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Geschichten aus dem altem China: Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit – die Geschichte eines gutherzigen Mädchens

Diese Volkssage erzählt über ein gutherziges Mädchen, das vor etwa tausend Jahren in der Song Dynastie lebte. Das Mädchen war nicht nur arm, sondern auch gelähmt. Dazu hatte sie in jungem Alter beide Elternteile verloren und um zu Überleben, musste sie betteln gehen; sie war damit von der Hilfe der Dorfbewohner abhängig.

Am Rande des Dorfes floss ein Fluss, und die Dorfbewohner mussten durch das Wasser waten, wenn sie Holzfeuer sammeln oder das Land auf der anderen Seite des Flusses bewirtschaften wollten. In der Regenzeit war der Fluss oft nicht zu überqueren. Mit der Zeit gewöhnten sich die Dorfbewohner an den Umstand, doch das Mädchen hatte eine Idee.

Jeden Tag sammelte sie Steine in der Nähe auf und stapelte sie an der Uferböschung. Sie sagte, sie möchte dabei helfen, eine Steinbrücke zu bauen, so dass die Leute den Fluss leichter überqueren konnten. Am Anfang belächelten die Erwachsenen ihre Träumerei.

Doch mit der Zeit erkannten sie, dass der Steinberg wuchs. Sie änderten ihre Meinung und fingen an, dem kleinen Mädchen beim Sammeln der Steine zu helfen.

In kurzer Zeit wuchs der Steinberg am Ufer so hoch, dass die Dorfbewohner sich einen Brückenbauer zu Hilfe suchten. Das kleine Mädchen verbrachte ihre ganze Zeit damit beim Brückenbau zu helfen.

Als die Brücke fast fertig wurde, passierte ein Unfall. Die Steine brachen heraus, und das kleine Mädchen wurde von ihnen schwer verletzt. Zwar überlebte sie, doch wurde sie auf beiden Augen fast blind. Als das kleine Mädchen trotz allem mit aller Kraft, die sie hatte, mithalf, seufzten die Dorfbewohner über die himmlische Ungerechtigkeit, die das Mädchen getroffen hatte.

Bei der Feier zur Eröffnung der Brücke, bedauerten die Dorfbewohner das gute Kind, das obwohl arm, gelähmt und blind, alle zum Bau der Brücke inspiriert hatte. Das kleine Mädchen jedoch war gar nicht traurig. Sie lächelte vergnügt und freute sich sehr für die Dorfbewohner.

Es türmte sich ein Gewitter auf, so gewaltig, als ob es die neue Brücke wegwaschen wollte. Gefolgt von krachenden Donnerschlägen schlugen Blitze ein. Mehr geschockt als verblüfft waren die Feiernden, als sie sahen, dass das gutherzige kleine Mädchen von einem dieser Blitze tödlich getroffen worden war. Sie konnten es nicht fassen, warum der Himmel so grausam zu dem guten Mädchen war.

Der sehr angesehene Beamte und kaiserliche Richter, Bao Zheng, kam zufällig durch die Gegend. Die Dorfbewohner hielten ihn an und erzählten ihm die Geschichte über das gutherzige Mädchen. Sie fragten ihn, warum der Himmel so ungerecht sein kann? Der Beamte Bao Zheng fand darauf auch keine Antwort. In Trauer über diese Geschichte schrieb er die folgenden Worte nieder: Mach nichts Böses, mach nichts Gutes.

Nachdem er zum kaiserlichen Hof zurückkehrte, wollte der Kaiser ihn privat treffen. In der vorherigen Nacht war der Kaiser Vater eines neugeborenen Sohnes geworden, doch der weinte oft und niemand wusste warum. Bao schaute auf das Neugeborene und staunte über seine gesunde Haut. Als Bao sich die Hand des Neugeborenen anschaute, überraschte ihn, dass darauf zu lesen war: „Mach nichts Böses, Mach nichts Gutes“, dieselben Worte, die er nieder geschrieben hatte, nachdem ihm die Geschichte des kleinen Mädchens vorgetragen wurde. Sein Gesicht wurde kraftlos und erbleichte. Eilig versuchte er die Worte auf der Hand des Neugeborenen wegzuwischen; die Worte verschwanden allmählich.

Als der Kaiser sah, wie die Geburtszeichen auf der Hand seines Sohns verschwanden, war er sehr verärgert, weil er Angst hatte, dass Bao diese Glückszeichen gelöscht hatte. Bao erzählte dem Kaiser die Geschichte des kleinen Mädchens und dass seine Worte, die er eigenhändig niedergeschrieben hatte, der Grund dafür waren, warum er sich so unwohl fühlte. Der Kaiser war verwirrt und befahl Bao Zheng im Jenseits nach einer Erklärung dafür zu suchen.

Mit Hilfe eines Schamanen konnte der Beamte des Kaisers Bao das Jenseits aufsuchen. Der König des Jenseits erzählte im die Wahrheit. Dieses kleine Dorfmädchen kam von einer Seele, die vorher große Sünden begangen hatte, und die Götter arrangierten, dass diese Seele ihr Karma in drei Leben abzahlen musste: Das erste Leben musste sie in Armut, Einsamkeit und als gelähmte Person verbringen, das zweite Leben in Blindheit und im dritten Leben sollte sie durch einen Blitzschlag umkommen.

Das Mädchen war bei der Geburt gelähmt und arm, doch sie war so gutherzig zu anderen, dass die Gottheiten beschlossen ihre Rückzahlung auf zwei Leben zu verkürzen. Also wurde sie auch blind. Auch darüber beschwerte sich das kleine Mädchen nicht, sondern dachte weiterhin immer an die anderen. Also reduzierten die Gottheiten die Rückzahlung der Karmaschuld noch mal um ein Leben und ließen sie von einem Blitzschlag getroffen werden. Nun fragte der König des Jenseits den Beamten Bao: „Glaubst du nicht, dass es auch nicht gut ist, das Karma von drei Leben in einem einzigen zurückzuzahlen?“ So hatte die Seele genug Tugend angesammelt, um als Prinz wiedergeboren zu werden.

Der kaiserliche Richter Bao, dessen Aufgabe es war, für die Leute Gerechtigkeit zu wahren, hatte nun einen Sinn der Gerechtigkeit erfahren, den er nicht erklären konnte. Doch eines konnte er sicher, er konnte dem Kaiser eine gute Erklärung liefern.

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