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Geschichten aus dem alten China: Des alten Meisters Empfehlung

Ein alter Meister nahm seinen jungen Schüler mit, um vom Berg herunterzusteigen und einige Besorgungen zu machen. Sie stießen auf eine alte Dame, die beinahe vor Hunger zu sterben drohte.

Der alte Meister nahm einige Trockenfrüchte und Silbermünzen und überreichte sie der alten Dame. Der Schüler war nicht so geneigt, sich von etwas zu trennen. Der alte Meister versuchte ihn zu erleuchten und sagte: „Leben und Tod und Tugend existieren nur in unseren Gedanken. Diese Nahrung und Silbermünzen dienen uns dazu, um vorübergehend am Leben zu bleiben. Jedoch sie können ihr Leben retten.“ Sein Schüler schien etwas davon zu begreifen und entgegnete respektvoll: „Ich werde Ihre Lehren in Erinnerung behalten. Wenn ich einmal einen großen Tempel bauen kann, werde ich jenen in Armut helfen.“ Der alte Meister hörte seine Worte und schüttelte den Kopf.

Einige Jahre später, als der alte Meister im Sterben lag, gab er seinem Schüler ein Buch, bevor er seinen letzten Satz zu Ende bringen konnte.

Der junge Schüler war ganz fähig und fuhr damit fort, den Tempel zu vergrößern. Er dachte, dass er nach Fertigstellung des Tempels, den Unterweisungen des alten Meisters folgen und mehr arme Menschen retten würde. Als der Tempel fertig gestellt war und ganz respektabel aussah, dachte er: „Vielleicht sollte ich damit warten, um den Tempel noch größer und besser hinzubekommen, bevor ich diesen armen Leuten helfe.“

Die Zeit verstrich. Es vergingen einige Jahrzehnte und der Tempel veränderte sich von einem heruntergekommenen Platz zu einem prächtig aussehenden Tempel. Der Schüler jedoch war so beschäftigt mit dem Tempelausbau, dass er versäumte, auch nur ein gutes Werk zu vollbringen.

Bevor er starb, erinnerte er sich an das Buch, das der alte Meister ihm einst gegeben hatte. Er schlug das Buch auf und fand darin diese vom alten Meister geschriebenen Worte auf der Titelseite:

“Jemandem einmal zu helfen ist besser, als die Schriften zehn Jahre lang zu rezitieren.”

Eigentlich brauchen wir nicht zu warten, bis wir ausreichende Fähigkeiten haben, bevor wir anderen helfen. Wir sollten uns daran erinnern, dass eine helfende Hand zur rechten Zeit, viel wichtiger ist. Ein helfendes Herz ist natürlich und kommt aus unserem wahren Selbst. Wartet jemand darauf, bis er die ausreichenden Mittel und Fähigkeiten hat, versucht er nur, sein ´Nichtwollen` zu vertuschen.

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