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Wie der Ginkgo Biloba zum Baum der Liebenden wurde

„Liebe Kinder haben viele Namen“ ist ein bekanntes deutsches Sprichwort. Der Baum mit den einzigartig geformten Blättern lebt seit 300 Millionen Jahren auf unserer Erde. Er wird für seine Anpassungsfähigkeit verehrt. Menschen unterschiedlicher Kulturen haben ihn mit weiteren Namen bedacht. Er wird Fächerbaum, Entenfuss-Baum, Grossvater-Enkel-Baum, Tausend-Taler-Baum und seit Goethes Gedicht auch „Baum der Liebenden“ genannt.

Die besondere Form der Gingko-Blätter / Wikipedia

Einst war der aus China stammende Ginkgo auf der ganzen nördlichen Halbkugel verbreitet. Spätestens mit der letzten Eiszeit verschwand die Gattung der Ginkgoaceae aus Europa. Im wärmeren Ostasien überlebte sie. Von den Europäern wurde der Ginkgo im Japan des 18. Jahrhunderts wiederentdeckt und beschrieben. Mit der Entwicklung der botanischen Wissenschaft stieg das Verlangen der Fürstenhäuser nach exotischen Pflanzen für ihre Parkanlagen. 1730 brachten holländische Händler Samen nach Europa.

Johann Wolfgang von Goethe lebte von 1749 bis 1832. Zu seiner Zeit war der Ginkgo Biloba Gegenstand der naturwissenschaftlichen Forschung und auch ein beliebtes Gesprächsthema in der Gesellschaft. So soll im Herbst des Jahres 1815 Goethe während eines Gespräches mit Freunden das zweiteilige Blatt des Ginkgobaumes als Symbol des Doppelsinnigen, das vielen Dingen innewohnt, herangezogen haben.

Ginkgo Biloba, 1815 (Original in Goethe Museum, Düsseldorf) / Wikipedia

Ein solches Blatt und ein eigens dazu geschriebenes Gedicht sandte er als Ausdruck seiner Zuneigung an Marianne von Willemer, der dritten Ehefrau des Frankfurter Bankiers Johann Jakob von Willemer. Daraus entstand eine Art literarischer Dialog zwischen den beidenEiniges davon wurde im Buch „Suleika“ (Codewort für Marianne von Willemer) im „West-östlichen Divan“ veröffentlicht.

Ginkgo Biloba von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut,
Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwey, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?
Solche Frage zu erwiedern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?


Gingko-Baum im Eecherplatz in Luxembourg / Wikimedia Commons

Quellenangaben: Ginkgo, Der Baum des Lebens, Insel Taschenbuch 4164 und Marianne Beuchert, Symbolik der Pflanzen, Insel Taschenbuch 2994, ab Seite 111. Ergänzendes Videomaterial: Ein Gespräch mit dem Goethe-Biografen Rüdiger Safranski. (D, 48 Min.)

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