Share on facebook
Share on twitter
Share on telegram
Share on google
Share on email
Share on print

Geschichten aus dem alten China: Die Selbstlosigkeit von Bing Ji

Während der Herrschaft von Kaiser Wu in der Han Dynastie (206 v.Ch. bis 23 n.Ch.) wurde der Kronprinz dieser Zeit von seinen Feinden verleumdet und beschuldigt, den Kaiser stürzen zu wollen. Zur Zeit seiner Hinrichtung hatte der Kronprinz einen Enkel, der nur einige Monate alt war. Aufgrund dieser Tragödie verlor das Baby seine Familie, da sie auch zusammen mit dem Kronprinzen hingerichtet wurde.

Bing Ji war einer der Regierungsbeamten, die diesen Fall untersuchten. Er war ein sehr gutherziger Mann und mochte das Baby einfach aus dem Grund, dass er in so einem jungen Alter seine Eltern verloren hatte und niemand mehr für ihn sorgen konnte. Außerdem entdeckte Bing Ji bei seiner Untersuchung, dass der Kronprinz zu Unrecht bezichtigt worden war, den Kaiser zu Fall bringen zu wollen. Das ließ ihn nur noch mehr Trauer für das tragische Schicksal und Elend dieses unschuldigen Kindes empfinden.

Bing Ji suchte sorgfältig zwei ehrliche, gute und besonnene weibliche Gefangene aus, die Kindermädchen des Babys, des großen Enkels von Kaiser Wu, zu sein. Später berichtete jemand Kaiser Wu, dass er ein ungewöhnliches himmlisches Zeichen erhalten hatte, das vermuten ließ, dass ein zukünftiger Kaiser derzeit im Gefängnis von Chang An war [Anm.: Chang An war die Hauptstadt der Han Dynastie]. Kaiser Wu befahl umgehend die Hinrichtung aller Gefangenen im Gefängnis von Chang An, ungeachtet der Schwere ihrer Verbrechen. Als der königliche Bote mitten in der Nacht beim Gefängnis ankam, verriegelte Bing Ji das Haupttor des Gefängnisses und weigerte sich, ihn hereinzulassen.

Bing Ji erklärte: „Der große Enkel von Kaiser Wu ist hier. Ein unschuldiger Zivilist sollte nicht aus einem ungültigen Grund hingerichtet werden, ganz zu schweigen der große Enkel seiner Majestät." Bing Ji und der königliche Bote verharrten die ganze Nacht fest auf ihren Standpunkten. In der Morgendämmerung konnte der königliche Bote das Gefängnis immer noch nicht betreten, so dass er zu Kaiser Wu zurückkehren und berichten musste, dass Bing Ji sich geweigert hatte, dem Befehl des Kaisers Folge zu leisten. Als er das hörte, kam Kaiser Wu plötzlich wieder zu Sinnen und sagte: „Das muss der Wille des Himmels sein." Danach ließ er alle Gefangenen in China begnadigen. So hatten alle Gefangenen in Bing Jis Gefängnis überlebt.

Dann sagte Bing Ji den anderen für das Gefängnis verantwortlichen Regierungsbeamten, dass dies nicht der richtige Ort für den großen Enkel des Kaisers Wu wäre. Er schickte daher das Baby mit seiner Amme zum Bürgermeister der Hauptstadt. Leider weigerte sich der Bürgermeister, auf das Baby aufzupassen, und schickte es Bing Ji zurück. Später, als die Amme ihre Haftstrafe beendet hatte, wollte sich das Baby nicht von ihr trennen. Bing Ji bezahlte sie dann von seinem eigenen Geld, sich weiterhin um den Jungen zu kümmern. Als die Gemeindeverwaltung aufhörte, für den Unterhalt des Jungen aufzukommen, übernahm dies Bing Ji ebenfalls. Wegen der schlechten Lebensbedingungen im Gefängnis starb der Junge beinahe bei mehreren Anlässen an schwerwiegenden Krankheiten. Aber jedes Mal konnte Bing Ji sein Leben retten, indem er einen Arzt holte und die Amme darum bat, sich mehr um den Jungen zu kümmern.

Nach einer sehr langen Zeit hatte Bing Ji von mehreren verlässlichen Quellen herausfinden können, dass die Mutter und Brüder der Großmutter des Jungen noch am Leben waren. Mit großer Mühe schaffte es Bing Ji, Kontakt mit ihnen aufzunehmen und den Jungen erfolgreich zu seiner Familie zurückzubringen.

Viele Jahre später, als der Junge achtzehn oder neunzehn Jahre alt war, verstarb plötzlich der junge Kaiser, der Kaiser Wu auf den Thron gefolgt war und hinterließ keinen Erben. Bing Ji schickte eine Empfehlung an die höheren Behörden des königlichen Gerichts, den großen Enkel von Kaiser Wu als Kaiser einzusetzen. Der große Enkel von Kaiser Wu bestieg auf diese Weise den Thron. Aber er hatte keine Ahnung davon, dass Bing Ji ihm viele Male das Leben gerettet hatte. Er beförderte Bing Ji zum Marquis, weil er ihn für den Thron empfohlen hatte. Bing Ji hatte nie irgendjemandem davon erzählt, wie der dem Kaiser geholfen hatte, so dass niemand beim königlichen Gericht davon wusste.

Acht oder neun Jahre waren seit dem Tag vergangen, an dem der Kaiser den Thron bestiegen hatte. Eines Tages schickte eine Palastdienerin dem Kaiser einen Brief, in dem sie behauptete, einst die Amme des Kaisers gewesen zu sein. Der Kaiser befahl seinen Beamten die Wahrheit herauszufinden und entdeckte, dass er Bing Ji sein Leben schuldete.

Der Kaiser war von Bing Jis Selbstlosigkeit sehr gerührt, so dass er ihm sofort den Titel des Marquis von Bo Yang verlieh und sein Beamtengehalt erhöhte. Leider war Bing Ji sehr krank. Der Kaiser war darüber besorgt, dass Bing Ji sterben könnte, bevor er eine Chance hatte, seine endlose Gunst zurückzugeben. Der Lehrer des Kronprinzen sagte dem Kaiser: „Bing Ji wird bestimmt die Krankheit überstehen. Ich habe gehört, dass Menschen mit hoher Moral mit viel Glück belohnt werden. Sogar die Nachkommen dieser Person werden mit Tugend gesegnet sein. Bing Ji hat enorm viel Tugend gesammelt und ist dementsprechend noch nicht belohnt worden; deshalb wird er sich mit Sicherheit von der Krankheit erholen.“

Bing Ji hatte tatsächlich überlebt und wurde später zum Premierminister ernannt. Seine Nachkommen hatten alle den Titel des Marquis verliehen bekommen, bis die Han Dynastie ihrem Ende entgegen ging. Die Weisheit des Lehrers des Kronprinzen erwies sich als wahr.

Das Neueste

Archiv

Weitere Artikel zu diesem Thema