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Wetzlarer Neue Zeitung, 31.01.2003 (D): Mit Kunst für die Menschenrechte

(eck). Wer die Galerie „ArtExclusive“ am Eisenmarkt in der Wetzlarer Altstadt betritt, dem eröffnen sich Einblicke in eine fremde Kultur. Unter dem Titel „Barmherzigkeit“ sind noch bis zum 2. Februar die Werke der chinesischen Künstlerin Zhang Cuiying ausgestellt, die sich der traditionellen chinesischen Malerei widmet.

Wetzlar. An den weißen Wänden der Galerie hängen lange Rollen Reispapiers, bedeckt mit kunstvollen Zeichnungen aus Tusche und Wasserfarbe. „Die Arbeit an einem Bild kann Wochen oder sogar Monate dauern“, erklärt Galerist Misak Ajunts. „Es wird mit unglaublich präzisen Pinselstrichen und Punkten gearbeitet.“

Neben Motiven aus der chinesischen Pflanzen- und Tierwelt sind Themen aus alten Mythen und der Philosophie dargestellt. Texte in chinesischen Schriftzeichen am Rand geben Hinweise auf das Thema, erlauben aber auch Eigeninterpretationen.

„Die chinesische Malerei hat sehr viel mit der Stimmung zu tun, in der man sich befindet“, bemerkt Zhang. „Ein gutes Bild kann man nur malen, wenn man ausgewogen und heiter ist. Der innere Frieden ist sehr wichtig.“

Die 40-jährige Malerin praktiziert Falun Gong, eine in der Volksrepublik China sehr weit verbreitete Meditationstechnik, die seit drei Jahren vom chinesischen Regime systematisch verfolgt wird. Zhang Cuiying verbrachte aus diesem Grund acht Monate in Haft. Sie bekam nie eine Verhandlung und wurde gefoltert. Erst auf Druck der australischen Regierung – sie besitzt seit 1996 die australische Staatsbürgerschaft – kam sie im November 2000 frei.

„China ist die Nummer eins in Menschenrechtsverletzungen, sowohl quantitative als auch qualitativ“, erläutert Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). „Dort wird systematisch mit dem Wissen oberster Stellen gefoltert.“ Er hofft, durch die Ausstellung der chinesischen Künstlerin auf die menschenunwürdigen Zustände in der Volkesrepublik aufmerksam zu machen.

Zhang Cuiying: „Meine Kunst hilft mir, meine Erlebnisse aus der Haft zu verarbeiten. Malen ist mein Leben.“

Die Ausstellung ist heute von 11 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 15 und Sonntag 12 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt frei.

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