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Geschichten aus dem alten China: Wei Gao

Wei Gao war ein hochgestellter Regierungsbeamter unter der Regierung von Kaiser De Zong (780 bis 802 n. Ch.) Als er jung war, reiste er nach Jiang Xia und blieb dort bei dem Gouverneur Jiang und dessen Familie. Der Gouverneur hatte einen Sohn, der hieß Jiang Jingbao. Dieser nannte Wei Gao seinen älteren Bruder, er behandelte ihn jedoch mit so viel Achtung und Höflichkeit, wie man sie sonst für die Väter-Generation bewahrte. Eine seiner Töchter war nur zehn Jahre alt, als Wei Gao zum ersten Mal dort ankam. Sie hieß Yu Xiao. Jingbao schickte sie aus, um auf Wei Gao zu warten und sie gehorchte fröhlich. Nach zwei Jahren schlug der Gouverneur Wei Gao vor, in die Hauptstadt zu reisen, um dort eine Regierungsstelle zu suchen. Aber seine Familie konnte sich die Kosten dafür nicht leisten. Bald danach ging Wei Gao aus dem Hause des Gouverneurs Jiang fort und ging zum Tou Tuo Tempel.

Danach schickte Jingbao seine Tochter Yu Xiao zum Tou Tuo Tempel, um auf Wei Gao zu warten. Als Yu Xiao in die Pubertät kam, fingen die beiden eine romantische Beziehung an. Während dessen bekam des Gouverneur Jiangs mitregierender Beamter, Chen Changshi, einen Brief von Wei Gaos Onkel. Darin stand:“ Mein Neffe Wei Gao hat lange in Eurer Präfektur gelebt. Wir hoffen ernsthaft, dass er nach Hause zurückkehrt und seine Eltern besucht.“ Als Chen Changshi das gelesen hatte, besorgte er die Gelder für die Reise und alles Nötige für Wei Gaos Heimreise. Weil Chen Changshi annahm, dass Wei Gao Yu Xiao nicht zurücklassen wollte, machte er Jingbao den Vorschlag, Yu Xiao davon abzuhalten, sich von Wei Gao zu verabschieden.

Sobald das Schiff ankam, um ihn abzuholen, drängte Chen Changshi den Kapitän, sofort abzulegen. Für Wei Gao war es hart, wegzufahren und er brach in Tränen aus. Während er noch einen Abschiedsbrief an Jingbao schrieb, bevor das Schiff ablegte, erschienen unerwartet Jingbao und Yu Xiao. Sie hatten sich beeilt, um sich von ihm verabschieden zu können. Wei Gao war gleichzeitig von Traurigkeit und Freude überwältigt. Jiangbao bat Yu Xiao, mit Wei Gao wegzufahren, es sei besser, als auf ihn zu warten. Aber Wei Gao war nicht sicher, wie lange er bei seinen Eltern bleiben müsse und wollte Yu Xiao nicht zu lange von ihrem Heimathaus wegnehmen. Darum entschied er, sie nicht mitzunehmen. Er versprach, dass er nach fünf oder sieben Jahren zurückkehren würde, um Yu Xiao zu heiraten. Als Pfand für sein Versprechen gab er ihr einen Jadering und ein Gedicht.

Als Wei Gao nach fünf Jahren nicht zurückkam, betete Yu Xiao besorgt um seine Rückkehr. Im Frühling des achten Jahres seufzte Yu Xiao und sagte: “Wei Gao ist für sieben Jahre fortgegangen, ich glaube nicht, dass er wieder zurückkommt.“ Dann hungerte sie sich zu Tode. Um Yu Xiaos Hingabe zu Wei Gao nicht vergessen zu lassen, begrub Jiangs Familie sie mit dem Jadering am Mittelfinger.

Später wurde Wei Gao zu einem mittleren Regierungsbeamten ernannt und bekam somit den Rang eines Edelmannes. Der Kaiser schickte ihn in eine strategisch wichtige Gegend im westlichen Shu (das ist die heutige Provinz Sichuan), die er verwalten sollte. Am dritten Tag nach seiner Ankunft auf dem neuen Posten, ließ er alle Gefangenen frei, um einige fehlerhafte Gerichtsverfahren oder Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen. Die Fälle von nahezu 300 Gefangenen aller Ränge wurden neu verhandelt. Einer der Gefangenen, der in schweren Ketten lag, murmelte: “Der Richter ist Bruder Wei.“ Dann rief er: "Richter! Richter! Erinnerst du dich an Jingbao aus der Jiang-Familie?“ Wei Gao antwortete: “Die Erinnerung ist noch ganz frisch in meinem Gedächtnis.“ „Ich bin Jingbao!“

Wei Gao sagte: “Für welches Verbrechen hat man dich beschuldigt und ins Gefängnis geworfen?“ Jingbao antwortete: “Nachdem du weggegangen warst, machte ich sehr schnell das Examen als Regierungsbeamte der Ming Jing Art und wurde zum Magistrat des Qing Cheng Bezirks ernannt. Meine Familie verbrannte aus Versehen, das ihr von der Regierung zugewiesene Haus und die offiziellen Siegel eines Warenlagers der Regierung. Sie machten mich dafür verantwortlich und sperrten mich ein.“ Wei Gao entschied: “Man sollte nicht dich für die Unfälle deiner Familie verantwortlich machen.“ Er entließ ihn sofort aus der Gefangenschaft und erneuerte sein Siegel als Bezirksmagistrat. Er berichtete dem Präfektur Gouverneur auch über die neue Entscheidung. Der Präfektur Gouverneur antwortete, Wei Gao möge Jingbao vorübergehend als Gast aufnehmen, ehe er in sein ursprüngliches Amt zurückkehren könne.

Wei Gao war außerordentlich stark mit aller Arten Wiederherstellungsarbeiten beschäftigt, da gerade der Krieg beendet worden war. So kam es, dass er keine Gelegenheit bekam, nach Yu Xiao zu fragen, bevor nicht sieben Monate vergangen waren. Jingbao erzählte ihm: “An dem Tag, an dem du fortgingst hast du versprochen, sie nach sieben Jahren zu heiraten. Aber du kamst nach sieben Jahren nicht zurück. Da hungerte sich Yu Xiao zu Tode. Bevor sie starb, hatte sie ein kleines Gedicht geschrieben, das hieß: Der Jadering als Geschenk. Darin stand: “Der Siskin-Vogel ist sieben Lenze lang nach dem Süden gezogen. Du ließest einen Jadering für eine schöne Frau zurück. Du schicktest mir keinen einzigen Brief durch den Yang Zi Fluß. Von dir zu träumen ist der einzige Trost, den ich für meine Liebeskrankheit habe.“ Als Wei Gao dies Gedicht gehört hatte, wurde er traurig und verfiel in tiefe Betrübnis.

Seither schrieb Wei Gao fleißig und umfassend Buddhistische Schriften ab und ließ die Buddhastatuen instandsetzen, um Yu Xiaos Hingabe zu ersetzen. Er dachte ständig an Yu Xiao und es tat ihm leid, dass er sie nicht wiedersehen konnte. Damals gab es einen Mann aus Zu Mountain, der mit den Toten Verbindung aufnehmen und die Verstorbenen vor ihrer Familie erscheinen lassen konnte. Er bat Wei Gao, für sieben Tage vegetarisch zu leben. In einer trüben Vollmondnacht, erschien Yu Xiaos Geist vor Wei Gao. Als er ihn sah, grüßte der ihn und sagte: “Ich danke dir für dein unermüdliches Abschreiben der Buddhaschriften und das Reparieren der Buddhastatuen. Ich werde in zehn Tagen als ein kleines Mädchen wiedergeboren. Nach sechzehn Jahren will ich wieder deine Geliebte sein um dir deine große Freundlichkeit zu belohnen.“ Bevor sie fortging, lächelte sie traurig und sagte:“ „Weil du mich vergessen hattest, sind wir nun in zwei verschiedenen Welten.“

Da Wei Gao ausgezeichnete Dienste für die westliche Provinz Gansu leistete, blieb er dort für über zwanzig Jahre unter des Kaiser De Zongs Regierung während der Tang Dynastie und verwaltete weiterhin das westliche Shu (die heutige Provinz Sichuan). Wegen seiner außergewöhnlich guten Arbeit wurde Wei Gao mehrfach befördert und erhielt so einen hohen Posten in der Regierung. Als er das westliche Shu verwaltete, gab es nicht eine einzige Region, die ihm nicht Treue versprach.

Einmal auf seiner Geburtstagsfeier bemerkte Wei Gao unter den Vortragenden eine
junge Sängerin. Sie mochte sechzehn Jahre alt sein und sie hieß auch Yu Xiao. Als er sie näher betrachtete, fand er, dass sie genauso aussah wie die Yu Xiao der Jiang-Familie. An ihrem Mittelfinger gab es ein ringförmiges Gewächs am Fingeransatz, das der Form des Jaderings ähnlich sah, den er vor vielen Jahren Yu Xiao gegeben hatte, bevor sie sich trennten.

Wei Gao seufzte aus tiefstem Herzen und sagte: “Endlich begreife ich, dass Leben Ankunft bedeutet und Tod Abschied. Nun weiß ich, warum Yu Xiao sagte, dass sie mich sechzehn Jahre später heiraten könnte.“

Fußnoten: Wei Gao war auch unter dem Namen Wei Chengwu bekannt. Er wurde in der Jing Zhao- Zeit geboren im Wan Jahr der Tang Dynastie. In den ersten Jahren der Zhen Yuan Zeit (785 nach Chr.) wurden die Konflikte zwischen den Minderheiten in der Südwest Region immer schlimmer, so dass Krieg ausbrach. Viele Städte und Gegenden der Region wurden erobert. Der Eroberer De Zong ernannte Wei Gao zum Regierungsbeamten über die Region Jian Nan Xi Chuan und beauftragte ihn, die Fehden zwischen den Minderheiten zu beenden. Wei Gao verwaltete die Region Shu erfolgreich.

Der Mönch Hai Tong vom Lin Yun Tempel errichtete ursprünglich die gigantische Buddhastatue von Le Shan während der ersten Jahre von Kai Yuan (713 nach Chr.) und während der Regierungszeit des Eroberers Xuan Zong. Während der 19 Jahre von Zhen Yuan (803 nach Chr.) und während der Regierung des Eroberers Xuan Zong hatte Wei Gao die riesige Buddhastatue vollendet. Sie benötigte im ganzen 90 Jahre zu ihrer Errichtung.

Wei Gaos Geschichte wurde in der Yuan Dynastie (1271 bis 1368 nach Chr.) das Objekt des modernen Musicals „Lady Yu Xiaos Heirat während zwei Lebenszeiten“) In der Zeit der Qing Dynastie (1644 bis 1911 nach Chr.) brachte eine Dichterin, Li Wen, die Geschichte in einem Gedicht in Erinnerung: “Was in ihrem Gemüt vorgeht, kann man nicht feststellen, Yu Xiao konnte nur träumen.“ Eine andere Dichterin, Qiu Jin, schrieb auch ein Gedicht zur Erinnerung an diese Geschichte: “Yu Xiao ist für immer davongegangen; Wei Gao wird grenzenlos melancholisch.“

Quelle: Eine Sammlung bizarrer Geschichten (oder Taiping Guangji auf Chinesisch)

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