Share on facebook
Share on twitter
Share on telegram
Share on google
Share on email
Share on print

Gemälde und Interview: „Zwangsernährung“

Ölgemälde “Zwangsernährung” von Wang Weixing, 2004

Reporter: Das Gemälde „Zwangsernährung“ stellt unter allen Ihren Gemälden, die Folter am direktesten dar. Im Mittelpunkt dieses Bildes ist das Gesicht einer jungen Frau mit Blut um ihren Mund. Darauf konzentrieren sich die Blicke der Betrachter. Würden Sie bitte etwas über die Geschichte hinter der Entstehung dieses Gemäldes erzählen?

Wang: Ich kenne einige Menschen, die früher einer Zwangsernährung unterzogen worden waren und als ich ihre Geschichten hörte, entstand der Wunsch, dies anschaulich darzustellen. Ich hoffte, dass die Betrachter durch mein Gemälde schnell die Botschaft erfassen könnten, die ich ihnen übermitteln wollte. Deshalb befindet sich das Gesicht des Mädchens im hellsten Bereich. Sie drückt ihre Augen zu und Blut fließt aus ihrer Nase. Ich malte die Polizeibeamten in abgedunkeltem Licht, jedoch nicht so sehr, dass sie unerkennbar wurden. Man kann sehen, wie das Licht des Mädchengesichtes auf ihre Gesichter strahlt. Die Reflektion des warmen Lichtes erzeugt einen kalten Effekt bei den Polizisten. Durch den Einsatz der Lichtreflektion, können mit den Schatten die Konturen und Gestalten der Polizisten herausgearbeitet werden. Der Polizist ganz im Hintergrund, im Dunklen, seine hellen Bereiche wurden unter Verwendung kalter Farbtöne, seine dunklen mittels warmer Farbnuancen abgebildet. Diese Person war sehr schwierig zu malen, weil er weiter entfernt war, im Dunkeln stand und deshalb nur schwer in Erscheinung gebracht werden konnte. Es ist sehr wichtig, Licht und Dunkel in Balance zu halten, das muss perfekt gelöst werden, um die gewünschten Effekte zu erzielen.

aus “Zwangsernährung” von Wang Weixing

Reporter: Haben Sie Modelle gehabt, als Sie dieses Bild malten?
Wang: Dieses Gemälde beinhaltete auch Bewegungen von Menschen, deshalb bat ich einige Personen, Fotos zu machen, um mir Anhaltspunkte zu liefern.

Reporter: Könnten Sie etwas darüber sagen, was Sie als Nächstes zu malen gedenken?Wang: Im Augenblick überlege ich mir ein Gemälde unter dem Titel: „Pflaumenblüten“. Inspiriert hierzu hat mich ein ganz besonders schönes klassisches chinesisches Gedicht. Als ich dieses Gedicht las, empfand ich, „Pflaumenblüten im kalten Schnee“ bezieht sich auf uns Falun Gong Kultivierenden. Weil wir unter dieser schlimmen Verfolgung leiden, ist eine Stärkung unserer aufrichtigen Gedanken, unsere einzige Chance. Das Bild zeigt eine Praktizierende, wie sie in Blut befleckten Kleidern durch den Schnee watet. Es zeigt auch Polizeibeamte, die im Schneesturm auf sie einprügeln. Sie geht in dem kalten Wetter bergauf, nur mit einem dünnen Kleid bedeckt, während die Polizeibeamten in dicken Übermänteln stecken. Der bitter kalte Wind peitscht Regen und Schneeflocken in ihre Gesichter, so dass die Polizeibeamten ihre Gesichter wegdrehen, während sie fortfahren ihre Füße mit Gewehrkolben zu peinigen. Ihre Füße sind in Fesseln, Gottheiten und Buddhas haben Tränen in ihren Augen. In dem Gemälde werden viele Bäume mit Pflaumenblüten sein. Doch das sind alles erst Gedanken, ich habe noch nicht mit dem Malen begonnen.

Reporter: Wie ist Ihre Erfahrung, sind Grundfertigkeiten eine Voraussetzung dafür, eine gute Künstlerin zu sein?
Wang: Oh, natürlich! Ein Künstler ohne Grundfertigkeiten wäre gleichbedeutend mit überhaupt keine Fertigkeiten zu besitzen. Als ich am Institut für Kunst in San Francisco studierte, hatte ich bereits 10jährige Erfahrung im Malen von berührbaren Objekten. Ich malte, was immer ich wollte, ich fand das so einfacher. Jedoch ein paar Studenten hatten keine guten Grundfertigkeiten, sie malten lieber weniger realistische Bilder. Der damals leitende Dozent legte sein Gewicht nicht so sehr auf die Wichtigkeit der Grundfertigkeiten, so waren sie sehr entmutigt. Deshalb gaben sie ihm zu erkennen, dass sie es dringend nötig hätten, ihre Grundfertigkeiten zu verbessern.
Später ersetzte das Institut den leitenden Dozenten. Der neue Chefdozent malte Stillleben außerordentlich gut, sie enthielten jedoch nicht viel Geist, so dass die Studenten mit ihm wiederum nicht zufrieden waren. Obwohl der vorausgehende Direktor keine Grundfertigkeiten lehrte, erlaubte er den Studenten Balladen zu studieren, damit sie ihre inneren Gefühle entwickeln konnten. Man braucht sehr gute Grundfertigkeiten, um das mitteilen zu können, was man mitteilen möchte. Jedoch ohne eigenständiges Denken funktionierte das auch nicht.
Wenn ein Künstler an einer Kunstausstellung teilnimmt und so viele Menschen zu Tode verfolgt worden sind und wir Künstler nur Betrachter bleiben, ohne ein einziges Wort dazu zu sagen, dann sind wir in Wirklichkeit keine wahren Künstler. Es spielt dann keine Rolle mehr, wie gut die Bilder gemalt sind, der Maler bliebe dann lediglich ein gegenständlicher Maler, denn Menschen haben Seelen, Gewissen und Moral. Renommierte Maler folgten ihrem Gewissen und brachten dies in kritischen Zeiten auch zum Ausdruck.

Reporter: Wollen Sie damit ausdrücken, dass für einen Künstler Moral, Diszipliniertheit und die Art zu Denken wichtig sind?
Wang: Wenn eine Person große Gemälde geschaffen hätte und sie gefühllos und unberührt bliebe, wenn ein Mensch vor ihr geschlagen wird, oder zuließe, dass ein Mensch geschlagen wird, dann kann die innere Seele dieser Person nicht schön sein. Sie würde herzlos beobachten, wie dieser Mensch geschlagen wird und da stehen, ohne irgendetwas zu tun. Ich würde nicht denken, dass diese Person als ein wahrer Künstler angesehen werden kann. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, bin ich bereit, mich an Kunstausstellungen, wie dieser hier, unter dem Thema “Kompromissloser Mut“, zu beteiligen. Als eine Künstlerin muss ich das in dieser Zeit zum Ausdruck bringen.

Reporter: Jeder Pinselstrich auf dem Gemälde, trägt die Botschaft der Künstlerin und nur mit innerer Schönheit kann ein Gemälde wirkliche Schönheit ausdrücken.
Wang: Meine Bilder reflektieren meine inneren Gefühle. Wenn ich mich unruhig, ruhelos fühle werden meine Pinselstriche chaotisch sein. Nur mit einem stillen Geist, kann man die innere Welt in sich selbst oder in anderen auskundschaften, erfahren und in gelassener Weise mitteilen, was man mitteilen möchte. Das ist ein interessantes Phänomen, das ich im Verlaufe meiner Kultivierung von Falun Gong erfahren habe. Jeder Künstler hat seinen eigenen Stil und seine Gewohnheiten.
Ich pflegte meine Sachen im Hause herum zu verstreuen und wenn du gesagt hättest, das sei nicht in Ordnung, hätte ich das nicht zugelassen. Ich war der Auffassung, dass Menschen sich voneinander unterscheiden, so wollte ich immer das tun, was immer ich tun wollte und hätte nicht zugegeben, dass dies eine Schwachstelle sei. So war mein Lebensstil sehr unregelmäßig. Ich malte, wann ich wollte und schlief wann mir danach zu Mute war. Ich dachte, Künstler hätten so zu sein und wenn ich nicht so wäre, würde ich auch keine Künstlerin sein. Erst als ich anfing, Falun Gong zu praktizieren, erkannte ich, dass die Dinge völlig gegenteilig sind. Künstler sind menschliche Wesen und haben alle möglichen Unarten an sich.

Die Leute betrachten dann diese schlechten Dinge als das Charakteristische eines Künstlers und meinen Künstler hätten so zu sein. Wenn Menschen sehr ruhig und adrett wären, dann würden sie wie Künstler aussehen. Das sind alles voreingenommene Meinungen. Die Wirklichkeit ist, ein Künstler ohne einen sinnvollen Lebensstil, wird nicht gut malen. Malen nach Belieben, bedeutet aus einer gewissen Stimmung heraus zu malen und dann kann man nicht in Gelassenheit weilen. Wenn Künstler nicht gelassen sind, sind sie außer Stande, feine Details zu malen. Jedoch das wusste ich vorher auch nicht und dachte noch, das sei so in Ordnung. Weil ich es persönlich erfahren habe, weiß ich nun, dass dies unmöglich ist.

Wenn eine Person Alkohol trinkt, müssen seine Pinselstriche gelblich und chaotisch sein, weil er sich in einer bestimmten Gemütslage befindet. Durch die Kultivierungspraxis habe ich einen sehr klaren Kopf bekommen und ich kann unterscheiden, was gut und was böse ist. Kunst orientiert sich am Zeitgeist, aber ich will nicht einfach der Masse folgen, weil ich jetzt selbst weiß, was Kunst wirklich auszeichnet.

Eine kurze Biographie der Künstlerin Frau Wang Weixing Frau Wang Weixing ist Professorin für Kunst. Sie graduierte an der Jiao Tong Universität, Schanghai und am Kunst Intitut, San Francisco. Sie hat an vielen Kunstausstellungen in China und den Vereinigten Staaten teilgenommen, eingeschlossen sind drei individuelle Ausstellungen. Sie veranstaltete eine individuelle Ausstellung am Kunst und Kulturzentrum in Cambridge, unter dem Thema „Suche in einem Irrgarten“. Diese Ausstellung zeigte, welche Ziele sie in ihrem Leben und in ihrer Kunst verfolgte. Sie hat gesagt, dass die Kultivierung von Falun Dafa sie aus diesem Labyrinth herausführte und ihr half, zu ihrem Ursprung, ihrem wirklichen Selbst, zurückzukehren. Sie drückte ihre Hoffnung aus, dass es ihr gelänge, ihre Gefühle durch ihre Kunst mitzuteilen und widmet ihre künstlerischen Werke allen, die sich nach Liebe und Frieden sehnen.

Alle Artikel, Grafiken und Inhalte, die auf Yuanming.de veröffentlicht werden, sind urheberrechtlich geschützt. Deren nicht-kommerzielle Verwendung ist erlaubt, wenn auf den Titel sowie den Link zum Originalartikel verwiesen wird.

Das Neueste

Archiv