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Geschichten aus dem alten China: Die Macht der Feder

Wang Zhongcheng war ein Einwohner von Yangzhou im alten China. Als er noch ein Kind war, starb sein Vater und seine Familie war arm. Wang schrieb Prozessakten, um für seine Mutter und auch sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Im Alter von 20 Jahren legte er eine Vorbereitungsprüfung ab, um sich für die kaiserliche Prüfung zu qualifizieren. Doch innerhalb eines Jahres fiel er hintereinander bei mehreren Prüfungen durch.

Am Neujahrsabend hatte er einen Traum, in welchem zwei schwarz gekleidete Männer ihn in eine prachtvolle offizielle Halle riefen. In der Mitte der Halle saß ein Kaiser auf einem Stuhl und zwei rot gekleidete Beamte an seiner Seite hielten ein langes Papier, auf dem viele Namen aufgelistet waren. Der Kaiser schrieb mit einem Schreibpinsel auf der Liste. Als er mit Schreiben fertig war, rief einer der rot gekleideten Beamten Wang mit Namen auf, einzutreten.

Wang trat in die Halle ein und kniete auf den Boden. Er bemerkte, dass der Kaiser einen Gesichtsausdruck wie auf einem Begräbnis hatte. Der Kaiser warf ihm ein Buch zu und sagte, er solle es lesen. Wang sah seinen Namen in dem Buch und auf den Namen folgend, sagte es aus, dass er vorgesehen sei, die kaiserliche Prüfung zu machen und auch noch verschiedene weitere Prüfungen. Er war dafür vorgesehen, ein Mitglied der Hanlin Akademie (ein kaiserliches Institut für Spitzenschüler) zu werden und letztendlich ein Gouverneur. Doch weil er im Auftrag von anderen Menschen, gegen sein eigenes Gewissen, betrügerische Prozessakten geschrieben hatte, waren alle zukünftigen Erfolge ausgelöscht worden.

Nachdem er sein Urteil gelesen hatte, klopfte der Kaiser heftig auf den Tisch und fragte: „Hast Du das gelesen?“ Wang machte wiederholt Kotau, wobei er um Vergebung bat. Der Kaiser sagte: „In Anbetracht dessen, dass Du Deiner Mutter ein guter Sohn bist, werde ich Dir Dein Glück zurückgeben, wenn Du dein Verhalten augenblicklich korrigierst. Wenn Du weiterhin schlechte Taten vollbringst, werde ich Dein Leben nehmen!“ Dann sagte der Kaiser zu den beiden schwarzgekleideten Männer, dass sie Wang Zhongcheng hinaus weisen sollten.

Einer der schwarzgekleideten Männer sagte zu Wang: „Des Kaisers Urteilsspruch bezieht sich in diesem Fall auf die kaiserliche Prüfung des nächsten Jahres. Wenn Du Deinen Fehler gut machst und Dich darauf konzentrierst, gute Taten zu vollbringen, wirst Du das Examen mit besten Noten bestehen. Vergiss die Empfehlung des Kaisers nicht.“ Dann gab er Wang einen Stoß und Wang wachte plötzlich auf.

Alles in diesem Traum war so lebendig, dass er es nicht vergessen konnte. Er dachte: „Ich bin ein armer Mann, mit nur geringfügigen Mitteln, um anderen zu helfen. Wenn ich meine Praxis, Prozessakten zu schreiben aufgebe, was könnte ich sonst tun, um meine Sünden zu begleichen?“ Nach einer schlaflosen Nacht, hatte er einen plötzlichen Einfall: „Ja, betrügerisches Schreiben kann töten, warum dann nicht meine Schreibfertigkeiten nutzen, um Leben zu retten? Wenn ich meine Kenntnisse in entgegen gesetzter Weise anwende, werden sich die göttlichen Wesen um mich kümmern.“

Von diesem Tag an würde er, wenn er einen Klienten mit einem Fall sah, versuchen den Konflikt außergerichtlich zu lösen. Jenen ohne eine gute Begründung, würde er seine Meinung anbieten und sie auffordern, ihre Fälle zurückzuziehen. Jenen, mit guten Begründungen, die aber unfähig waren, ihre Argumente nachhaltig darzulegen, würde er in ihrem Auftrag geschickt gute Argumente schreiben und ihnen helfen, Gerechtigkeit zu erlangen.

Nachdem er nahezu ein Jahr lang sich auf diese Weise bemüht hatte, schaffte er in der Tat, den ersten Platz in der nächsten kaiserlichen Prüfung und erhielt ein monatliches Regierungsstipendium. Dies ermutigte ihn außerordentlich und er arbeitete noch intensiver für andere.

Eine junge Witwe, die in der Nachbarschaft von Herrn Wang lebte, war schwanger mit dem Kind ihres verstorbenen Mannes. Die Verwandten der Familie ihres verstorbenen Mannes klagten sie fälschlicherweise an, dass ihre Schwangerschaft das Ergebnis einer außerehelichen Affäre sei. Sie wünschten nicht, dass die Abstammungslinie der Familie verschandelt werde. Die Verwandten forderten vom Gericht, sie in die Wohnung ihrer Eltern zurückzuschicken und sie lehnten es ab, ihr irgendetwas von dem Eigentum ihres Mannes zu überlassen. Diese Drohungen erschreckte die Familie der Frau und sie trauten sich nicht, für sie zu sprechen. Unter diesen beschämenden Umständen, erhielt die Frau von keiner Seite Sympathien. Sie weinte Tag und Nacht und drohte damit, Selbstmord zu begehen.

Ein Nachbar erzählte Wang von der Zwangslage der Frau. Nach eingehender Untersuchung war Wang überzeugt, dass die Frau eine loyale Ehefrau war. Er besuchte ihre Eltern und half ihnen ein Bittgesuch zu schreiben. Dann ermutigte er die Mutter der Frau, vor Gericht zu gehen. Die Brüder der Frau waren sehr widerwillig, dies zu tun, doch er ermutigte sie, das Richtige für ihre Schwester zu tun. Schließlich waren alle von Wangs reinem Herzen berührt und sie fassten genügend Mut, dem Richter das Bittgesuch zu übergeben.

Wang Zhongcheng berief dann ein Treffen ein, lud seine Klassenkameraden und andere einflussreiche Leute der Stadt ein. Er trug ihnen vor, dass der Bezirksgouverneur am ersten Tag des Monats am Wenmiao Tempel öffentlich die Stellungnahme des Kaisers verlesen werde und er schlug vor, die Gruppe sollte den Fall der Frau zu dieser Zeit dem Bezirksgouverneur zur Behandlung vortragen. Ein Mann sagte, dass dieser Fall mit ihm nichts zu tun habe und er war nicht bereit, sich damit zu befassen. Herr Wang sagte: „Dieser Fall beinhaltet den Schutz des Ansehens einer Frau und die Interessen eines Kindes. Es hat zu tun mit den Prinzipien von Tugend und Gerechtigkeit. Jeder, der ein Buch liest und die Prinzipien versteht, sollte diese als seine behandeln. Wir tragen diesen Fall nicht aus Eigeninteresse vor. Dies ist keine Missachtung der Obrigkeiten. Wenn der Gouverneur uns tadelt, werde ich die volle Verantwortung übernehmen.“ Alle waren von seiner Aufrichtigkeit berührt und sagten ihre Unterstützung zu.

Als der Bezirksgouverneur zum Wenmiao Tempel kam, übergab die Gruppe ihren Brief und bat ihn um Nachprüfung. Der Gouverneur war ein guter Beamter mit einem klaren Verstand. Nachdem er ihn gelesen hatte, sagte er: „Dies ist eine Sache der Ehre und Würde von Menschen. Ich lade hier alle dazu ein, die Fakten sorgfältig zu untersuchen. Wenn die Familie ihres Mannes sie vorsätzlich verleumdete, müssen wir sie in Übereinstimmung mit dem Gesetz bestrafen. Doch ich lege nahe, dass Eure Untersuchung auf Fakten beruhen muss, so dass Ihr Euch nicht selbst in noch mehr Schwierigkeiten bringt.“ Herr Wang erhob sich und erläuterte dem Gouverneur seine Untersuchung. Er trug den Fall mit klarer Logik und Fakten vor. Der Gouverneur war beeindruckt von seiner Präsentation und lobte ihn.

Nach einigen Tagen hatte das Gericht eine Anhörung in diesem Fall. Unter intensiver Befragung waren die Familienangehörigen des Mannes sprachlos und gaben schließlich zu, dass sie die Frau fälschlicherweise verleumdet hätten. Der Fall wurde abgeschlossen und das Ansehen der Frau wieder hergestellt. Die Frau bat ihre Eltern, Herr Wang 100 Goldmünzen zu geben, doch dieser lehnte es ab, das Geld anzunehmen. Als die Familie darauf bestand, wurde Herr Wang schließlich ärgerlich: „Denken Sie, ich mache das für Geld?“ er war sehr unerbittlich in Bezug auf das Nichtannehmen des Geldes. Schließlich nahm die Familie der Frau das Geld wieder an sich und ging weg.

Am Neujahrsabend, sah Herr Wang in seinem Traum wieder die gleichen zwei Männer in Schwarz. Sie brachten ihn wieder an denselben Platz, wie im Jahr zuvor. Mit glücklicher Stimme sagte der Kaiser zu ihm: „Ich schätze Deine rasche Handlung, Deine Sünden zu korrigieren, hoch. Ich habe Dir Deine wissenschaftliche Anerkennung bereits zurückgegeben. Ursprünglich warst Du vorgesehen, im nächsten Jahr bei der kaiserlichen Prüfung eine sehr hohe Punktzahl zu bekommen. Doch Deine Bemühungen, die Frau und ihr Kind zu retten, haben die Gottheiten im Himmel bewegt, so wirst Du die Prüfung schon ein Jahr früher bestanden haben. Du solltest damit fortfahren, gute Taten zu vollbringen und darin nicht nachlassen. Du wirst eine glänzende Zukunft haben.“ Und wieder machte Wang Kotau, um dem Kaiser zu danken.

In dieser Welt gibt es außer zu Schreiben, viel mehr Aktivitäten, die man einsetzen kann, um Menschen zu retten. Wenn man mehr Menschen rettet, wird dies mehr Glück für einen selbst bringen. Das ist völlig gerechtfertigt. In Wirklichkeit, jeder, ohne Betrachtung seines sozialen Status, Jobs oder Umfeldes, kann sich entscheiden, ein guter Mensch zu sein. Anderen zu helfen, wenn sie es nötig haben, Ressourcen weise zu nutzen und Gerechtigkeit aufrechtzuerhalten sind richtige Dinge, die jeder tun kann.

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