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Organtransplantationen in China: Überlebende wenden sich an Trudeau-Regierung in Kanada

„Organtransplantationen in China: Überlebende wenden sich an Trudeau-Regierung“ von Reporterin Catherine Lévesque erschien in der Québec-Ausgabe der Huffington Post am 7. April 2017.

Zwei Überlebende von Zwangsarbeitslagern in China äußerten darin ihre Hoffnung, dass die kanadische Regierung handeln wird, um diese schrecklichen Verbrechen zu beenden, die jedes Jahr in völliger Geheimhaltung zum Tod von Zehntausenden von Chinesen führen.

Huffington Post-Artikel „Organtransplantationen in China: Überlebende wenden sich an die Trudeau-Regierung“ (Screenshot)

Der Reporter interviewte die zwei Falun Gong-Praktizierenden Cindy Song und Jing Tian, die in China inhaftiert waren. Cindy Song war 26 Jahre alt, als sie im Jahr 2001 verhaftet wurde und als Gefangene aus Gewissensgründen für drei Jahre in ein Zwangsarbeitslager in der östlichen Stadt Zibo gesperrt wurde. Ihr Verbrechen? Sie richtete sich nach der Lehre von Falun Gong.

Der Bericht stellte fest, dass die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) seit fast 18 Jahren Falun Gong-Praktizierende verfolgt. Viele von ihnen verschwanden nach ihrer Verhaftung auf mysteriöse Weise.

Songs Tage im Lager begannen um 06:00 Uhr und endeten um ca. 23:00 Uhr, manchmal um Mitternacht. Ihre Mahlzeiten waren auf fünf Minuten begrenzt und sie musste um Erlaubnis bitten, wenn sie zur Toilette gehen wollte. Die Gefangenen durften nie miteinander sprechen.

Die Zeit, die sie am Arbeiten war, konnte als ziemlich friedlich angesehen werden, sagte Song. Denn diese Zeit stand in scharfem Kontrast zu den Stunden der Folter, der sie ausgesetzt war.

Wenn sie nicht die 18 oder 19 Stunden am Tag arbeitete, wurde Song geschlagen, in Isolationshaft gesperrt, Gehirnwäsche-Verfahren ausgesetzt oder sie durfte tagelang nicht schlafen. Einmal war sie gezwungen, neun Tage und Nächte lang auf den Beinen zu stehen.

Gefangene wie sie wurden auch gezwungen, sich medizinischen Untersuchungen zu unterziehen. Schon bevor sie in das Arbeitslager kam, zwang ein Arzt Song, Blut- und Urinproben abzuliefern und sich röntgen zu lassen.

Im Arbeitslager musste sie ihre Fingerabdrücke auf ein Formular geben, das eine Zustimmung zur Spende ihrer Organe war. Von Zeit zu Zeit sagten ihre Wärter, sie hätten „Vorgaben“ zu erfüllen oder sie drohten, sie in ein „Spezialgefängnis“ zu schicken, aus dem sie nicht zurückkehren würde.
Gräueltaten wurde 2006 aufgedeckt

Eine der ersten, die offenlegte, dass politische Gefangene wegen ihrer Organe getötet wurden, war die Ex-Frau eines Chirurgen, der in einem Konzentrationslager in Sujiatun im Nordosten Chinas operierte. Sie offenbarte diese Gräueltat im März 2006 unter der Bedingung der Anonymität.

Ihr Mann hatte ihr gesagt, dass er die Augenhornhaut von Gefangenen, die Falun Gong praktizierten, entfernte, während einige von ihnen noch lebten. Das Krankenhaus, in dem er arbeitete, entnahm auch Leber, Nieren und Haut, bevor die Körper in einen Verbrennungsofen geschoben wurden, um jegliche Beweise für das Vergehen zu vernichten.

Jing Tian, die zwischen 1999 und 2003 mehrmals in Zwangsarbeitslagern eingesperrt war, sagte, dass sie damals verstanden habe, warum sie so oft während ihrer Haftzeit untersucht worden war. „Ich war geschockt. Ich konnte es nicht glauben“, sagte sie durch einen Dolmetscher.

Jing Tian (links), ihre Mutter (Mitte) und ihre Schwester Jing Cai (rechts)

Sie hatte Schreckliches erleiden müssen. Während ihrer Zeit in der Haft wurde sie mitten im Winter spärlich bekleidet an einen Baum gebunden, oder sie wurde über einem Ziegelbrennofen festgebunden. Sie erlebte, wie einige Gefangene zu Tode geprügelt wurden.

Jing erinnert sich, dass Ärzte ihr acht Reagenzgläser mit Blut abnahmen und dass sie Fragen über ihre Familienangehörigen und ehemalige Kollegen beantworten musste.

„Weil ich in einer großen Stadt gelebt habe, weil ich viele Bekannte hatte und weil ich meiner Familie sehr nahe war, taten sie mir nichts. Allerdings führten sie regelmäßig Untersuchungen durch.“

Andere Gefangene hatten nicht so viel Glück, einige von ihnen kamen mitten in der Nacht und waren vor dem Morgengrauen verschwunden, erzählte sie.
Ein Gesetzentwurf in Ottawa

Das Thema Organhandel ist zurück auf der Tagesordnung, denn der konservative Abgeordnete Garnett Genuis hat vor, die Bill C-561 des ehemaligen Liberalen Kabinettministers Irwin Cotler wiederaufleben zu lassen, die im Jahr 2013 nur zu einer ersten Anhörung im Unterhaus kam.

C-561 würde strafrechtliche Strafen über Personen verhängen, die am Organhandel beteiligt sind, sei es in Kanada oder im Ausland. Dies bezieht sich auf die Verpflanzung von Organen, die aufgrund einer finanziellen Transaktion oder ohne Zustimmung des Spenders durchgeführt wurden.

„Hier in Kanada haben wir eine Gesetzeslücke, die angegangen werden muss“, sagte Genuis in einer Rede in dieser Woche. „Es gibt kein Gesetz, das einen Kanadier daran hindert, ins Ausland zu gehen, um ein Organ zu erhalten, das durch Ausbeutung erlangt wird.

„Organhandel zu unterstützen ist nach dem Völkerrecht ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, also sollte es auch hier in Kanada ein Verbrechen sein.“

Der ehemalige Abgeordnete David Kilgour und der Menschenrechtsanwalt David Matas veröffentlichten 2006 einen Bericht, der das Ausmaß des Handels mit Organen von politischen Gefangenen in China beleuchtete. Ihr Bericht wurde als „extremistisch“ angesehen und wurde in China und Russland verboten.

Die beiden Männer und der Journalist Ethan Guttmann wiederholten das Ganze zehn Jahre später im Jahr 2016 und legten einen umfangreichen Bericht über 798 Seiten vor, in dem sie schätzen, dass das kommunistische Regime in China von 2000 bis 2015 bis zu 1,5 Millionen Organtransplantationen organisiert hat.

China schätzt andererseits, dass jährlich etwa 10.000 Transplantationen durchgeführt wurden und dass die Organe von Gefangenen mit deren vorheriger Zustimmung entnommen wurden.
Kanada muss seine Augen „weit offen halten“

Weil die Trudeau-Regierung die Beziehungen zu China stärken will, glaubt Kilgour, dass Kanada in Bezug auf die Frage der Menschenrechte die Augen weit offen halten und sich für die „kanadischen Werte“ einsetzen muss.

„Die Leute haben Angst, dass dieser Gesetzesentwurf [C-561] nicht durchgehen wird, weil es China verärgern könnte. Aber wie könnte es China ärgern, wenn sie sagen, dass sie das sowieso nicht tun?“, sagte er und betonte die Ironie der Haltung Chinas.

Cindy Songs Folterungen endeten ein paar Monate vor ihrer Entlassung im Herbst 2004. Ihr Vater übte täglich Druck auf die Behörden aus, bis sie aus dem Arbeitslager entlassen wurde.

Im Nachhinein glaubt Song, dass die Mobilisierung durch ihr Umfeld ihr das Leben gerettet hat. „Ich glaube, dass ich ohne die Hilfe meiner Eltern verschwunden wäre“, meint die heute 42-jährige Frau.

Jing Tian trat in viele Hungerstreiks, um gegen die Haftbedingungen zu protestieren. Sie wurde endgültig freigelassen, nachdem sie 50 Tage lang nichts gegessen hatte und sich am Rande des Todes befand.

Die 47-jährige Frau glaubt, dass die Behörden sie nach Hause geschickt haben, weil sie jegliche negative Publicity in Bezug auf ihren Tod vermeiden wollten. Auf jeden Fall konnten ihre Organe nicht entnommen werden, weil sie nach ihrem Hungerstreik in einem so schlechten Zustand waren, sagte sie.

Artikel in der Huffington Post mit dem Titel „Organtransplantationen in China: Überlebende wenden sich an Trudeau-Regierung“ (siehe Screenshot)
Ein neues Leben in Kanada

Beide Frauen sind seither nach Kanada umgezogen und leben ein relativ friedliches Leben. Song hat Jura studiert und möchte Anwältin werden. Jing liebt die Gartenarbeit und geht zu den touristischen Stätten in Vancouver, um dort die Handlungen des chinesischen Regimes anzuprangern.

„Es ist wichtig, die Leute darüber zu informieren, was in China geschieht. In Kanada kann man sich schwer vorstellen, dass solche Dinge auf der Welt passieren. Aber sie geschehen wirklich“, sagt Song.

Sie hofft, dass die Trudeau-Regierung dies bei der Verhandlung eines Freihandelsabkommens mit China im Auge behalten wird. „Wenn man Geschäfte macht, sollte man viel über den anderen Partner wissen“, sagt sie. „Wenn er Massenmord begeht, werden Sie dann noch Geschäfte mit ihm machen?

Es handelt sich um einen Völkermord der Neuzeit. Es passiert gerade jetzt. Die Art und Weise, wie wir reagieren, zielt auf unsere Menschlichkeit und unser moralisches Empfinden.“

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