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Alte Kultivierungsgeschichten: Dem Meer der Bitternis entkommen

Im alten Indien gab es ein sehr strenges Kastensystem, erzeugt durch die unterschiedliche Verteilung von Waren unter den Menschen. Die niedrigste und ärmste Kaste war die der Shoutuoluo, der „Unberührbaren“. Auf Menschen dieser Kaste schauten die anderen nur herunter. Die meisten von ihnen waren Sklaven oder Diener und mussten die härtesten und anstrengendsten Arbeiten machen, wobei sie oftmals auch misshandelt und geschmäht wurden.

In der Stadt Shewei gab es eine Person namens Niti, die zur Shoutuoluo Kaste gehörte. Seine Aufgabe war es, den Kot aus den Plumpsklos wegzuschaffen – eine Arbeit, die niemand anderes tun wollte. Er war sehr freundlich und aufrichtig und sagte selten mehr Worte, als notwendig waren.

Einmal meditierte Buddha und sah Niti. Er wusste, dass Nitis Karma zum größten Teil schon beseitigt worden war und es für Niti Zeit war, sich vom Meer der Bitternis in der Menschenwelt zu trennen. Also gingen Buddha und Anan (einer von Buddhas Jüngern) los, um Niti zu finden. Als sie zum Eingang einer Gasse kamen, kam in diesem Moment Niti mit einem Eimer voll Kot aus der Gasse heraus. Als er Buddha sah, wollte er wegen seiner niedrigen Kaste kehrt machen und dem Buddha entfliehen. Er wagte es nicht, Buddha von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Doch die Gasse war so eng, dass er nirgendwo einen Platz zum Verstecken fand. Er wurde nervös. Plötzlich zerbrach der Eimer und Niti war mit Kot beschmutzt. Er war so beschämt und verlegen, dass er nicht mehr wusste, was er tun sollte. Er senkte seinen Kopf so tief es ging und traute sich nicht den Buddha anzuschauen.

Der Buddha ging auf Niti zu und fragte ihn: „Niti, bist du bereit, ein Mönch zu werden? Willst du dem Meer der Bitternis entkommen?“

Niti war sehr verlegen und sagte: „Buddha ist großmütig und erhaben. Ihre Jünger sind alle Prinzen der noblen Klasse. Ich gehöre zur niedrigsten Kaste. Wie kann ich mit ihnen verglichen werden? Warum sollte ausgerechnet ich die Möglichkeit haben, dem Tempel beizutreten und so eine gute Zukunft zu haben und dem Meer der Bitternis zu entkommen?“

Der Buddha sagte: „Buddhas Gebot ist wie reines Wasser. Es kann den ganzen Schmutz wegwaschen. Egal, um was es sich in der Menschenwelt handelt. Wenn es mit dem reinen Wasser gewaschen ist, wird es sofort verändert. Buddhas Gebot ist wie das lodernde Feuer, das alles verbrennen kann. Egal was es ist, sobald es mit dem heiligen Feuer in Berührung kommt, wird es sofort sauber und rein. Buddhas Gebot ist das aufrichtigste und gerechteste Gebot. Es unterscheidet nicht zwischen Arm und Reich. Also jeder, der an Buddha glaubt und dem Schmerz entkommen will, sollte zum Tempel gehen und sich fleißig kultivieren.“

Die Worte des Buddhas berührten Niti sehr tief. Dann folgte er dem Buddha zum stillen Tempel in Ziyuan, er rasierte sich seinen Kopf und wurde ein Mönch. Er konzentrierte sich auf die Kultivierung und war sehr fleißig, so dass sich seine Ebene auf natürliche Weise sehr schnell erhöhte. Nachdem er den Vorträgen des Buddhas zuhörte und das Buddhagebot lernte und in Meditation saß, bekam Niti allmählich in seiner Weisheit eine Erleuchtung. Er verstand nicht nur das Buddhagebot, sondern er verhielt sich auch dementsprechend. Es dauerte nicht lange, bis er die Fruchtposition eines Arhats erreichte.

Lasst uns zurückblicken auf die Zeit, als Niti gerade ein Mönch wurde. Viele eingebildete Menschen in der Menschenwelt sind nicht glücklich. Sie denken: „Wie kann solch eine Person auf niedrigen Ebenen ein Mönch werden und die großzügigen Spenden der Menschen in Anspruch nehmen?“ Umso mehr sie darüber nachdachten, umso wütender wurden sie. Also meldeten sie Nitis Fall an den König und baten den König darum, dem Buddha zu sagen, dass er auf keinen Fall Niti als Schüler aufnehmen darf.
So nahm der König eine Kutsche und fuhr zum stillen Tempel in Ziyuan, um den Buddha danach zu fragen.

Die Kutsche kam an der Vorderseite des Einganges an. Der König musste aussteigen und durch einen kleinen Wald gehen. In diesem Moment sah er einen würdevollen, friedlichen Mönch auf einem großen Stein sitzen. Der König sagte höflich zu ihm: „Ich möchte gerne den Buddha sprechen. Würdet Ihr bitte so freundlich sein und es ihn wissen lassen?“ Der Mönch auf dem Stein war damit einverstanden und verschwand schnell in dem Stein. Bald kam er wieder zurück und sagte: „Der Buddha sagt, dass Ihr nun reingehen und ihn treffen könnt.“

Der König war erstaunt zu sehen, wie der Mönch einfach in den Stein, der weder Risse noch eine Öffnung hatte, rein und raus gehen konnte. Als er den Buddha traf und ihm Respekt erzeugte, fragte der König: „Buddha, der Mönch, der vor einer Weile mir die Nachricht überbracht hat, besitzt eine übernatürliche Kraft, die sehr selten zu sehen ist. Würdet Ihr mir vielleicht den ehrenvollen Namen von ihm verraten?
Der Buddha lächelte und sagte dem König, „Der Grund, warum Ihr heute zu mir kommt ist mich zu fragen, warum ich eine Person errette, den Ihr als Angehöriger der niedrigsten Kaste betrachtet. Ich errette Menschen, egal, ob sie reich oder arm sind. Ich betrachte sie alle als gleichwertig. Der Mönch, den Ihr gerade getroffen habt, ist Niti. Er hat bereits den Arhat Status erreicht. Er ist die Person, die Ihr gerade getroffen habt.

Als der König dies hörte, schämte er sich sehr.

Der Buddha fuhr fort: „Ob jemand arm oder reich, ehrenvoll oder niedrig ist, wird von seinem Karma bestimmt. Wenn man gutherzig, bescheiden, respektvoll zu den Älteren und beschützend gegenüber den Jüngeren ist, fähig ist seinen Verstand zu disziplinieren und die eigene Tugend wachsen zu lassen, wird diese Person in eine ehrenvolle hohe Klasse hineingeboren werden. Im Gegensatz dazu, wenn man brutal, bösartig und arrogant ist und sich versündigt, wird man ein armes und niedriges Schicksal erleiden.“
Dann fragte der König den Buddha: „Warum wurde Niti in so eine arme und niedrige Kaste hineingeboren?“

Der Buddha sprach: „In der Vergangenheit, nachdem Tathagata Dieye die Welt verließ, gab es unter seinen 100.000 Schülern einen Mönch, der sehr arrogant war und auf andere herabschaute. Im Alltag behandelte er andere Leute sehr unhöflich und hatte keinen Respekt vor ihnen. Er forderte andere auf, seine Arbeit zu erledigen. Manchmal, wenn er sich nicht wohl fühlte, stand er sehr spät auf und ging früh zu Bett. Er befahl anderen, seinen Raum zu säubern und zwang andere Mönche dazu, sein Botschafter zu sein. Vor den älteren Mönchen hatte er keinen Respekt. Aus diesem Grund musste er in den folgenden 500 Jahren Leben um Leben den menschlichen Kot wegräumen. Bis zu diesem Leben, in dem schließlich sein Karma beseitigt wurde und er Buddha traf, um errettet zu werden. Das geschah aber auch wegen seiner Schicksalsverbindung, die er knüpfte, als er ein Mönch wurde, um sich zu kultivieren.“

Nachdem der König jene Wörter des Buddhas vernommen hatte, lobte er die große Tugend des Buddhas. Das Buddhagebot ist unendlich barmherzig und hilft den Menschen dabei dem Meer der Bitternis zu entkommen.

Menschen, die andere tyrannisieren, keine Achtung vor ihnen haben und sogar grundlos verletzende Worte zu anderen sagen, werden schließlich dafür zurückzahlen müssen. Denkt an Niti, der 500 Jahre lang sein Karma zurückzahlen musste, nur weil er arrogant war!

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