Schnee im Juni oder: der Himmel ist immer gerecht.

Man fragt sich: Warum gibt es so viel Unheil und Elend? Warum sind Menschen, die offenbar keine Täter sind, Opfer von Katastrophen? Die Geschichte „Schnee im Juni“ gibt einen Einblick.

Die Geschichte spielt während der Zeit der Han-Dynastie. Es lebte eine junge Witwe namens Zhou Qing. Sie stellte das Wohlergehen anderer stets vor ihr eigenes. Nach dem frühen Tod ihres Mannes kümmerte sie sich hingebungsvoll um dessen Mutter. Diese war dafür sehr dankbar, grämte sich aber, ihrer Schwiegertochter so zur Last zu fallen. Sie wünschte sich einen neuen Ehemann für Zhou Qing. Als sie es nicht mehr ertragen konnte, nahm sie sich das Leben.

Als wäre die Situation nicht schon traurig genug gewesen, beschuldigte die Tochter der Schwiegermutter Zhou Qing des Mordes. Sie beschwerte sich beim Magistraten, worauf ein Gerichtsverfahren eröffnet wurde. Obwohl Zhou Qing ihre Unschuld beteuerte, glaubte ihr der Magistrat nicht und verurteilte sie zum Tode. Obwohl alle Dorfbewohner wussten, dass Zhou Qing keine Mörderin war, setzte sich niemand für sie ein.

Bevor Zhou Qing starb, betete sie zu den Göttern: „Oh ihr Götter im Himmel, sollte ich unschuldig sein, wird es im Juni schneien.“ Weiter sagte sie, dass während dreier Jahre schlechte Ernten und Dürren folgen sollten. Und so geschah es. Die Ortsbewohner erlebten Elend und Hunger. Während dreier Jahre fiel kein einziger Regentropfen und im Juni wurde es kalt und Schnee bedeckte die Erde.

Im dritten Jahr kam ein neugewählter Magistrat ins Dorf. Er war fromm und glaubte, dass Gutes mit Gutem und Böses mit Bösem vergolten wird. Er fragte sich, was in der Gemeinde geschehen war, dass die Menschen so leiden mussten. Die Ortsbewohner berichteten ihm von Zhou Qings traurigem Tod. Gleichzeitig murrten sie: „Warum müssen wir dafür büßen? Der frühere Magistrat hat Zhou Qing zum Tode verurteilt. Es ist seine Schuld.“ Das stimmt wohl, dachte der neue Magistrat bei sich und fand keine Erklärung.

Der Schutzgott des Dorfes sah das gute Herz des neuen Magistraten und verriet ihm in einem Traum den Grund für die Hungersnot. Er sagte zu ihm: „Es stimmt, geirrt hatte sich jener Magistrat, der ein Urteil sprach ohne Herz und Recht. Doch die Menschen vom Ort wussten von der Unschuld Zhou Qings, über deren Lippen noch nie ein schlimmes Wort gekommen war. Sie hatten zwar Mitleid mit ihrem Schicksal, doch hatten sie kein Wort übrig für ihr Erbarmen.“

Die Gottheit folgerte: „Übeltäter oder Komplize, wo ist da der Unterschied? Es gab keinen Widerspruch, somit trifft die Schuld alle. Und Schuld muss beglichen werden. Dies zu erkennen ist der Menschen Aufgabe und das Buße tun ist der einzige Ausweg aus dem Leid.“

Der neue Magistrat erwachte aus seinem Traum und wusste nun, was zu tun war. Gemeinsam mit den Ortsbewohnern führte er eine Gedenkfeier am Grab von Zhou Qing durch. Alle drückten ihr ehrliches Bedauern darüber aus, dass sie so schreckliches Unrecht und Leid hatte erleben müssen. Sie bereuten ihr falsches Verhalten und baten um Entschuldigung für ihr eigenes Versagen.

Die Zeremonie war noch nicht zu Ende, da zogen bereits schwarze Wolken am Himmel auf. Alsbald setzte der lang ersehnte Regen ein, der die Zeit der Dürre beendete.

Die Geschichte „Schnee im Juni“ veröffentlicht auf dem Kanal von Lea’s Einblick/ Youtube

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