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Geschichten aus dem alten China: Die tugendhafte und selbstlose Kaiserin Changsun

„Fähig, die Truppen in Kriegszeiten zu führen und fähig, in Friedenszeiten weise Ratschläge zu erteilen, verheiratet mit einem unübertroffenen Kaiser und tugendhafte Kaiserin.“ Das waren die Beschreibungen des Lebens der Kaiserin Changsun. Man sagte auch, dass der Kaiser Tang Taizong sich nicht nur auf sein königliches Kabinett verlassen konnte, sondern auch auf seine tugendhafte und liebenswürdige Kaiserin Changsun.

Kaiserin Changsun stammte aus einer aristokratischen Familie. In ihrer Kindheit erhielt sie eine traditionelle Erziehung. Dadurch wurde sie empfindsam, tugendhaft, höflich, ehrbar und der liebenswerte Mensch, als der sie bekannt war. Als sie noch klein war, sagte ein Wahrsager ihr voraus, dass sie "Schöpfungskraft und grenzenlose Tugend" in sich habe. Er sagte ihr auch, dass sie "dem natürlichen Lauf" folgen und "glücklich und erfolgreich" sein würde.

Changsun heiratete Li Shimin, den zweiten Sohn des Gouverneurs Li Yuan von Taiyuan, als sie 13 Jahre alt war. Obgleich sie noch so jung war, lebte sie doch nach der Ethik einer Frau, diente ihren Schwiegereltern ergeben, half ihrem Mann und erzog ihre Kinder. Sie war eine sehr gute Schwiegertochter.

Li Shimin (Tang Taizongs ursprünglicher Name) war jung, sehr begabt und ein Genie in Strategien und militärischer Taktik. Mit 18 Jahren rettete er seinen Vater aus einem schwer bewaffneten Feindeslager. Als er 20 war, zeigte er bereits königliche Manieren. Er war höflich und unterstützte Gelehrte. Er sparte kein Geld, um herausragende Menschen anzustellen. Mit 21 Jahren starteten er und sein Vater eine Militäraktion und eroberten die Hauptstadt Chang’an. Li Yuan erklärte sich selbst zum Kaiser Gauzu und gründete die neue Tang Dynastie.

Nachdem er sich zum Kaiser erklärt hatte, gab er Li Shimin den Titel Prinz von Qin und machte ihn zum militärischen Oberhaupt von Guangdong. Innerhalb weniger Jahre besiegte Li Shimin alle Rebellen und gründete ein vereintes China. Da machte ihn Kaiser Gauzu zum Kommandierenden von Tian-Ce, weil er das chinesische Kaiserreich sichern sollte. Changsun stand ihm zur Seite, besorgte alle seine täglichen Bedürfnisse, sodass Li Shimin sich ganz dem Kriegführen hingeben konnte.

In seinem neunten Regierungsjahr (626 n. Chr.) entsagte Kaiser Gauzu dem Kaiserthron und Li Shimin wurde der Kaiser Tang Taizong. Changsun wurde seine Kaiserin. Das erfüllte die Vorhersage von „Schöpferkraft in sich haben.“ Changsun war als Kaiserin nicht anmaßend. Sie blieb sehr bescheiden und tugendhaft. Sie achtete und diente höflich ihrem Schwiegervater, dem ehemaligen Kaiser. Jeden Morgen und jeden Abend erwies sie ihm ihre Achtung und sie erinnerte fortwährend die Palastdienerinnen daran, wie man für ihn sorgen solle. Sie war genauso, wie sich ursprünglich Schwiegertöchter gegenüber ihren Schwiegereltern verhalten haben. Sie zeigten ihnen große töchterliche Demut. Changsun war sehr nachsichtig und den kaiserlichen Konkubinen gegenüber entgegenkommend. Ihre hohe Tugend beeinflusste jeden Menschen im Palast in positiver Weise.

Deshalb konnte Kaiser Taizong sich ganz auf die staatlichen Angelegenheiten konzentrieren. Wenn Changsun auch aus einer sehr angesehenen, reichen und adeligen Familie stammte, so blieb sie doch sparsam und lebte ein bescheidenes Leben. Ihre Kleider und täglichen Bedürfnisse waren nicht anspruchsvoll und nicht teuer. Ihre Ernährung und ihr Lebensstil waren nicht aufwendig oder extravagant. So wurde ein bescheidener Lebensstil im Palast gelebt.

Kaiser Taizong schuldete ihr große Achtung, wegen ihres Anstandes und ihrer Tugend. Er besprach oft staatliche Angelegenheiten mit ihr und auch Einzelheiten von Belohnungen und Bestrafungen. Changsun hatte ihre eigenen Ansichten; aber sie mischte sich nie in wichtige staatliche Affären ein. Sie meinte, dass Männer und Frauen verschieden seien, also hätten sie auch verschiedene Pflichten. Wenn Taizong sie aufforderte, ihre Meinung zu sagen, antwortete sie erst nach sorgfältiger Überlegung: „Das sollte nur ein Vorschlag sein, dass wir in Friedenszeiten über Gefahren nachdenken und fähige Menschen heraussuchen sollten, die für verschiedene Ansichten offen sind. Etwas anderes kann ich nicht vorschlagen.“ Sie teile diese Grundsätze mit, weil sie die Zeit ihres kaiserlichen Gemahls nicht mit Einzelheiten belasten wollte. Sie vertraute sehr auf die Fähigkeiten von Li Shimins Assistenten.

Li Shimin dachte fest an die Worte seiner Frau: „Denke in Friedenszeiten an Gefahren und suche dir fähige Menschen aus, die für verschiedene Ansichten offen sind.“ Damals lebte das ganze Land in Frieden: Viele Militärbeamte vernachlässigten ihre kriegerischen Künste. In seiner geringen und kostbaren Zeit forderte Taizong sie auf, ihre Schießübungen zu machen. Es sah so aus, dass das nur aus Spaß geschähe; aber in Wirklichkeit war es die Art und Weise, ihr Können fleißig zu pflegen. Die Ergebnisse dieser Schießübungen, benutzte er als wichtige Voraussetzung für Beförderungen und Belohnungen.

Unter der Herrschaft vorhergehender Dynastien war es nur Palastwachen und wenigen besonderen Leuten erlaubt, im Palast Waffen zu tragen. Jemand erinnerte Taizong daran: „Diese Leute tragen Pfeil und Bogen bei sich, obgleich sie in Ihrer Nähe sitzen. Wenn nun jemand ein Komplott schmieden würde oder irgendeine Absicht hätte, Eurer Majestät zu schaden, das würde ein Unglück für die Nation bedeuten!“ Li Shimin antwortete: „Ich behandle die Menschen aufrichtig. Ich brauche ihnen nicht zu misstrauen.“ Er ernannte Menschen aufgrund ihrer Fähigkeiten in ihre Positionen und vertraute ihnen große Verantwortungen an. Das schätzten die militärischen und zivilen Beamten sehr. Es war für sie ein Grund, eifrig und aufmerksam zu sein, selbst in friedlichen Zeiten. Die Nation hatte für lange Zeit starke Soldaten und Pferde. Sie hatte keine Angst vor Bedrohungen von Außen.

Was das „Aussuchen von fähigen Menschen“ angeht, so brachte dieser Rat Taizong auch großen Vorteil. Er sagte oft zu seinen Assistenten: „Wenn ein Mann sein Gesicht sehen möchte, braucht er einen Spiegel. Ein König, der seine eigenen Fehler sehen will, muss Beamte benutzen, die ihn ehrlich kritisieren.“ Sein Hauptbeamter, Wei Zheng, war ein sehr ehrenwerter, freimütiger Mann von großer Rechtschaffenheit. Er zögerte nicht, Tang Taizong sein unangemessenes Verhalten und seine Politik deutlich zu machen und er drängte ihn, dies zu verbessern. Tang Taizong schätzte ihn sehr und nannte ihn „ehrlich kritisierender Beamter.“

Manchmal ließ Wei Zheng auch Kleinigkeiten nicht unbeachtet und dann fühlte sich Taizong verletzt. Einmal wollte er eine große Gruppe mit auf die Jagd nehmen. Als er gerade den Palast verließ, lief er Wei Zheng in die Arme. Als er vom Plan des Kaisers erfuhr, riet er Taizong sofort: „Wir sind jetzt im zweiten Frühjahrsmonat, überall sprießt es und die Tiere füttern ihre Jungen, daher ist das keine gute Zeit zum Jagen. Bitte, Majestät, kehren Sie in den Palast zurück!“ Taizong bestand aber auf die Jagd. Wei Zheng gab jedoch nicht auf, er stand mitten auf der Straße, um Taizong den Weg zu versperren. Taizong wurde ärgerlich, stieg vom Pferd und kehrte in den Palast zurück.

Als Taizong die Kaiserin Changsun sah, sagte er ärgerlich zu ihr: „Früher oder später werde ich diesen alten dickköpfigen Kerl töten!“ Man erzählte der Kaiserin den Grund für seinen Ärger. Sie sagte kein Wort und verließ das Zimmer. Sie kehrte in einem formellen Gewand zurück und gratulierte dem Kaiser Taizong. Der war verwirrt und fragte: „Warum gratulierst Du mir?“ Sie sagte: „Ich habe gehört, dass ein Beamter seine ehrenwerte Meinung nur dann äußert, wenn der Kaiser weise und offen gesinnt ist. Darum möchte ich Eurer Majestät gratulieren, dass Sie in ihrem Kabinett einen Mann haben, der keine Angst hat, Ihnen zu widersprechen, das ist nämlich der Beweis Eurer Offenherzigkeit.“ Als der Kaiser das hörte, erkannte er die Wahrheit dieser Worte und beruhigte sich. Das zeigt, dass Kaiserin Changsun nicht nur offen und nachsichtig sondern auch sehr weise war.

Kaiserin Changsun und Taizongs ältester Sohn Li Chengqian wurde in sehr jungen Jahren zum Kronprinzen gemacht. Sein Kindermädchen musste seine täglichen Ausgaben kontrollieren. Damals lebte man recht bescheiden im Palast, auch der Geldbeutel des Kronprinzen wurde sehr streng kontrolliert. Madam Suian klagte oft vor der Kaiserin: „Der Kronprinz wird der nächste Kaiser sein. Seine Ausgaben sollten doch selbstverständlich vom Land bezahlt werden. Aber jetzt sind seine Geldbeutelschnüre so festgezogen und um ihn herum ist alles so schäbig.“

Sie bat mehrfach darum, dass sein Taschengeld erhöht würde; aber die Kaiserin erleichterte die Regelungen nicht, gerade weil er ihr Lieblingssohn war. Sie meinte: „Wenn er Kaiser ist, liegt seine Zukunft vor ihm. Er sollte sich lieber Sorgen um seine Tugend machen und sich selbst einen Namen machen. Er sollte sich lieber keine Sorgen um seine Lebensweise und seine Ausgaben machen!“ Ihr Gerechtigkeitssinn und ihre Intelligenz wurde von vielen Menschen im Palast sehr geachtet.

Der Bruder der Kaiserin hieß Changsun Wuji. Er war sehr versiert auf militärischem Gebiet und in Zivilsachen. Schon als er noch jung war, war er ein guter Freund von Li Shimin. Er half diesem bei der Zusammenführung des ganzen Landes. Man schätzte ihn wegen seiner großen Leistungen. Er hätte eigentlich ein hochrangiger Beamter sein sollen. Da aber seine Schwester die Kaiserin war, versuchte er immer, hohe Posten zu vermeiden. Taizong wollte ihn zum Premierminister machen; aber die Kaiserin sagte: „Ich bin schon Kaiserin, das ist eine der höchsten Stellungen. Ich möchte wirklich nicht, dass mein Bruder ins Kabinett kommt. Dann wäre das wie ein Familienunternehmen. Das Verhalten der Kaiserin Lv der Han Dynastie sollte uns als Beispiel dienen, um keine Fehler zu machen. Wir sollten aus den Fehlern der anderen lernen.“

Tang Taizong wollte aber ihren Rat nicht annehmen. Er wollte Wuji wegen seiner Fähigkeiten und Leistungen ernennen. Er meinte, dass die Ernennung von Menschen sich nur nach deren Talenten richten sollte, die Verwandtschaft dürfte nicht zählen. Aber auch Wuji fühlte sich wegen der Verwandtschaft mit seiner Schwester nicht wohl und er wollte keine hohe Stellung haben. Als Ausweg gab ihm Taizong eine hohe Stellung, die aber keinerlei politische Macht hatte. Wuji wollte es immer noch nicht annehmen und begründete das so: „Ich bin ein Verwandter Ihrer Majestät. Wenn Sie mir eine hohe Stellung verschaffen, fürchte ich, dass die Menschen im ganzen Land sagen werden, dass Sie selbstsüchtig sind.“ Tang Taizong sagte: „Ich ernenne Beamte nur nach ihren Fähigkeiten. Wenn auch jemand mein Verwandter ist und er hat keine Fähigkeiten, so würde ich ihn nicht ernennen. Der König von Xiangyi Shengfu ist so ein Beispiel. Wenn er fähig ist, so würde ich auch dann von ihm Gebrauch machen, wenn wir Feinde wären. Was wir heute machen, wird nicht gemacht, weil Du mein Verwandter bist.“ Da nahm Changsun Wuji schließlich an.

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