnte ihr Angebot ab: „Ich habe bereits eine Frau.“ Doch als die alte Frau ihn wiederholt darum bat und ihm seine Lage so hoffnungslos erschien, willigte er schließlich ein.

Als eines Tages Balangs Frau im Garten Gemüse erntete, sah sie einen weißen Hasen. Sie versuchte ihn zu fangen, aber der weiße Hase rannte fort. Sobald sie aufgab, blieb der weiße Hase plötzlich stehen und sobald sie erneut versuchte, ihn zu fangen, rannte er weiter. Das ging immer so weiter, bis sie schließlich in einer Höhle im Berg angekommen waren. Dort fand sie den Hasen nicht wieder, aber stattdessen einen glänzenden Stein. Sie nahm ihn mit nach Hause und zeigte ihn Balang. „Das ist ein Silberstein“, erkannte Balang. Nachdem er ihn etwas bearbeitet hatte, war es wirklich ein Stück Silber. Mit etwas Geld in der Hand machte er sich wieder auf den Weg, seinen alten Freund in Xinzhou zu besuchen. Doch konnte er diesen nicht finden und fuhr dann nach Hause zurück.

„Ich habe gehört, dass es in Xinzhou viele Silberminen gibt. Könnte es sein, dass die Höhle im Berg eine Silbermine ist?“, grübelte er. So ging er mit seiner Frau zur Höhle in den Berg und tatsächlich war es eine Silbermine. Balang wurde schließlich wieder reich. Danach fuhr er mit seiner Frau und der alten Frau nach Pingjiang zurück und löste sein Versprechen ein. Zuerst holte er seine erste Frau zurück und dann zahlte er all seinen Gläubigern die Schulden in doppelter Höhe zurück.

Aus Beichuangzhiguolu

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