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Geschichten aus dem alten China zeigen, wie man Tugend höher schätzte, als materielle Gewinne

Viele rechtschaffene Männer aus dem alten China stellten Tugend und Gerechtigkeit über materielle Gewinne. Sie legten wenig Wert auf das eigene Glück, aber waren anderen Menschen gegenüber immer hilfsbereit und gütig. Sie waren schon mit einem sehr bescheidenen Lebensstil zufrieden, versuchten aber bedingungslos gegenüber anderen Menschen ihr Bestes zu geben und halfen sogar auch Fremden.

Ni Shan war ein Mann, der in der Song Dynastie lebte (960-1279 A.D.) Er war im Bezirk Sha, der Fujian Provinz, beheimatet. Er war sehr intelligent und ein begeisterter Student. Es machte ihm Spaß, anderen Menschen zu helfen. Jedes Mal, wenn er sein Haus verließ, nahm er Geld mit. Wenn er einen verarmten oder hilfsbedürftigen Menschen traf, ließ er in dessen Wohnung Geld liegen. Es war für ihn einerlei, ob man seine wohltätigen Taten bemerkte oder nicht.

Immer wieder versuchte Ni Shan die Qualifikationsprüfung für das Amt eines Regierungsbeamten zu bestehen, aber leider schaffte er sie nicht. Manche Leute lachten ihn aus. „Du gibst den armen Leuten fast täglich Almosen. Warum besteht ein so rechtschaffener Mensch wie du die Prüfung nicht? Vielleicht ist Gott ja doch blind?“ Ni Sha ließ sich durch diese verächtlichen Bemerkungen nicht abhalten. So wie gewohnt, gab er weiterhin den bedürftigen Menschen Almosen.

Ein Jahr später kam eine Hungersnot über das Land. Die Menschen verhungerten auf der Straße. Ni Shan gründete eine öffentliche Küche, in der Reisbrei gekocht wurde, um hungrige Menschen versorgen zu können. Damit konnte er über 10 000 Menschen das Leben retten. Im folgenden Jahr nahm Ni Shan wieder an der Qualifikationsprüfung teil. Diesmal träumten viele Menschen in seiner Heimatstadt von einer bunten Fahne, die vor Ni Shans Haus mit der Inschrift hing: „Durch Verabreichung von Reisbrei an hungrige Menschen, große Tugend angehäuft.“ In jenem Jahr war Ni Shan der Beste bei der Qualifikationsprüfung und gewann dadurch den ersten Preis, später wurde er Mitglied des kaiserlichen Kabinetts.

Tan Yuanchun war eine literarische Größe in der Zeit der Ming Dynastie (1368-1644 A.D.) Auch sein Vater war schon ein sehr freundlicher Mann. Eines Tages wollte er einen Ausflug nach Xiangyang machen. Am Morgen, als er mit seinem Boot gerade wegsegeln wollte, hörte er vom Ufer Verzweiflungsschreie eines Mannes. Er ließ das Boot von seinem Kapitän ans Ufer zurücksegeln. Als er sich dem Mann näherte, fand er heraus, dass der Mann ein Arbeiter der lokalen Regierung war, der unglücklicherweise eine große Summe, die der Regierung gehörte, verloren hatte.

Dem Mann war es unmöglich, das verlorene Geld zurück zu zahlen, deshalb wollte er sich ertränken. Tan beruhigte ihn und sagte: „Dein Geld ist nicht verloren gegangen. Ich habe es gefunden.“ Er nahm ein Bündel Geld aus seiner Tasche und gab es dem Mann. Der Mann sagte: „Das ist nicht das Geld, das ich verloren habe. Ich kann doch nicht ihr Geld nehmen!“ Tan antwortete: „Du brauchst nichts dazu sagen, nimm einfach das Geld.“

Es gab noch einen anderen tugendhaften Mann namens Wen Zhengming, aus der Ming Dynastie. Einmal besuchte er einen wohlhabenden Freund und blieb als Gast in dessen schönem Wohnhaus. Eines Tages wurde Wen Zhengming von einem alten Freund, im Haus des reichen Mannes, besucht. Der Freund schaute sich im luxuriösen Wohnhaus um. Als er einen goldenen Weinbecher (welcher einem modernen Schwenkglas ähnlich ist) am Tisch entdeckte, nahm er ihn sofort an sich, versteckte ihn in seinem Ärmel und verließ fluchtartig das Haus. Wen Zhengming wusste, dass sein Freund den goldenen Becher gestohlen hatte.

Als Wen den Besitzer des Hauses traf, sagte er sofort zu ihm: „Ich benötigte Bargeld für einen Notfall und hatte keine Zeit, dich um Erlaubnis zu fragen. Ich sagte meinem Diener, er solle deinen goldenen Weinbecher nehmen und damit die Angelegenheit erledigen. Ich hoffe, es macht dir nichts aus, dass ich ihn, ohne dich vorher zu fragen, genommen habe.“ Der Besitzer wurde nicht ungehalten. Wen fügte hinzu: „Nenn mir bitte das Gewicht vom goldenen Becher, oder sag mir welchen Wert er hat. Wenn ich ihn in ein paar Tagen nicht vom Pfandhaus zurückbekomme, möchte ich ihn dir in bar bezahlen.“ Der Besitzer war einverstanden. Als Wen Zhengming nach Hause kam, musste er, um den Becher bezahlen zu können, eines seiner Grundstücke verkaufen. Nie erzählte er dem Besitzer, dass sein Freund den Becher gestohlen hatte.

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