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Epoch Times Deutschland: "Chinese Democracy" von Guns N' Roses

23.11.2008

Die Single bereits in 15 Ländern auf Platz 1 der Top Ten der i-tunes Charts – In den USA, Frankreich, Italien, den Niederlanden und der Schweiz.

Axl Rose 2006 in New York. (Rob Loud/Getty Images)

Sucht man im Internet nach dem an diesem Wochenende bei Geffen Records erscheinenden sechsten Studioalbum der amerikanischen Hardrockband Guns N' Roses „Chinese Democracy“, so werden im Online-Lexikon der Zeitschrift „Der Spiegel“ die Begriffe „Axl Rose“, „Guns N' Roses“ und „Aprilscherz“ angezeigt.

15 Jahre mussten die Fans warten seit der Veröffentlichung des letzten Albums der Band um Frontmann Axl Rose, die 1991 mit den zwei Alben „Use your Illusion I & II“ zu absolutem Weltruhm gelangt waren.

Eher würde China die Demokratie einführen, als dass „Chinese Democracy“ fertiggestellt werden würde, unkte es in den letzten Jahren aus der Musikszene. Für Dinge, die in scheinbar unerreichbar ferner Zeit liegen, wurde der Satz „Wenn Chinese Democracy veröffentlicht wird“, in der englischen Sprache zum Synonym.

Der amerikanische Cola-Hersteller Dr. Pepper ließ sich gar zu dem Versprechen hinreißen, dass er jedem amerikanischen Bürger ein Getränk spendieren würde, sollte das Album noch in diesem Jahr in den Plattenläden erscheinen. Hierzu richtete er eigens einen Gutscheinservice im Internet ein, den Axl Rose selbstbewusst ausfüllte und gleichzeitig die Veröffentlichung im November diesen Jahres bekanntgab. In der modernen Rockgeschichte ist dies die längste Zeit für die Entstehung eines Albums.

Was war geschehen?

1987 hatte die junge Rock and Roll-Band Guns N' Roses, benannt nach den Gründungsmitgliedern Tracii Gun und Axl Rose, ihren internationalen Durchbruch mit dem Album „Appetite for Destruction“. Der Name war Programm und die Band sorgte für Medienrummel als „letzte echte Rock and Roll-Band“ und enfant terrible des Rock.

Mit den Auskopplungen „Paradise City“ und „Sweet Child o´Mine“ wurden sie zu Meilensteinen der Rockgeschichte.

Drogenexzesse, Orgien und Schlägereien lieferten Stoff für skandalträchtige Schlagzeilen und das zweite Album der Band „G 'N RLies!“ nahm die Berichterstattung der Yellow Press auf, persiflierte sie und schloss an den Erfolg des Debutalbums an.

Axl Rose 2006 bei der MTV Video Music Awards – Show in New York, Radio City Music Hall. (Scott Gries/Getty Images)

Den absoluten Höhepunkt ihrer Karriere schafften „die Gunners“ mit den Alben „Use your Illusion I & II“ und mit etwas anderen Tönen. Ungewohnt episch und reflektierend widmete Axl Rose sich großen Themen: „Civil War“, „November rain“ und „Estranged“ prägte eine ganze Generation von Musikfans.

Beide Alben belegten Platz 1 und 2 der Billboard Charts und blieben für 108 Wochen darin. Über 100 Millionen Exemplare wurden laut Wikipedia insgesamt verkauft.

Der exzessive Lebensstil und eine mehrjährige Welttournee gingen jedoch nicht spurlos an den Bandmitgliedern vorüber. Nach etlichen internen Streitigkeiten zerfiel die Band Guns N' Roses Mitte der neunziger Jahre.

Ein halbherziges und mäßig erfolgreiches Album mit Coverversionen alter Punksongs unter dem Titel „The Spaghetti Incident?“ hinterließ Fragezeichen und war das letzte musikalische Zeichen für eine lange Zeit. Axl Rose sicherte sich die Rechte am Bandnamen und kündigte bereits 1994 an, es werde ein neues Album geben. Danach wurde es still um Guns N' Roses.

Im Mai 2000 veröffentlichte das Rolling Stone Magazin einen umfangreichen Artikel über Rose anläßlich eines überraschenden Auftrittes in Rio de Janeiro, auf dem er neues Material spielte und den Titel des neuen Albums bekanntgab: "Chinese Democracy".

Der Artikel berichtet über Axls Werdegang seit dem Auseinanderfallen der Band, über seinen Rückzug in seine Malibu-Villa und über seine Sinnsuche. Als Kind war Rose Opfer schweren sexuellen Missbrauchs und physischer Misshandlung durch den Vater ausgesetzt gewesen, einzig der Gesang im Kirchenchor und die Liebe zur Musik hielten ihn nach eigenen Aussagen am Leben.

Mit Hilfe von Therapeuten und im Kontakt zu Mitgliedern der New Age Szene versuchte er bereits zu Zeiten der „Use your Illusion“-Tournee seinem Leben auf die Spur zu kommen. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit beginnt er ein stilles zurückgezogenes Dasein, das er der Arbeit an seiner Musik und seiner Weiterentwicklung widmet.

Es mag in dieser Zeit gewesen sein, dass der reinkarnationsgläubige Axl durch den Film Kundun von Regisseur Martin Scorsese, der das Leben und die Lehre des ins Exil gedrängten tibetischen Führers, des Dalai Lama, dokumentiert, dazu inspiriert wurde, ein Lied über die chinesische Diktatur zu schreiben.

"Chinese Democracy"

Rose spielte das Lied erstmalig in einer Show in Las Vegas in 2001 mit dem einleitenden Satz „…momentan symbolisiert China eines der stärksten, gleichzeitig jedoch am aggressivsten unterdrückenden Länder der Welt.“ Das Lied „Chinese Democracy“ ist Eingangstrack des gleichnamigen Albums.

Über sphärischen Klängen und chinesischem Stimmengewirr baut eine gezupfte, cleane E-Gitarre langsam die Atmosphäre auf, bis sie von einem brachialen Riff Panzerschüssen gleichsam zerfetzt wird. Mit einem Schrei von Rose explodiert der Song vehement und brachial polternd los. Axl macht sich und seiner Meinung Luft. Und er bricht das Schweigen. Er bricht das Schweigen um die in China seit beinahe zehn Jahren verfolgte Meditationsbewegung Falun Gong.

Die Verfolgung von Falun Gong ist in China immer noch Realität, die Medien und Nachrichtenagenturen im Osten wie auch im Westen, haben sich größtenteils in Schweigen gehüllt. Axl Rose geht hier gewagte Schritte mit seiner Entscheidung, reale, aktuell unter den Nägeln brennende Inhalte zu verarbeiten mit dem Ziel, die Menschen in der Welt zu erreichen: „Blame it on the Falun Gong, they‘ve seen the end and you can‘t hold on now!“ Laut Reuters wird der Song dazu beitragen, dass einige Leute überrascht die Augenbrauen hochziehen.

Es wird gemunkelt, dass sowohl der Titel als auch das Stück selber unter anderem Grund für Verzögerungen des Veröffentlichungstermins gewesen seien. Laut Reuters ließ Geffen Records am letzten Freitag mitteilen, dass das Plattenlabel nicht mit einer Veröffentlichung des Albums in Festland China rechne. Augenscheinlich seien dafür Roses direkte Kritik an der chinesischen Führung und die Erwähnung von Falun Gong verantwortlich.

Das Booklet des Albums enthalte weiterhin das Gemälde „Red Star“ des Pekinger Künstlers Shi Lifeng, das die leidende chinesische Bevölkerung unter einer eisernen Faust zeigt. Die Webseite chinesedemocravy.com ist in China gesperrt.

Entgegen der Alben „Use your Illusion I & II“, die von der chinesischen Zensurbehörde zugelassen worden waren, enthalte das aktuelle Album „Chinese Democracy“ jedoch weder gewaltverherrlichende Textpassagen noch sexuell anzügliche Texte.

Der Erfolg gibt hingegen Axl Rose Recht, mit diesem aktuellen, politisch brisanten Thema nicht hinter dem Berg zu halten. Laut „diePresse.com“ landete die seit dem 11. November ausgekoppelte Single bereits in 15 Ländern auf Platz 1 der Top Ten der i-tunes Charts, darunter in den USA, Frankreich, Italien, den Niederlanden und der Schweiz.

Auch bei den weiteren Stücken bleibt das Album erfreulich gereift. Die brätzenden Gitarren sind inhaltlich motiviert und gut gesetzt. Die Themen und die Stimmung überwiegend versöhnlich. Seine Stärken hat das Album eindeutig bei den epischen, balladenhaften Stücken wie „Street of Dreams“, „Madagascar“, „Catcher in the Rye“ und „This I love“, das Roses 1996 an Krebs verstorbener Mutter gewidmet ist.

Etwas gewöhungsbedürftig und unerwartet sind mit Mainstream-Pop angereicherte Stücke wie „If the world“ oder das für das Computerspiel „Guitar Hero 2“ geschriebene „Shecklers Revenge“.

Ab dem 23. November wird „Chinese Democracy“ nach etlichen Verzögerungen und nunmehr 17 Jahre nach der Veröffentlichung eines Albums mit Originalkompositionen und 15 Jahre nach dem letzten Album der „Gunners“ in Deutschland im Handel erhältlich sein.

Das ganze Album kann man auf myspace.com kostenlos und legal probehören.

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