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Eine Geschichte der Reinkarnation: Schulden eintreiben

Die Geschichte ereignete sich am Ende der Ming-Dynastie (1368-1644) und am Anfang der Qing-Dynastie (1644-1911) in China. Das Dorf Wujiadian war Duzende von Kilometer entfernt von der Stadt Peking. In dem Dorf lebte eine große reiche Familie, deren Familienoberhaupt als „Qian Yuanwai“ angesprochen wurde (Anrede für einen reichen Mann im alten China). Einen Kilometer entfernt wohnte ein Bauer mit dem Familienamen Li und als „Li Laoer“ von den Menschen angesprochen wurde, was „Zweiter alter Li“ bedeutete. Weil er etwas von Maurerarbeit verstand, half er oft Qian Yuanwai bei Mauerarbeiten aus und bekam jedes Mal von dem reichen Mann ein üppiges Gehalt. Nach und nach entwickelte sich zwischen ihm und Qian Yuanwai eine enge Beziehung, auch beide Familien pflegten engen Kontakt. Qian Yuanwai nannte Li Laoer „Junger Bruder Li“, während Qian Yuanwai als “Älterer Bruder Qian” von Li angesprochen wurde.

In einem Jahr musste die ganze Familie Qians nach Südchina fahren, um etwas zu erledigen, so dass es ein paar Monate dauern würde. Qian Yuanwai hatte Li Laoer zu sich gebeten und sagte ihm: “Junger Bruder Li, da wir einen guten Kontakt haben, habe ich eine Bitte an dich. Ich weiß nicht, ob du damit einverstanden bist?“ Li Laoer sagte: „Älterer Bruder Qian, nur heraus mit der Sprache. Wenn ich dir helfen kann, stehe ich dir bestimmt zu jeder Zeit mit allen Kräften zur Verfügung.“ Qian Yuanwai erzählte: „Ich habe guten Schnaps. Ich mache mir nun Gedanken, wenn wir fort sind, werden die Bewacher des Hauses den Schnaps insgeheim trinken. Darf ich den Schnaps bei dir aufbewahren?“ Li Laoer antwortete: „Selbstverständlich! Das ist ja eine Kleinigkeit, ich hatte mir etwas viel Wichtigeres vorgestellt. Mach dir keine Gedanken! Wenn du zurückkommst, gebe ich dir alles zurück, ohne es zu anzurühren.“

Dann hatte Qian Yuanwai 30 Weinkrüge, die vorher gut zugemacht waren, Familie Li bringen gelassen. Li Laoer hatte alle Weinkrüge im Westzimmer, das sonst leer stand, aufgehoben und zugeschlossen.

Schnell waren zwei Monate vorbeigegangen, ohne etwas von Familie Qian zu erfahren.

Eines Tages erinnerte sich Li Laoer an den guten Schnaps, den er für Qian Yuanwai aufhob. Er schloss das Zimmer auf und merkte, dass alle 30 Weinkrüge mit braunem Packpapier eingepackt waren. Auf den Deckeln stand das große Wort „Schnaps“ auf rotem Papier. Li Laoer hob einen Weinkrug hoch und roch daran, stellte aber keinen Geruch fest. Er dachte, egal wie dicht ein Weinkrug verschlossen wird, es muss immer nach Schnaps riechen. Er schüttelte den Krug mit beiden Händen, hörte aber keine Flüssigkeitsgeräusche. Aus Neugier öffnete er den Krug und staunte nicht schlecht, denn der Inhalt war kein Schnaps, sondern weiße Silberstücke.

Daraufhin macht er die anderen Krüge ebenfalls auf. Er zählte insgesamt 3000 liang (1 liang = 50 g) Silber. Reichtum der vom Himmel gefallen war. Er sah sich gierig die Silberstücke an, sein Herz war sehr erregt. Er beschäftigte sich damit, einen Grund auszudenken, um das Silber für sich zu behalten. Schließlich hatte er eine gemeine Idee. Er kaufte guten Schnaps ein, füllte ihn in die Krüge und versiegelte alles wie vorher. Die 3000 Liang Silber wurden in seinem Keller eingegraben. Nach einigen Monaten war Qian Yuanwai nach Hause gekommen und Li Laoer hatte die 30 Krüge Schnaps Familie Qian hingebracht.

Sobald Li Laoer gegangen war, hat Qian Yuanwai die Krüge aufgemacht. Die Silberstücken waren schon in Schnaps verwandelt. Es war ihm klar, dass die Ersparnis seines ganzen Leben Li Laoer in Besitz genommen hatte. Er wollte zum Gericht gehen, um gegen Li Laoer zu klagen, aber als er nochmals darüber nachdachte, erinnerte er sich, dass er damals Li Laoer gebeten hatte, Schnaps für ihn aufzuheben und es war Schnaps, der zurückgebracht wurde. Er musste diese bittere Pille schlucken, ohne klagen zu können. Qian Yuanwai war wirklich sauer und kochte vor Wut. Es hatte nicht länger als ein halbes Jahr gedauert, da war Qian Yuanwai an Depression gestorben.

Auch nach dem Tod von Qian Yuanwai war niemand zu Li Laoer gekommen, um die Schulden einzutreiben. Daraufhin hatte sich Li Laoer mit dem Silber Qian Yuanwais ein Stück Ackerland gekauft und ein großes Haus mit einem großem Hof gebaut. Außerdem hatte er sich noch einige Frauen als Nebenfrauen genommen. So hatte sich die Lage des ehemaligen armen Maurers grundlegend verändert. Bei der Familie, die früher aus Armut sehr wenig Kontakt zu anderen Menschen hatte, wimmelte es jetzt von Besuchern.

Eines Tages erwartete eine seiner Nebenfrauen ein Baby. Seine Frau und die anderen Nebenfrauen hatten kein Kind geboren. Aber als diese Nebenfrau ihm bald ein Kind zur Welt brachte, wie könnte er sich nicht darauf freuen? Es wäre nicht schön, wenn eine reiche große Familie keine Nachkommen hätte. An diesem Tag hatte er plötzlich einen Traum. Er saß gerade in einem Zimmer, um seinen Tee zu trinken. Die Tür wurde plötzlich aufgemacht und ein Mann kam von draußen herein. Li Laoer sah ihn sich genau an, es war Herr Qian Yuanwai. Auf einer Schulter trug er eine Schultergurt an dessen beiden Enden jeweils ein länglicher Beutel hing. Fröhlich sagte er Herrn Li Laoer: „Ich bin hierher gekommen, um die Schulden einzutreiben.“ Vor Schreck war Li Laoer aus dem Traum aufgewacht und schweißgebadet.

In diesem Moment kam ein Dienstmädchen herein und sagte: „Herzlichen Glückwunsch! Herr Li, Sie haben einen ganz tollen Jungen bekommen.“

Es war eigentlich eine erfreuliche Nachricht für ihn, aber als Herr Li Laoer sich an den Traum erinnerte, fühlte er sich unwohl. Er musste immer daran denken und glaubte, dass der Traum einen Zusammenhang mit dem Neugeborenen hatte, deshalb warf er ein wachsames Auge auf den Sohn. Doch der Sohn war pietätvoll und gehorsam. Als das Kind zur Schule gehen sollte, hatte Li Laoer einige Lehrer als Privatlehrer eingestellt, um das Kind zu Hause zu unterrichten. Das Kind kam wirklich gut mit dem Lernen zu recht und vergaß nicht, was es gelernt hatte. Die angestellten Lehrer schätzten den Jungen sehr und meinten, aus dem Kind könnte ein hoher Beamter werden. Mit der Zeit hat Li Laoer seinen Traum des Schuldeneintreibens vergessen.

Als der Sohn 18 Jahre alt war, musste er in die Hauptstadt Peking fahren, um an einer staatlichen Prüfung teilzunehmen. In der Tat hatte der Sohn die Prüfung gut bestanden und bekam den Titel Beamter von der 7. Stufe des Staates. Aus diesem Anlass wurde bei Familie Li richtig gefeiert. Es wurden viele rote Laternen aufgehängt und viele Freunde und Verwandte zur Feier eingeladen. Beim Essen schlug ein Gast Li Laoer vor: „Zurzeit ist es üblich, einen Beamtentitel zu kaufen. In meinen Augen fehlt es dir nicht an Geld. Wäre es nicht gut, wenn du mit etwas Geld für den Sohn einen höheren Amtstitel kaufst? Wenn du damit einverstanden bist, kann ich dir jemanden vermitteln.“ Alle Anwesenden fanden, dass es eine gute Idee sei.

Li Laoer dachte darüber nach, wenn der Sohn, sein einziges Kind, nur die Amtsstelle von Stufe 7 bekommen kann, wäre das nicht zu schade für seine musische Begabung? Es wäre besser, wenn er ein höherer Beamter durch den Kauf des Titels sein könnte. Deshalb gab Li Laoer viel Geld aus, um dem Sohn einen höheren Beamtentitel zu kaufen. Einige Monate später hatte der Kanzler, der eine große Summe Geld bekam, den jungen Li zur 4. Stufe des staatlichen Beamten befördert. Das war wieder eine große Freude für die Familie, um großartig zu feiern. Nachdem der Sohn befördert wurde, folgten die Heiratsvermittler einer nach dem anderen. Aber der Sohn war mit keinem zufrieden. Er hatte selbst ein Fräulein aus einer reichen Familie als künftige Frau in Augenschein genommen.

Deswegen musste Li Laoer viel Geld bezahlen, um einen Heiratsmittler anzustellen. Die reiche Familie war endlich mit der Eheschließung einverstanden, aber sie wollte unbedingt ein sehr teueres Verlobungsgeschenk haben. Li Laoer hatte die Zähne zusammengebissen und alle Wünsche erfüllt, die Sache war endlich erledigt.

Der Termin für die Hochzeitsfeier wurde am 5. des nächsten Monats vereinbart. Der Tag nähert sich, in ein paar Tagen würde der Sohn heiratet sein. Aus Freude hatte Li Laoer an einem Abend ein Bisschen mehr getrunken, war anschließend ins Bett gegangen und hatte geschlafen. Der Traum, den er vor 18 Jahren gehabt hatte, erschien wieder vor ihm: Herr Qian Yuanwai sagte ihm mit einem Lächeln: “Die Schulden, die du bei mir hattest, habe ich 18 Jahre lang eingetrieben. Außerdem habe ich noch einige Zinsen kassiert.“ Danach hatte er mit Zufriedenheit auf den Schultergurt geklopft, der früher leer war und jetzt voll geworden ist. Qian Yuanwai setzte dann seine Rede fort: „Da die Schulden ausgeglichen sind, muss ich jetzt fortgehen.“ Li Laoer war plötzlich aus dem Traum erwacht. In diesem Moment kam ein Diener in aller Eile hereingelaufen und sagte: „Mein Herr, es ist etwas Schreckliches passiert! Mein Herrchen ist krank. Gehen Sie bitte schnell hin!“

Li Laoer rannte sofort in das Zimmer des Sohnes und sah, dass sein geliebter Sohn schon gestorben war. Li Laoer setzte sich auf den Boden, ihm war plötzlich alles klar. Tatsache ist, Qian Yuanwai wurde als sein Sohn wiedergeboren, um bei ihm die Schulden einzutreiben.

Er erinnerte sich daran, dass er für den Sohn seit der Geburt für die Anstellung der Lehrer, für das Studium, für die staatliche Prüfung, für den Kauf des hohen Beamtentitels, für die Verlobung und für die Eheschließung mindestens 30 000 liang Silber ausgegeben hatte. Kein Wunder, dass Qian Yuanwai beim Abschied noch sagte, dass er auch noch einige Zinsen kassiert habe.

Von da an hatte sich die Lage Li Laoers völlig geändert. Er hatte alles verloren, war arm wie ein Bettler und wanderte täglich auf der Straße. Dabei erzählte er jedem, den er traf, seine Vergangenheit, wie er Geld betrogen und einen Menschen ruiniert hatte. So wollte er die Menschen warnen, keine Übeltaten und Ungerechtigkeiten zu begehen, sonst musste man auf die eine oder andere Weise seine Schulden begleichen. Die Menschen aber glaubten, dass Li Laoer verrückt geworden war. …

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