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Geschichten aus alter Zeit: „Acht Winde“

Su Dongpo war auch ein großer Kultivierender des Zen-Buddhismus und befasste sich mit alchemistischer Herstellung von Pillen, die Unsterblichkeit verleihen. Obgleich er witzig und humorvoll war, war er doch als Kultivierender sehr ernsthaft und selbstdiszipliniert. Er sagte: „Niemand, der die Erleuchtung erreicht, ist sehr selbstdiszipliniert.“ Es gibt viele interessante Geschichten über ihn und seinen guten Freund, den Zen-Buddhisten Meister Foyin. Es folgt eines der Berühmtesten:

Eines Tages wurde Su Dongpo inspiriert und schrieb folgendes Gedicht:
Ich neige mein Haupt vor dem Himmel der Himmel,
haarfeine Strahlen erleuchten das Universum
die acht Winde können mich nicht bewegen,
wenn ich still auf dem purpurgoldenen Lotos sitze.

Mit den acht Winden sind gemeint: Lob, Lächerlichkeit, Ehre, Schande, Gewinn, Verlust, Vergnügen und Kummer – die Kräfte, die Menschen antreiben und beeinflussen.
Su Dongpo wollte mit seinem Gedicht ausdrücken, dass er eine höhere Bewusstseinsebene erreicht hatte, wo ihn diese Kräfte nicht mehr berühren konnten.

Von sich selbst beeindruckt schickte er einen Diener aus, um das Gedicht zu Foyin zu tragen. Er war sicher, dass sein Freund genauso beeindruckt sein würde, wie er selbst. Als Foyin das Gedicht las, schrieb dieser Zen-Meister auf das Manuskript: „Furz“ und schickte es an Dongpo zurück. Dieser war entsetzt, als er las, was der Zen-Meister geschrieben hatte. Er fuhr aus der Haut: „Wie kann er mich derartig beleidigen? Dieser lausige alte Mönch! Er muss mir eine Erklärung geben!“ Voller Empörung befahl er ein Fährboot heran, um sich so schnell wie möglich ans andere Ufer bringen zu lassen. Kaum angekommen sprang er herab und stürmte zum Tempel. Er wollte Foyin finden und eine Entschuldigung von ihm haben. Foyins Tür war aber verschlossen. An der Tür befand sich ein Stück Papier mit den folgenden zwei Zeilen:

Die acht Winde können mich nicht bewegen
Ein Furz blies mich quer über den Fluss.

Sofort kam Dongpo wieder zur Besinnung. Foyin hatte seinen hitzköpfigen Besuch vorausgesehen. Su Dongpos Ärger verschwand sofort, als er begriff, was sein Freund ihm sagen wollte. Wenn er wirklich ein Mann von so hoher geistiger Ebene wäre, unberührt von den acht Winden, wie konnte er sich dann so leicht provozieren lassen? Beschämt aber klüger ging Su Dongpo schweigend fort. Wir werden nie erfahren, welche Ebene Su Dongpo schließlich in seiner Kultivierung erreichen konnte. Aber wir können uns vorstellen, dass er nach dieser Episode in der Kultivierung weiter vorankam und dass er seine Herzensnatur (Xinxing) verbessern konnte.

Su Dongpo hatte viele Gaben. Sein Leben war reich und voll Farbe. Er war charismatisch, offenherzig und wortgewandt, sehnte sich jedoch danach, so unschuldig und arglos wie ein Kind zu sein. Über tausend Jahre hinweg, hat sein vielseitiges Erbe die Menschen fasziniert: Su-Dichtkunst, Su-Abhandlungen, Su-Kalligraphie, Su-Lyrik, Su-Malerei und seine berühmten Rezepte von Dongpo-Fisch oder Dongpo-Schwein.

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