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Geschichte aus dem alten China: Das Schicksal des Qiao Lin

Während des Winters im ersten Jahr der Tianbao-Periode (742-746 n. Chr.) der Tang Dynastie (618-907 n. Chr.) reiste Qiao Lin von Tai Yuan in die Hauptstadt, um an den Prüfungen der Regierung teilzunehmen. Als er in Daliang (heute Kaifeng, Provinz Henan) angekommen war, blieb er in einem Hotel. Damals herrschte kaltes Wetter und es schneite heftig. Sein Pferd erfror und seine Diener verließen ihn. Man erzählte ihm, dass Liu Yanzhuang aus dem Bezirk Xun Yiwei gerne neue Freundschaften schloß und ging zu ihm, um ihn um Hilfe zu bitten. Unter den Freunden von Yanzhuang gab es einen, der Shen Tusheng hieß, der großartige Vorhersagen machen konnte, wenn er einem ins Gesicht sah. Shen Tusheng behauptete, mehr als achtzig Jahre alt zu sein und er war außerordentlich stolz auf seine besondere Fähigkeit. Obgleich Lius Freunde und Gäste Berühmtheiten waren, hatte er sich nie vor ihnen verbeugt.

Als Qiao Lin ankam, war Shen Tusheng ihm über die Maßen gewogen. Shens unübliches Verhalten erstaunte Liu Yanzhuang. Er fragte ihn also: “Ich habe dich noch nie mit einem meiner Freunde oder Gäste sprechen gesehen, ob sie tugendhaft waren oder nicht. Qiao Lin hingegen ist ein Niemand. Wieso bist du so höflich zu ihm, wie sonst nie?“ Shen Tusheng antwortete: “Dieser Mann ist nicht irgend wer! Eines Tages wird er dein Vorgesetzter sein. Du solltest ihn freundlich behandeln, in späteren Jahren wird er dir deine heutige Höflichkeit belohnen. Ich bin deinetwegen freundlich zu ihm. Unglücklicherweise, wenn ich nach seinem Gesichtsausdruck urteile, gibt es dort Anzeichen, dass er eines Tages zu einem Rebellen wird. Sollte er ein hochrangiger Regierungsbeamter werden, würde er diesen Posten nicht länger als hundert Tage halten können. Außerdem wird er nach seinem siebzigstenJahr getötet werden. Vergiß bitte nicht, was ich dir heute gesagt habe!“

Liu Yanzhuang hörte auf Shen Tushengs Rat. Er unterhielt Qiao Lin für mehrere Tage und gab ihm ein Pferd und einen Wagen, so dass er sicher seine Reise nach Changán (der Hauptstadt Chinas während der Han und Tang Dynastie) fortsetzen konnte. Shen Tusheng machte sich auch zur Abreise bereit und vor seiner Abfahrt sagte er zu Liu Yanzhuang: “Jetzt habe ich dir deine Freundlichkeit und Huld zurückgezahlt. Jetzt wird es Zeit für uns, sich zu trennen.“ Nach Shen Tushengs Abreise blieb sein Aufenthaltsort unbekannt.

Qiao Lin wurde ein erfolgreicher Kandidat bei den höchsten kaiserlichen Prüfungen und zum Berater eines hochgestellten Regierungsbeamten berufen. Mitten in der Da Li- Periode (766-780 n. Chr.) wurde Qiao Lin zum Präfekten der Huai-Präfektur ernannt. Damals war Liu Yanzhuang der Befehlshaber der militärischen Trainingsverwaltung in der Huai Präfektur. Liu fällte ein ungerechtes Urteil in einem Prozess. Er verurteilte einen Angeklagten zur Todesstrafe. Nach dessen Vollstreckung beantragte die Familie bei dem Kaiser eine neue Gerichtsverhandlung. Der Kaiser erließ ein Verdikt, den Fall neu zu untersuchen. Als Qiao Lin bei der Huai-Präfektur ankam, erwirkte er einen Pardon für Liu Yanzhuang von dieser Beschuldigung eines fehlerhaften Gerichtsverfahrens.

In den frühen Jahren der Jian Zhong-Periode wurde Qiao zum Vize-Bezirkschef der Gesetzgebenden Behörde befördert, das ist eine der drei Zweige der Tang-Zentral Regierung. Dort diente er nur siebenundachtzig Tage, dann wurde er krank und gab seinen Posten auf. Später, als Zhu Ci anfing, gegen die Tang-Regierung zu rebellieren, war Qiao Lin schon ein buddhistischer Mönch geworden. Als aber Zhu Ci herausfand, wo sich Qiao Lin befand, zwang er ihn, einen Posten in seiner Regierung anzunehmen. Als die Rebellion unterdrückt war, erklärte Qiao Lin dem Tang-Kaiser, dass er gegen seinen Willen gezwungen worden war, der Rebellionsregierung anzugehören. Der höchste Offizier des kaiserlichen Hofes, Li Shengwei, bat den Kaiser, Qiao Lin zu begnadigen, aber der Kaiser verweigerte seine Bitte. Schließlich wurde Qiao Lin in seinem einundsiebzigsten Jahr hingerichtet.

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