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Miss Kanada: „Ich hoffe die Menschen sehen Mut und Hoffnung in dieser Angelegenheit“

Anastasia Lin, Miss Kanada, wurde die Einreise nach China verwehrt. Dadurch konnte sie am 19. Dezember 2015 nicht an dem weltweiten Schönheitswettbewerb in Sanya, China teilnehmen.

Diese Situation hat die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen. CNN, Associated Press, die Zeitungen Wall Street Journal, Times, New York Times und viele andere berichteten darüber. Lin sagte, dass sie an der Einreise nach China gehindert worden sei, weil sie Falun Gong praktiziert und die Menschen über die Verfolgung in China informiere.

Als sie gefragt wurde, warum man ihr ein Visum verweigert habe, sagte sie: „Um mich daran zu hindern, chinesisches Hoheitsgebiet zu betreten. Ich glaube das ist es, was sie versuchen zu tun. Ich kann wirklich nicht verstehen, woher diese Unsicherheit kommt.“

Lin sagte der Associated Press, dass Menschen sich nicht von der Macht der kommunistischen Partei einschüchtern lassen sollten. „Ich glaube das ist der wirkliche Schaden, wenn Menschen das sehen und eine negative Lektion daraus ziehen. Ich hoffe die Menschen sehen Mut und Hoffnung in dieser Angelegenheit, nicht einfach nur die Ablehnung.“

Anastasia Lin erhielt am 16. Mai 2015 den Titel der Miss Kanada.

„Zweckgebundene Schönheit“

Lin, 25, wurde in China geboren und wanderte im Alter von 13 Jahren nach Kanada aus. Sie hat an der Universität von Toronto einen Abschluss im Hauptfach Theaterwissenschaften gemacht und auch noch Geschichte und Politik studiert. Als Schauspielerin spielte sie bereits Rollen in Filmen über Menschenrechtsverletzungen in China, unter anderem über die Verfolgung von Falun Gong.

Nachdem sie Anfang des Jahres den Titel Miss Kanada 2015 in Vancouver gewann, sollte sie zusammen mit Teilnehmerinnen aus über 110 Nationen an dem Schönheitswettbewerb in Sanya teilnehmen. Chinesische Beamte schickten ihr jedoch nicht die entsprechenden Papiere, die sie beantragt hatte. Also stieg Lin in ein Flugzeug nach Hongkong, wo kanadische Bürger üblicherweise Lande-Visa erhalten.

Doch nachdem ein Beamter ihre Identität überprüft hatte, sagte er zu Lin, dass sie keine Berechtigung für ein Visum habe. Warum erklärte er ihr jedoch nicht.

Unter Berufung auf das Ethos der zweckgebundenen Schönheit erklärte Lin, dass dies der Grund sei, warum sie an dem Miss-World-Wettbewerb teilgenommen habe. Entschlossen, eine Stimme für die Sprachlosen zu sein, will sie sich für Menschenrechte einsetzen und Kanada helfen, universelle Werte zu unterstützen.

„Ich möchte den Menschen zeigen, dass wir uns keiner Tyrannei beugen sollten. Obwohl ich nicht nach Sanya gehen kann, denke ich, dass ich mein Ziel erreicht habe.“

Wovor haben die chinesischen Behörden Angst?

Lin war nicht die Erste auf der schwarzen Liste. Mehrere bekannte Schauspieler waren auch schon einmal als Persona non grata gehandelt worden, unter anderem Brad Pitt, Christian Bale, Harrison Ford und Richard Gere. Das stand am 27. November in einem Artikel auf der ersten Seite der New York Times mit dem Titel „China sperrt Anastasia Lin, Miss Kanada (und Menschenrechtskämpferin) aus“[1]. Doch solche Reaktionen lassen zunehmend ernsthafte Bedenken aufkommen. „Wenn sie anfangen Schönheitsköniginnen zu zensieren – wie erbärmlich ist das?“, sagte Lin während eines Interviews in Hongkong.

Neben ihrem Auftreten in Filmen, hat Lin auch an Foren teilgenommen, bei denen es um Menschenrechte ging. So z.B. bei einer Anhörung im Juli dieses Jahres, die von der Congressional Executive Commission on China (CECC) [2] abgehalten wurde. Dort sagte sie aus, dass in China mindestens 3.800 Falun Gong-Praktizierende in Polizeigewahrsam durch Folter ihr Leben verloren haben. Viele Praktizierende wurden auch Opfer des Organraubs.

Lin nimmt am 23. Juli 2015 an der Anhörung der CECC [2] teil und spricht über Menschenrechtsthemen in China.

Ihr aktuellster Film, The Bleeding Edge, der von den Regisseuren des Peabody preisgekrönten Films Human Harvest [3] stammt, ist ein Thriller der sich auf wirkliche Lebensereignisse bezieht. Lin spielt darin eine Falun Gong-Praktizierende. Der Film soll im Jahr 2016 veröffentlicht werden.

Auf einem Forum am 8. September im Parlament von Taiwan betonte Lin die Ernsthaftigkeit der Unterdrückung in China. „Eine große Anzahl von unschuldigen Praktizierenden wurde wegen ihres Glaubens festgenommen und eingesperrt.“ Sie hofft dass noch mehr Regierungsbeamte dieser Sache Aufmerksamkeit schenken und die chinesische Regierung dazu drängen, mit der Verfolgung aufzuhören.

Nun sind schon mehr als 16 Jahre vergangen seit Jiang Zemin 1999 die Verfolgung von Falun Gong begann. Über 221 Millionen Chinesen sind aus der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und ihren Organisationen ausgetreten und fast 200.000 Menschen haben gegen Jiang wegen seiner Rolle in der Verfolgung Strafanzeige erstattet.

Lin nimmt aktiv an Menschenrechtsaktivitäten teil und traf sich mit dem chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng (links). Sie ist Schauspielerin und hat in über 20 Filmen mitgespielt, in einigen wurde die Verfolgung von Falun Gong in China dargestellt (Mitte und rechts).

Unterstützung aus Kanada und der ganzen Welt

Mehrere Tage nachdem Lin am 16. Mai den Wettbewerb der Miss Kanada gewonnen hatte, statteten Sicherheitsagenten ihrem Vater in China Besuch ab. Sie drängten ihn, seine Tochter davon abzubringen, bei Menschenrechtsangelegenheiten mitzumachen und bedrohten ihn.

Doch in Kanada erhielt sie nach ihrer Rückkehr große Unterstützung. Bedienstete des Wettbewerbs boten ihr an, dass sie im nächsten Jahr in der Endrunde antreten könne. Ike Lalji, der Geschäftsführer von Miss Kanada, sagte, er sei von dem Vorgehen Chinas enttäuscht. „Manche Leute respektieren einfach keine Pluralität und Vielfalt. Es wäre doch eine gute Sache und würde der Welt Frieden bringen, wenn wir Kultur und Glauben voneinander annehmen könnten.“

Auch die kanadische Regierung unterstützte diese Sache. In einer E-Mail an die Zeitung The Globe and Mail, die nationale Zeitung Kanadas, schrieb Amy Mills, die Sprecherin für auswärtige Angelegenheiten: „Kanada lobt Frau Lin für ihre Bemühungen, die Menschen über diese Dinge zu informieren. Kanada ist auch beunruhigt über die Anschuldigungen, dass die chinesische Regierung die Familie von Frau Lin in China belästigt hat.“

Lin erhielt auch umfassende Unterstützung in anderen Ländern durch Facebook, Twitter und Medienberichten.

„Eine Schönheitskönigin zum Schweigen zu bringen, Journalisten zu zensieren und diejenigen, die einen religiösen Glauben haben zu foltern, ist kein Zeichen von Stärke“, urteilte die britische Zeitung The Guardian am 26. November 2015, „es ist vielmehr ein Zeichen von tiefgreifender Schwäche und Unsicherheit“.

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